Freunde bei Facebook

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Hintergründe zur Sammelwut von Freunden auf Facebook | Warum viele Menschen sich nicht trauen, Freunde auf Facebook zu löschen | Die Neidspirale und Freunde-Rekorde in der Facebook-Welt

Ein Mensch kann eigentlich nur 150 Freunde haben – außer auf Facebook

Wissenschaftler der Universität Oxford haben in einem Vergleich des menschlichen Gehirns mit jenem von Primaten untersucht, wie soziale Organisation funktioniert. Dabei haben sie herausgefunden, dass der Mensch nur 150 Freunde haben kann. Vereinfacht ausgedrückt – zu jedem Freund werden notwendige Daten im Gehirn abgespeichert. Und der dafür vorgesehene Speicherplatz reicht nur für 150. Die typische Anzahl von Freunden ist 50.

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Kennen Sie Harvirt Dikili? Der junge Mann gehört zu jenen Menschen auf Facebook, die in der Hitparade der längsten Freundeslisten ganz vorne liegen. Sage und schreibe 6627 Freunde hat Harvirt Dirkili. Die durchschnittliche Anzahl der Facebook-Freunde liegt übrigens bei 342. Dies ergab eine groß angelegte Studie von Facebook-Profilen des Suchmaschinen betreibers Wolframalpha.com. Die Anzahl der Freunde unterscheidet sich dabei stark nach Ländern. Spitzenreiter ist Island, wo Facebooker im Schnitt an die 400 Freunde haben. Dichtauf folgen Brasilien und die Philippinen. Die Schlusslichter sind Russland und China. In Österreich liegt die Zahl bei etwa 150.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es beim Sammeln von Facebook-Freunden nicht nur darum geht, mit den wirklichen Freunden zu kommunizieren. Die Zahl der Trophäen in der Freundesliste wird oft auch aus verschiedensten anderen Gründen nach oben getrieben. Eine hohe Zahl ist für viele ein Statussymbol. Sie soll ausdrücken, dass man beliebt ist. Auch Neugier steckt hinter der Sammelwut. Schließlich gilt es, viel „Interessantes“ über andere zu erfahren.

Sehr interessant ist eine Studie des britischen Gutscheinportals Vouchercodespro.co.uk. Sie gibt Einblick in die Psychologie hinter der Jagd nach Facebook-Freunden. Jeder dritte Brite würde – so die Erhebung – nervige „Freunde“ gerne löschen, tut es aber nicht. Entweder fürchtet man die Konsequenzen oder man ist einfach zu neugierig, was im Leben dieser Menschen vor sich geht. Von den im Durchschnitt rund 290 Freunden eines britischen Facebook-Nutzers sind nur zehn Prozent wirkliche Freunde, Freunde mit denen man auch im realen Leben Zeit verbringen

möchte. Das unstillbare Verlangen, am Privatleben der falschen Freunde teilhaben zu können, ist für die meisten Nutzer ein Hauptgrund, die vermeintliche Freundschaft nicht doch aufzugeben. Zu interessant erscheinen aktuelle Statusmeldungen sowie gepostete Bilder und Videos. Dieser Ansicht stimmen 58 Prozent zu. Mit 47 Prozent weniger als die Hälfte behalten Freunde aus dem Familienkreis auf Facebook – auch wenn sie sie nicht unbedingt leiden können. Zu sehr haben sie das Gefühl, diese Personen aufgrund der Verwandtschaft nicht löschen zu dürfen. In den meisten Fällen kommt die hohe Zahl an Facebook-Freunden nicht zuletzt auch dadurch zustande, indem frühere Schulkollegen, etc. gehalten werden, für den Fall, dass man sie in Zukunft noch einmal brauchen könnte. 17 Prozent trennen sich nicht, weil ihnen „Freundschaften“ auf Facebook auch einen direkten Zugang zu deren Freunden und Aktivitäten zeigt.

Facebook kann aber auch viele andere Emotionen bei Menschen auslösen. Auch viele negative. Laut einer Studie von Forschern der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität Berlin wecken Besuche sozialer Netzwerke oft Frust, Unzufriedenheit und Neid. 36,9 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich während und nach der Nutzung von Facebook schlecht fühlen. Und zwar einsam, traurig oder frustriert. Der Grund dafür sind die positiven Nachrichten der Facebook-Freunde. Um die negativen Gefühle zu verarbeiten, wird die eigene Präsentation auf Facebook getunt. Dies führt wiederum zu Neidgefühlen bei anderen. Die deutschen Wissenschaftler nennen den Vorgang Neidspirale. Immerhin – für 43,8 Prozent der Befragten war der letzte Besuch auf Facebook mit positiven Emotionen verbunden.

FACEBOOK-WISSEN
punktierte Linie
  • Freundesliste verbergen: Wenn bei Google die Begriffe „Facebook Freunde“ abgefragt wird, findet man eine große Anzahl von Treffern vor, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man die Freundesliste vor den Augen der anderen verbergen kann. Nun macht es Facebook bekanntermaßen nicht einfach, Einstellungen zu ändern. Laufend wird der Ort, wo eine bestimmte Funktion zu finden ist verändert. Laufend werden neue Funktionen dazugegeben, alte deaktiviert. Immer wieder wird das Wording verändert. Verwirrend. Fast möchte man glauben, da steckt System dahinter. Aber wie bzw. wo ändert man nun die Sichtbarkeit der Freundesliste? Auf der Hauptseite des Benutzers das Feld suchen, in dem die Freunde eingeblendet sind. Oberhalb der Freundesanzeige ist ein Balken mit dem Eintrag „Freunde“ und rechts das Symbol eines Stiftes. Auf diesen Stift drücken und im erscheinenden Menü den Eintrag „Privatsphäre bearbeiten“ anklicken. Es erscheint ein Fenster. Beim Punkt „Freundesliste“ wird rechts eingeblendet, welche Einstellung derzeit gewählt ist. Daneben findet man ein Pfeil-Symbol. Dieses anklicken. Es erscheint ein Menü, wo man die gewünschte Einstellung vornehmen kann.
  • Studie über sich selbst erstellen: Wer mehr über sich und seine Facebook-Welt wissen möchte, für den gibt es ein Onlinetool, mit dem man seinen Facebook-Account analysieren lassen kann. Zur Verfügung gestellt wird dieses Tool von dem renommierten Suchmaschinenbetreiber Wolframalpha.com, dessen Facebook-Generalstudie im Haupttext angeführt ist. Hier geht es zum Analysetool.
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