Bergbau in Tirol

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Überblick über die Bergbaugeschichte Tirols | Sonderfall Schwaz, größtes Silberbergwerk der Welt im 16. Jahrhundert | Überblick über Bergbaugebiete in Nord- und Osttirol | Tiroler Bergbaurekorde

Das mit Naturschätzen am reichsten beschenkte Land der Alten Welt

Die Blütezeit des Tiroler Bergbaus fällt in das 15. und 16. Jahrhundert. Tirol galt in der Alten Welt als das mit Naturschätzen am reichsten beschenkte Land. Vom Niedergang des Bergbaus ab Ende des 16. Jahrhunderts konnte sich die Tiroler Wirtschaft jahrhundertelang nicht mehr erholen.

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Bergbau wird in Tirol schon seit Jahrtausenden betrieben. Beispielsweise im gesamten Bereich der Nordkette auf den Gebieten der heute zu Innsbruck gehörenden Siedlungen Hötting, Grafenwardt (heute Gramart) und Kranebitten in der Eisenzeit um 1000 v. Chr (und später wieder für Kupfer, Blei, Zink und Silber im 15. und 16. Jahrhundert). Eine erste Blütezeit gab es zur Römerzeit (um 200 v. Chr.), eine zweite, viel größere, im Mittelalter. Nach einigen Anfängen um die Jahrtausendwende, datieren die ersten aus dem Mittelalter überlieferten größeren Gründungen von Bergbaubetrieben auf dem Gebiet des heutigen Tirol aus dem 12. (Asphaltgruben bei Seefeld) und 13. Jahrhundert (Arsen aus dem unteren Iseltal, Salzbergbau bei Hall in Tirol).

Im 14. Jahrhundert ging es steil aufwärts mit der Gewinnung verschiedenster Erze und zwar in Ellmau, am Pillersee, Jochberg, Hopfgarten, Brixendorf, im Zillertal (Gerlos und Brandberg) und am Wattenberg. Im 15. Jahrhundert folgten Bergbauaktivitäten in Schwaz, Rattenberg, in der Kelchsau, Kitzbühel, Traholz, Kirchberg, Kundl, Thierberg, Vomp, Pillersee, Weer, Hainzenberg, Volders, Obernberg, Imsterberg, Flirsch, Fließ, Tösens, Pfunds, Imst und Lienz.

BERGBAU-MASSEINHEITEN
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  • Der Bergbau war im Mittelalter in Tirol ein derart wichtiger Wirtschaftszweig, dass im Zuge der Erzgewinnung sogar einige notwendig gewordene Maßeinheiten eingeführt wurden, die teilweise über die Grenzen Tirols hinaus Gültigkeit besaßen.
  • Gemind: Längenmaß in Bergwerken der Grafschaft Tirol. Entspricht 3 1/6 Meter.
  • Kübel: Volumenmaß in Tiroler Bergwerken. Entspricht 38 Liter.
  • Lachter: Verschiedene Längenmaße in Bergwerken Tirols (1769 bis 1809 und ab 1815 gültig). Entspricht 1,8949 Meter. Sonderfall Innsbruck (vor 1769): 2,005 Meter. Sonderfall Kitzbühel (1747): 1,78 Meter. Sonderfall Schwaz: 1,75 Meter.
  • Pänne: Volumenmaß im Tiroler Bergbau. Entspricht 477,725 Liter.
  • Gemind: Volumenmaß in Bergwerken Tirols. Entspricht 28,317 Liter.
YOUTUBE  Video der Minen-Ruinen im Platzertal.
Tirol war im Mittelalter eines der wichtigsten Bergbaugebiete Europas. Tiroler Bergwerke sorgten zudem für einige Montanrekorde. Der Schwazer Silberbergbau, oft auch „Mutter aller Bergwerke genannt“, war Anfang des 16. Jahrhundert das größte Montangebiet in Europa. Schwaz war aufgrund des Bergbaus nach Wien die zweitgrößte Stadt im Habsburger-Reich. Die Haller Münze, in der Schwazer Silber zu Münzen verarbeitet wurde, hatte eine führende Stellung in der Entwicklung der europäischen Münztechnik. Das Wort Dollar für die US-Währung geht beispielsweise auf den in Hall in Tirol und im böhmischen Joachimsthal erfundenen Taler zurück (der Guldiner war Vorläufer des Talers als europaweit gültiges Zahlungsmittel). Der Heilig-Geist-Schacht im Abbaugebiet Rerobichl bei Oberndorf war Ende des 16. Jahrhunderts mit 886 Metern der tiefste Schacht der Welt. Mit 2815 Metern Meereshöhe eines der am höchsten gelegenen Bergwerke Europas war der Erzabbau im Platzertal. Die Minen im Platzertal bei Pfunds und Tösens waren auch die einzigen in Europa, die in der ersten Phase der Kleinen Eiszeit (1570 bis 1630) von einem vorrückenden Gletscher, dem Bergler Ferner, 1610 zerstört worden waren und dann für mehr als 250 Jahre schließen mussten. Das in Fieberbrunn gewonnene Eisen wurde zum weltbekannten Pillersee-Stahl verarbeitet, der einen Feingehalt von mehr als 35 Prozent Eisen hatte. Auch in Sachen Unglücken hielt Tirol lange einen traurigen Rekord. Durch den Einbruch des Bucher-Baches in den Schwazer Heilig-Kreuz-Stollen im Jahr 1448 kamen zwischen 100 und 266 Bergleute ums Leben. Eine größere Katastrophe mit mehr Todesopfern erreignete sich erst über 400 Jahre später in England.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mussten viele Tiroler Bergwerke ihren Betrieb einstellen. Dies lag nicht an erschöpften Erzvorkommen, sondern dass um diese Zeit große Mengen verschiedenster Metalle, die auch in Tirol abgebaut wurden, aus dem gerade entdeckten Amerika eingeführt wurden. Vor allem die Spanier überschwemmten den Markt mit Importen aus ihren Kolonien, was zu einem Preissturz führte. Der Tiroler Bergbau konnte zu diesen Preisen nicht kostendeckend produzieren, da die meisten Bergwerke in sehr unwegsamem Gelände lagen (teure Erzbringung). Die Aufbereitungsverfahren reichten zudem nur für eine gewinnbringende Ausbeutung von ergiebigen Erzadern.

YOUTUBE  Video des Bergwerks Thierbach.
2571 Tonnen Silber wurden in Schwaz gefördert – Münze von Innsbruck über Meran nach Hall
In der zeit von 1470 bis 1535 waren die Minen Falkenstein, Alte Zeche und Ringenwechsel in Schwaz laut deutschem Mineralienatlas die bedeutendsten Silber- und Kupferproduzenten in ganz Europa. Bei jährlich zehn Tonnen Silber und 800 Tonnen Kupfer lag die Ausbeute Ende des 15. Jahrhundert. Das entsprach ungefähr 15 Prozent der europäischen Produktion. Mit 16 Tonnen Ausbeute war 1523 das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Schwazer Silberbergbaus. Der bergmännische Segen erstreckte sich in der Tiroler Unterlandgemeinde über vier Jahrhunderte, in denen insgesamt 2571 Tonnen Silber und 191.000 Tonnen Kupfer gewonnen wurden.
Erzherzog Sigmund verlegte die Tiroler Münze 1477 von Meran (sie war zwischen 1230 und 1241 auch kurz in Innsbruck angesiedelt) nach Hall in Tirol. Sie sollte näher an den Schwazer Minen, deren Silber verarbeitet wurde, angesiedelt sein. Schwaz fiel als Standort aus, da die Gemeinde zu dieser Zeit im Gegensatz zu Hall in Tirol über keine Stadtmauer verfügte. 1486 wurde der erste Haller Taler geprägt. Abgeleitet von Inntal. Rund dreieinhalb Jahrzehnte später prägte auch die Münze Joachimsthal in Böhmen ihren ersten Taler. Hall in Tirol und Joachimsthal gelten heute übrigens gemeinsam als Erfinder des Talers (nachdem der Dollar benannt wurde).

BEKANNTE BERGBAUGEBIETE
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  • Alpeiner Scharte: Die Alpeiner Scharte liegt am östlichen Ende des Valser Tals zwischen den Gipfeln von Fußstein und Schrammacher. Bereits 1774 hatte der Tiroler Kartograf Peter Anich unterhalb der Scharte in westlicher Richtung eine Lagerstätte mit Molybdän beschrieben. Von 1941 bis 1945 wurde auf 2805 Metern Molybdän abgebaut.
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  • Aurach bei Kitzbühel: Als Unterkunft für Knappen wurde die heutige Bochumer Hütte auf der Kelchalm einst 1832 errichtet. Abgebaut wurde bis 1926 Kupfer. Bereits 1000 bis 800 v. Chr. gab es hier Kupferbergbau.
  • Bad Häring: Eine Braunkohlelagerstätte am Pölven im Osten des Ortes wird schon seit dem Mittelalter betrieben.
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  • Biberwier: Bereits im Mittelalter (1511) wurde an der Silberleithe Bergbau betrieben. Abgebaut wurde Silber, Smithsonit (früher Galmei genannt), Blei und Zink. Zuletzt 1921.
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  • Brixen im Thale: Wahrscheinlich bereits 3000 v. Chr. wurde am Götschen südöstlich des Ortes Kupferbergbau betrieben. Im 17. Jahrhundert wurde dieser wieder aufgenommen (bis Ende des 18. Jahrhunderts).
  • Fieberbrunn: Bereits zur Römerzeit wurde Bergbau betrieben. Besonders intensiv wurde Eisen im 16. Jahrhundert am Gebra und in den Rettenwandauen gefördert. Zuletzt 1908.
  • Flirsch: Rund fünf Kilometer nordöstlich von Flirsch liegt im Stanzer Tal die Eisenspitze. In 2800 Metern Höhe wurde dort seit dem Mittelalter Eisen, Mangan, Gold, Quecksilber und Blei abgebaut. Erste Bergbautätigkeiten im Stanzer Tal werden für 1000 v. Chr. vermutet. Auch oberhalb des Kohlwaldes wurde geschürft.
  • Fügenberg: Gold und Eisen standen seit dem Mittelalter im Mittelpunkt des Fügenberger Bergbaus. Von 1562 bis 1760 wurden insgesamt neun Stollen an der Südostflanke des Grätzenkopfs und am Samjoch im Öxltal angelegt.
  • Fulpmes: In der Schlick wurde vom 14. bis ins 16. Jahrhundert Gold und Eisen abgebaut.
  • Hainzenberg: Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wurde mit Goldabbau begonnen, der 1870 eingestellt wurde. Versuche, diesen wieder zu beleben gab es noch bis 1930.
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  • Hall in Tirol: Vom 13. Jahrhundert bis ins Jahr 1967 wurde im Halltal Salzbergbau betrieben. Es wird aber vermutet, dass es bereits 500 v. Chr. den ersten Salzabbau gab.
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  • Hochfilzen: Seit 1957 wird in Hochfilzen bis heute Magnesit gefördert. Entdeckt wurden die Lagerstätten am Weißenstein und der Rettenwand 1925.
  • Igls: Von 1653 bis 1692 wurde am Goldbichl beim einstigen Schloss Hohenburg in Igls oberhalb von Innsbruck Gold und Silber abgebaut.
  • Karrösten: Die Anfänge des Bergbaus am Tschirgant gehen auf die Bronzezeit zurück, mit einer Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert. Gefördert wurde hauptsächlich Zink, Gold, Silber und Smithsonit (früher Galmei genannt).
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  • Kirchdorf in Tirol: Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Kupfer abgebaut.
  • Kundl: Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert wurde in Liesfeld und Schiferthal Silber, Kupfer und Kobalt abgebaut.
  • Nassereith: Nassereith ist nur einer von weltweit 80 bekannten Fundorten des seltenen Minerals Krokoit (früher Rotbleierz genannt), das neben Zink vor allem im 17. und 18. Jahrhundert am Alpleskopf und Dirstentritt gefördert wurde.
  • Obernberg: Der Bergbau im Obernbergtal erlebte seine Blütezeit vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Gefördert wurde Silber, Blei und Kupfer. Ebenfalls abgebaut wurde Marmor. Die Ursprünge des Erzabbaus am Kühberg sollen sogar auf die Römerzeit zurückgehen.
  • Oberndorf: Im westlichen Gemeindegebiet Richtung Going am Rerobichl (bis 1927 noch St. Johanner Ortsgebiet) wurde bereits um 800 v. Chr. Kupfer und Silber abgebaut. Die Blütezeit kam dann Anfang des 16. Jahrhunderts (bis 1773). Der Heilig-Geist-Schacht war Ende des 16. Jahrhunderts mit 886 Metern der tiefste Schacht der Welt. 1969 versuchte eine südafrikanische Minengesellschaft den Bergbau wieder aufzunehmen. Eine Bürgerinitiative verhinderte dies.
  • Pertisau: In der Nähe der Gaisalm bei Pertisau wird seit 1902 Ölschiefer für die Gewinnung des so genannten Tiroler Steinöls abgebaut.
  • Pfunds/Tösens: Eines der am höchsten gelegenen Bergwerke Europas liegt auf 2815 Metern im Platzertal. Abgebaut wurden seit dem 15. Jahrhundert Blei, Zink und Kupfer. 1610 musste der Abbau allerdings eingestellt werden – wegen des Vorrückens des Bergler Ferners. Die Minen-Anlagen wurden vom Gletscher zerstört. 1884 wurde das Bergwerk wieder in Betrieb genommen (bis 1910).
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  • Reith im Alpbachtal: Vom 15. bis ins 19. Jahrhundert wurde am Reither Kogels Silber und Kupfer gefördert. Das Vorkommen war das zweitgrößte in Tirol nach jenem in Schwaz.
  • Schlaiten: Im 13. Jahrhundert fand die Silbergewinnung in Schlaiten im Bezirk Lienz erstmals Erwähnung. Die Blütezeit des Abbaus war im 15. Jahrhundert. In den Bergwerken im Michelbachtal und am Göriachbach herrschte bis Anfang des 20. Jahrhundert Betrieb. Zu dieser Zeit wurde Arsen gewonnen.
  • Schwendt: Seit dem Mittelalter wurde Eisen und Blei geschürft. Der Bergbau wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingestellt.
  • Schwaz: Im Mittelalter war das Schwazer Silberbergwerk das größte und ertragreichste Silberbergwerk der Welt (auch Kupfer wurde gewonnen). Anfang des 16. Jahrhunderts waren nicht weniger als 7400 Knappen beschäftigt und es wurden 85 Prozent des weltweit geförderten Silbers in Schwaz abgebaut. Die Tiroler Gemeinde war Europas größte Bergbaumetropole und mit 20.000 Einwohnern nach Wien die zweitgrößte Stadt im Habsburger-Reich. Mitte des 16. Jahrhundert wurde Schwaz als weltweite Silbermetropole von Potosi im heutigen Bolivien (damals spanische Kolonie) abgelöst. Silber wurde in Schwaz noch bis 1957 geschürft, bis 1999 Dolomit. Heute ist die Stollenanlage ein Schaubergwerk.
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  • Silz: Im Gebiet der Schwarzen Wand im Wörgetal, ein Seitental des Nedertales (von Kühtai aus zu erreichen), wurde hauptsächlich im 15. und 16. Jahrhundert Kupfer, Blei, Arsen und Gold abgebaut.
  • Tösens: Siehe Pfunds.
  • Trins: Bereits in der Römerzeit Bergbaugebiet. Vom 14. bis 17. Jahrhundert wurde im so genannten Antimongraben am Eingang des Trunatales Antimon, Blei und Kupfer und in den Stollen am Muttenjoch Blei und Kupfer abgebaut. An der Wildgrube auch Silber.
  • Virgen: Hauptsächlich Eisen und Kupfer, aber auch Silber und Gold, wurde in Bergwerken im Mullitztal am Glaurat ab etwa 1540 abgebaut (Blütezeit um 1600). Aber auch schon in der Römerzeit wurden Erze geschürft.
  • Vomp: Zwischen 1276 und 1490 wurde im Vomper Loch im Gebiet der Brandlrinne bis in die Lafatsch Silber abgebaut.
  • Tux: Von 1927 bis 1976 stand in Tux, rund 500 Höhenmeter oberhalb von Vorderlanersbach Richtung Nordwesten, Europas höchstgelegenes Magnesitbergwerk. Die Lagerstätte wurde 1910 entdeckt.
  • Wattenberg: Vom 14. bis ins 17. Jahrhundert wurde im Mölstal und in der Knappenkuchl Kupfer und Eisen abgebaut.
  • Westendorf: Im 16. und 17. Jahrhundert wurde vor allem im Windautal Kupfer und Blei gewonnen.
  • Wildschönau: Ab dem 16. Jahrhundert wurden in Thierbach an den Flanken des Gratlspitz Silber und Kupfer geschürft. Von 1791 bis 1861 war jener Stollen in Betrieb, der heute ein Schaubergwerk ist.
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