Drei Meteoriten schlagen in Tirol ein

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Beschreibung von Meteoriten-Einschlägen in Tirol | Hintergrund zur Wucht, die selbst hinter einem kleinen Meteoriten-Einschlag steckt und wie wahrscheinlich es ist, dass man von einem getroffen wird

Innsbruck, Ischgl, Reutte: Und plötzlich schlugen Meteoriten in Tirol ein…

Was haben der Innsbrucker Stadtteil Mühlau, Ischgl und Reutte gemeinsam? Sie sind Schauplatz von offiziell anerkannten und somit zweifelsfrei nachgewiesenen Meteoriteneinschlägen. Damit zählen diese drei Vorkommnisse auf Tiroler Boden zum kleinen aber erlesenen Kreis von nur acht derartigen Ereignissen, die für das gesamte österreichische Staatsgebiet bekannt sind. Jetzt muss sich aber niemand Sorgen machen, dass einen ein derartiges Ereigneis einmal treffen wird. Bis heute sind nur zwei Todesfälle von Lebewesen auf der Erde bekannt, die auf einen Meteoritentreffer zurückgehen: 1911 ein Hund in Ägypten und 1972 eine Kuh in Venezuela (siehe auch Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Infobox).

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Der Ischgler Meteorit: Im Juni 1976 fand Josef Pfefferle auf einer Bergstraße bei Ischgl bei Aufräumungsarbeiten von Lawinenresten aus dem vorangegangenen Winter einen sonderbaren Stein. Laut dem Finder war der Stein bei den Arbeiten aus dem Schnee gefallen und vor ihm auf der Straße gelandet. Er bemerkte sofort das ungewöhnliche Aussehen des Steins und dachte sogar kurz daran, dass es möglicherweise ein kleiner Meteorit sein könnte. Er nahm den Stein zwar mit, legte ihn zu Hause aber erst einmal zur Seite. Erst zwölf Jahre später, im Jahr 2008, brachte er das Fundstück zur Universität Innsbruck, wo dann laut „The Meteoritical Society“ festgestellt wurde, dass es sich in der Tat um einen Meteoriten handelt. 2011 wurde der Meteorit, der ein Gewicht von 724 Gramm und eine gräulich-schwarze Farbe hat, vom Naturhistorischen Museum in Wien angekauft. Er wird dort heute ausgestellt. Eine kleine Probe verblieb an der Universität Innsbruck. Fundort auf Google Maps hier.

Der Mühlauer Meteorit: Um 1877 wurde auf einer Wiese am Rande einer Baumgruppe östlich des Mühlauer Friedhofes oberhalb des Mühlenweges ein kleiner Meteorit (der kleinste aus dem Tiroler Trio) gefunden, der heute – wie der Ischgler Meteorit – im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt wird (hier ist ein Foto von diesem Meteoriten zu finden). Bei dem Fundstück aus dem Stadtgebiet aus Innsbruck handelt es sich um ein Meteoriten-Fragment. Ob noch andere Fragmente dieses Metoriten, dessen Einschlagszeitpunkt unbekannt ist, noch in diesem Gebiet zu finden sind, wird möglicherweise ungeklärt bleiben. Fundort auf Google Maps hier.

Der Reuttener Meteorit: Eine spektakuläre, rund 90 Kilometer lange Leuchtspur, zog der bekannte Neuschwanstein-Meteorit am 6. April 2002 gegen

22:30 Uhr in den Nachthimmel über Tirol und Bayern. Diese Leuchtspur begann in rund 85 Kilometern Höhe über Innsbruck und endete ca. 16 Kilometer über dem Boden, fast exakt über der österreichisch-deutschen Staatsgrenze, kurz vor Reutte (nördlich des Plansees). Der Meteorit schaffte den Weg durch die Erdatmosphäre nicht in einem Stück. In einer Höhe von ungefähr 22 Kilometern explodiert er (siehe Foto rechts oben). Einige Fragmente des ursprünglich geschätzt rund eine halbe Tonne schweren Meteoriten schlugen allerdings am Boden im Gebirge im Grenzgebiet auf. Viele Menschen waren damals in Tirol und Bayern Zeuge des – nur etwa sechs Sekunden dauernden – Spektakels am Himmel.

Beim Reuttener Meteoriten handelt es sich um eines von drei bis dato gefundenen Bruchstücken des bekannten Neuschwanstein-Metoriten  (die anderen beiden Bruchstücke landeten in Bayern). Das Tiroler Bruchstück mit dem Namen Neuschwanstein III (siehe Foto rechts) ist mit einem Gewicht von rund 2,8 Kilogramm das schwerste der drei Fragmente. Es gilt heute als Hauptmasse des Meteoriten und wurde knapp drei Monate nach dem Einschlag gefunden. Es könnten insgesamt bis zu sechs oder sieben Bruchstücke den Boden erreicht haben. Angeblich laufen Gespräche zwischen dem Finder und dem Naturhistorischen Museum in Wien zum Zwecke eines Verkaufs von Neuschwanstein III. Der Wert des Metoriten wird laut Wikipedia auf bis zu 300.000 Euro geschätzt. Die Gemeinde Reutte hatte zuvor vergeblich auf die Herausgabe von Neuschwanstein III durch den Finder in Deutschland geklagt (Details dazu hier). Fundort von Neuschwanstein III auf Google Maps hier.

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

Drei Meteoriten schlagen in Tirol ein
Drei Meteoriten schlagen in Tirol ein
HINTERGRUND: METEORITEN
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  • Klein, aber oho – der Mühlauer Meteorit: Ein 9-mm-Projektil einer Pistole (beispielsweise Glock 17) hat ein Gewicht von ca. 5,6 Gramm (Action 1). Die Geschossgeschwindigkeit beträgt ca. 400 Meter pro Sekunde. Meteorite haben eine Geschwindigkeit zwischen 20.000 und 70.000 Meter pro Sekunde. Am Beispiel des Mühlauer Meteoriten (dessen Geschwindigkeit nicht bekannt ist) mit einem Gewicht von 5 Gramm, also in etwa der Größenordnung eines Pistolenprojektils, ergibt sich nun aber durch die weitaus höhere Geschwindigkeit (zwischen dem 50 und 175-fachen) ein Vielfaches an freigesetzter Auftreffenergie. Wird nur die niedrigste, mögliche Geschwindigkeit angenommen, ergibt sich eine Auftreffenergie von rund einer Million Joule – vergleichbar mit einem Viertelkilogramm Dynamit.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass man in seinem Leben (angenommene Lebenserwartung 80 Jahre) von einem Meteoriten getötet wird, liegt bei 1:3,75 Milliarden. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz erschlagen zu werden, liegt bei 1:12.500. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben, liegt bei etwas mehr als 1:3000 – wenn man vier Stunden pro Jahr in einem Flieger sitzt. Ein 80 Jahre dauerndes Leben genügt also nicht, man müsste mehr als 100 Jahre ununterbrochen fliegen, um einen „Eintritt“ der Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses zu erfüllen.
ÖSTERREICHISCHE METEORITEN
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  • Für das heutige österreichische Staatsgebiet sind acht Meteoriten offiziell als authentisch anerkannt (in Klammern das Einschlags- bzw. Fundjahr sowie das Gewicht): Ischgl (1976/Fund/724 Gramm), Lanzenkirchen (1925/Einschlag/sieben Kilogramm), Mauerkirchen (1768/Einschlag/19 Kilogramm), Minnichhof (1905/Einschlag/550 Gramm), Mühlau (1877/Fund/fünf Gramm), Prambachkirchen (1932/Einschlag/2,13 Kilogramm), Reutte (2002/Einschlag/2,8 Kilogramm), Ybbsitz (1977/Fund/15 Kilogramm). Quelle: Meteoritical Bulletin Database.
Fotos: Tueftli/Schweidler (2), Shutterstock/Migel, Pilon