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Bergsturz von Köfels

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Köfels-Bergsturz: Ötztaler Talboden: 47.116635, 10.932169
Köfels-Bergsturz: Ausgangspunkt des Bergsturzes: 47.100395, 10.898867
Köfels-Bergsturz: Umhausen: 47.137658, 10.928049
Köfels-Bergsturz: Aufschüttung am Gegenhang: 47.122125, 10.954056
Köfels-Bergsturz: Niederthai: 47.124578, 10.969591
Köfels-Bergsturz: Winklen: 47.100571, 10.947447
Köfels-Bergsturz: Ötztaler Ache: 47.125688, 10.925388
Köfels-Bergsturz: Stuibenfall: 47.126870, 10.951095
Köfels-Bergsturz: Maurachschlucht: 47.119293, 10.942469

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Der Ablauf des Bergsturzes von Köfels | Erklärung der Ursache | Erklärung von Fachbegriffen zu Bergstürzen | Alternative Theorien mit Bezügen zu biblischen Erzählungen

Köfels-Bergsturz: Megaereignis mit der Kraft von 346 Hiroshima-Bomben

Vor etwa 8700 Jahren ereignet sich im Ötztal bei Umhausen der weltweit drittgrößte, derzeit bekannte Bergsturz. Der Köfels-Bergsturz. Lange Zeit dachte man an vulkanische Tätigkeit oder einen Meteoriteneinschlag als Ursache. Neuere Forschungen zeigen aber, dass es sich um einen nacheiszeitlichen Bergsturz handelt. In der Eiszeit wurden Bergflanken von riesigen Gletschern gestützt. Nach dem Abschmelzen des Eises fehlte dessen Stützkraft. Das Resultat waren enorme – in Tirol recht häufige – Bergstürze. Zwei auf einen Meteoriteneinschlag begründete Theorien sorgten im Zusammenhang mit dem Köfels-Bergsturz zuletzt für ein bei Wissenschaftlern heiß diskutiertes Comeback dieser theorethischen Ursache (siehe unten).

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Das Gesamtvolumen des sich in Bewegung setzenden Abbruchmaterials des Köfels-Bergsturzes betrug 3,28 Kubikkilometer. Das Abbruchmaterial stürzte auf einer Gleitfläche von etwa zehn Quadratkilometern ins Ötztal. Durch die beim Absturz entstandene Reibungshitze von über 1700 Grad kam es zu einer Umwandlung des Abbruchmaterials von Gneis in ein glasiges, bimssteinartiges Gestein, das als Köfelsit bezeichnet wird. Die beim Bergsturz frei gesetzte Energie hatte die Kraft von rund 4,5 Megatonnen TNT. Dies entspricht mehr als 346 Atombomben, wie sie die US-Amerikaner im zweiten Weltkrieg auf Hiroshima abgeworfen haben (13 Kilotonnen TNT). Das rutschende Gestein erreichte beim Sturz, beschleunigt durch die Schwerkraft, Geschwindigkeiten von 150 bis 200 Stundenkilometer.

Wissenschaftler der Technischen Universität Wien führten im Bereich der Maurachschlucht, dem Zentrum der Aufschüttung des Materials durch den Bergsturz, Messungen durch. Diese ergaben, dass die ursprüngliche Talsohle an dieser Stelle in rund 400 Metern Tiefe liegt. Die Grenzschicht

der alten Talfüllung auf etwa 100 Metern Tiefe. Über dieser Grenzschicht lagert vor allem sandiges Gestein, das durch die enormen Drücke und Temperaturen beim Bergsturz entstanden ist.

Im Verlauf des Bergsturzes prallte das abgebrochene Material des Köfels auf der gegenüberliegenden Talseite des Ötztales auf die Bergflanke. Das führte zu einem Auftürmen des Abbruchmaterials. Die dortige Geländestufe hinauf nach Niederthai zerteilte das „anflutende“ Abbruchmaterial in einen unteren und einen oberen Teil. Der untere Teil wurde durch die Wucht des Aufpralls in sandiges Gestein zermahlen. Der obere Teil landete auf der Geländestufe. Dadurch wurde der Horlachbach aufgestaut. Es bildete sich ein natürlicher Stausee. Der Horlachbach musste sich ein neues Bachbett suchen und stürzt heute als höchster Wasserfall Tirols Richtung Ötztaler Talboden – der Stuibenfall. Durch den Bergsturz wurde auch die Ötztaler Ache aufgestaut. Damals bildete sich ein sieben Kilometer langer See Richtung Längenfeld. Auch die Ötztaler Ache musste sich nach dem Bergsturz ein neues Flussbett suchen, die heutige Maurachschlucht.

Der Köfels-Bergsturz und seine Verbindung zu biblischen Katastrophen I: Die Sintflut
Der Wiener Universitätsprofessor Alexander Tollmann stellte in Zusammenhang mit dem Köfels-Bergsturz 1993 eine Theorie auf, für die er von anderen Wissenschaftlern scharf kritisiert wurde. Die Theorie fasste er im Buch „Und die Sintflut gab es doch“ zusammen. Darin heißt es, dass die Genesis und die Johannes-Apokalypse in der Bibel den Einschlag eines siebenteiligen Kometen vor rund zehntausend Jahren, zeitgleich mit dem Köfels-Bergsturz, sowie den Zustand danach beschreiben. Ein Bruchstück dieses Kometen soll laut Tollmann den Bergsturz von Köfels ausgelöst haben. Somit wäre die Naturkatastrophe im Ötztal untrennbar mit der biblischen Katastrophe der Sintflut verbunden.
In der wissenschaftlichen Arbeit „Der Sintflut-Impakt“ schreibt Tollmann: „Der Sintflut-Impakt erfolgte um etwa 3 Uhr in der Früh mitteleuropäischer Zeit zu Nordherbstbeginn um das Äquinoktium (23. September) bei Neumond um das Jahr 9545 vor heute. Der Sintflut-Impaktor war ein bedeutender, nach Kilometern messender Komet (nicht Asteroid), der beim Vorbeiflug an der Sonne in sieben große und zahlreiche kleine Stücke zerlegt worden war. Er kam von (Ost-)Südosten auf die Südhalbkugel der Erde zu. Die sieben Haupteinschläge erfolgten sämtlich im Weltozean (…) Nur kleinere Fragmente trafen das Festland. Zu diesen Einschlägen gehört zum Beispiel jener von Köfels in Österreich.“
Der Köfels-Bergsturz und seine Verbindung zu biblischen Katastrophen II: Sodom und Gomorra
Mark Hempsell, ein Wissenschaftler der Universität Bristol in Großbritannien, hat 2008 ebenfalls einen biblischen Bezug zum Köfels-Bergsturz hergestellt. Und zwar zur Geschichte um Sodom und Gomorra im Alten Testament. Die Forscher hatten sich mit der Übersetzung einer assyrischen Planisphäre aus Ton (siehe Foto rechts) des Britischen Museums beschäftigt, die in den Ruinen der Bibliothek des Königspalastes von Niniveh im heutigen Irak gefunden worden war. Sie entzifferten den Inhalt als Niederschrift eines Augenzeugenberichts eines Asteroiden-Einschlages, bei dem auch die Städte Sodom und Gomorra zerstört worden sein sollen. Die Beschreibung auf der Tontafel sei dermaßen exakt, dass die Größe (Durchmesser knapp eine Kilometer) und die Flugbahn des Asteroiden berechnet werden konnte, so Hempsell. Der Himmelskörper hat auf einer sehr flachen Bahn die Erdatmosphäre durchquert. Dabei soll er durch einen „Streifschuss“ am Gamskogel bei Längenfeld zerbrochen und die dadurch entstandenen Trümmer am Köfels eingeschlagen sein. Dies soll den Bergsturz ausgelöst haben. Trümmer, die bis zu zwei Dritteln aus der ursprünglichen Gesamtmasse des Asteroiden bestanden haben sollen, wurden in
Richtung Anflugroute, also den Nahen Osten, zurückgeschleudert. Laut Hempsall sind mehr als ein Dutzend jahrtausendealte Mythen bekannt, deren Ursache ein Ansteroiden-Einschlag sein könnte. Wie in seiner Theorie beschrieben. Darunter auch die biblische Erzählung von der Zerstörung von Sodom und Gomorra. Das Ereignis soll sich am Morgen des 29. Juni im Jahr 3123 v. Chr. ereignet haben – was nicht mit der Datierung des Köfels-Ereignisses übereinstimmt (ca. 6700 v. Chr.).

Bergstürze in Tirol

FAKTEN ZUM KÖFELS-BERGSTURZ
punktierte Linie
  • Bergsturz: Als Bergsturz (auf Englisch übrigens „Sturzstrom“ genannt) wird ein großer Felsabbruch an steilen Bergflanken bezeichnet. Bei derartigen Vorgängen verhält sich das abbrechende Gesteinsmaterial (durch eingeschlossene Luftpolster) ähnlich wie Wasser. Es „fließt“ mit enormer Geschwindigkeit und kann an gegenüberliegenden Bergflanken, wie Wasser an einer Hafenmauer, aufbranden. Im Tiroler Oberinntal gibt es einige Beispiele für derartige Vorgänge, etwa die enorm großen Bergstürze von Köfels, Tschirgant, Fernpass und Haiming.
  • Köfelsit: Köfelsit nennt man eine durch einen Bergsturz hervorgerufene Gesteinsverglasung. Von der Konsistenz ähnlich dem vulkanischen Bimsstein. Namensgeber dieser Gesteinsform ist das Ötztaler Köfels. Das Material wurde von den Ötztalern jahrhundertelang als Schmirgelmaterial verwendet, da es vergleichbare Eigenschaften wie Bimsstein hat. Vergleichbare großflächige, und nicht auf einen Meteoriteneinschlag zurückgehende Gesteinsverglasungen, sind neben Köfels auch im Gebiet des Tsergo-Ri-Bergsturzes in Nepal gefunden worden. Wissenschaftler hatten lange bezweifelt, dass bei einem Bergsturz genügend Energie für eine Gesteinsschmelze freigesetzt wird. Aus diesem Grunde ist man früher von vulkanischer Tätigkeit oder einem Meteoriteneinschlag als Ursache für die Gesteinsumwandlung in Köfelsit beim Köfels-Bergsturz ausgegangen. Aktuelle Berechnungen zeigen aber, dass auch riesige Bergstürze mit Temperaturentwicklungen an den Reibeflächen des abstürzenden Materials von bis zu 1700 Grad derartige Verglasungen auslösen können.
  • Arten von Bergstürzen: Es gibt zwei Arten: Schlipf- und Fallstürze. Beim Schlipfsturz gleitet das sich in Bewegung setzende Abbruchmaterial eine Bergflanke hinunter. Beim selteneren Fallsturz befindet sich das Gestein im freien Fall.
  • Auslöser für Bergstürze: Vor allem Erdbeben kommen als Auslöser für Bergstürze wie im Tiroler Oberland in Frage. Die Vibrationen brechen die letzten Verbindungen im Gesteinsverbund, die Schwerkraft setzt dann das Gestein in Bewegung. Extreme Niederschläge oder Temperaturschwankungen können einen ähnlichen Effekt haben (Aufhebung der Bindekraft). Auch Einschläge von Meteoriten können einen Bergsturz auslösen.

Eine Zusammenfassung des Themas „Bergstürze in Tirol“ ist hier zu finden.

Foto: BabelStone