Neue Insel vor Gwadar

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Entstehung einer Insel vor der pakistanischen Küste | Beschreibung der Ursache | Erklärung des geologischen Phänomens Schlammvulkan

Erdbeben sorgte für eine Überraschung: Der Tag, an dem die neue Insel auftauchte

Am 24. September 2013 wurde die an den Iran grenzende Provinz Belutschistan im Südwesten von Pakistan von einem Erdbeben der Stärke 7,7 (Richter-Skala) erschüttert. Die starken Erschütterungen dieses Erdbebens lösten mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum knapp vor der Küstenstadt Gwadar die Entstehung eines Schlammvulkans aus. Dieser bildete sich im dort nur knapp 20 Meter tiefen Meer. Durch die Menge des ausgeworfenen Materials durchbrach er die Wasseroberfläche. Es bildete sich eine Insel.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 3:30 Minuten  (Erklärung hier)

Es ist nicht das erste Mal, dass in dieser Gegend aufgrund eines Schlammvulkans eine Insel entstanden ist. Bereits 1999 und 2010 gab es ähnliche Ereignisse. Die damals entstandenen Inseln sind mittlerweile aber wieder verschwunden. Nach Einstellung der Aktivität der beiden Schlammvulkane wurden die Inseln vom Meer wieder abgetragen. Da kein weiteres Material nachströmte, konnten sich die Inseln nicht gegen die Erosion durch Wellen und Gezeiten behaupten. Das wird auch mit der neuen Insel so geschehen. Ein pakistanischer Geologe glaubt, dass die Insel voraussichtlich nur einige Monate bestehen wird. Dennoch haben Einheimische ihr mittlerweile einen Namen gegeben Zalzala Jazeera  (bedeutet übersetzt Erdbeben-Insel).

Ältere Einwohner der Gegend erinnerten sich, dass an dieser Stelle bereits vor 60 bis 70 Jahren eine derartige Insel aufgetaucht war. Man nannte sie damals Zalzala Koh (bedeutet Erdbeben-Hügel). Wissenschaftler gingen dieser Geschichte nach und fanden in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1945 wirklich ein derartiges Ereignis. An der gleichen Küste, Makran genannt, allerdings 100 Kilometer von Gwadar entfernt.

In der Zwischenzeit ist die knapp 40 Meter breite, 90 Meter lange und ca. 20 Meter hohe Insel zur großen Sehenswürdigkeit bei den Einheimischen geworden. Kein Wunder, liegt sie doch nur etwa zwei Kilometer vor der Küste, nahe der Stadt Gwadar . Fast durchgehend ankern Boote voller Schaulustiger vor der Insel (siehe Bild). Viele gehen auch auf ihr spazieren. Schlammvulkane gibt es in dieser Gegend auch an Land. Der berühmteste wird Chandragup genannt und ist für Hindus ein heiliger Pilger-Ort.

Von längerem Bestand sind neue Inseln, die im Gegensatz zu Schlammvulkanen von richtigen Vulkanen gebildet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Insel Surtsey  bei Island. Ihre Entstehung begann am 14. November 1963 durch den Ausbruch eines unterseeischen Vulkans knapp 30 Kilometer vor der Südküste von Island (1967 erloschen). Die spektakulären Bilder der Entstehung dieser Insel waren damals weltweit Hauptthema in den TV-Nachrichten. Surtsey hat heute eine Fläche von eineinhalb Quadratkilometern. Aber auch sie wird vom Meer langsam erodiert. Ihre größte Ausdehnung hatte sie Ende der 1960er-Jahre mit ca. zweieinhalb Quadratkilometern Fläche.

KML-LogoFullscreen-LogoQR-code-logoGeoJSON-LogoGeoRSS-LogoWikitude-Logo
Neue Insel vor der Stadt Gwadar in Pakistan

Karte wird geladen - bitte warten...

Gwadar Insel: 25.182778, 62.271111

SCHLAMMVULKAN-WISSEN
punktierte Linie
  • Was sind Schlammvulkane? Bei Schlammvulkanen handelt es sich um Erhebungen, die optisch meist die Form eines Vulkans haben. Anstelle von Lava tritt aber Schlamm aus, der meist mit Methan versetzt ist. Es handelt sich dabei um so genannten „Kalten Vulkanismus“, also ohne Hitzeentwicklung. Im geologischen Sinn ist er also kein echter Vulkan. Schlammvulkane werden wissenschaftlich dem Diapirismus (aus tieferen Erdschichten aufsteigendes Material) zugeschrieben. Manchmal entzündet sich entweichendes Methangas, dann „brennen“ Schlammvulkane auch (beispielsweise in Aserbaidschan).
  • Wo gibt es Schlammvulkane? Etwa 1100 Schlammvulkane sind derzeit weltweit bekannt. Sie können einen Durchmesser von unter einem Meter oder aber mehreren Kilometern haben. Sie treten häufig auf dem Meeresboden auf (etwa in der Karibik, vor Norwegen, im Schwarzen Meer oder im Kaspischen Meer), manchmal an Land (etwa in Aserbaidschan oder in Italien).
  • Wie entstehen Schlammvulkane? In der Regel aufgrund natürlicher Ursachen. Beispielsweise die Erschütterungen durch ein Erdbeben (wie im aktuellen, besonders spektakulären Fall vor Gwadar). Aber auch menschliche Ursachen sind bekannt. Ein Beispiel ist der Schlammvulkan Sidoarjo  vor der indonesischen Insel Java, rund zwanzig Kilometer südlich von Surabaya. 2006 kam es dort in der Nähe einer Erdölbohrung zu einem massiven Materialauswurf. Diese Schlam-Eruption dauert immer noch ein. Mittlerweile ist ein Krater mit einem Durchmesser von knapp 60 Metern entstanden und ein rund 15 Meter hoher Kegel hat sich gebildet. Wissenschaftler rechnen damit, dass genügend Auswurfmaterial im Boden vorhanden ist, um den Sidoarjo-Vulkan noch weitere 25 Jahre aktiv zu halten. In den ersten zwei Jahren überflutete der Schlamm eine Fläche von mehrerern Quadratkilometern. Tausende Menschen mussten – auf Dauer – evakuiert werden.
  • Aus welchem Material bestehen Schlammvulkane? Das aus der Erdkruste austretende Material ist aufgeschlämmtes Sedimentgestein, meist auf Basis von Ton. Aufgrund der relativ geringen Dichte dieses Materials steigt es bei Druck leicht auf. Im Normalfall wird das schlammige Material von einer stabilen Schicht anderen Gesteins unter Tag gehalten. Wenn diese Deckschicht bricht, sorgt das meist im Schlamm enthaltene Methan dafür, dass dieser an die Oberfläche sprudelt (vergleichbar dem Effekt nach Öffnen einer zuvor geschüttelten Flasche Mineralwasser). Der Bruch der Deckschicht kann durch ein Erdbeben erfolgen, aber auch durch Erschütterungen durch Erdölbohrungen (siehe Sidoarjo-Schlammvulkan).
Foto: National Institute of Oceanography (NIO)/Pakistan