Schlacht um den Gföllbichl

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Pfeilspitzen beweisen „Schlacht um den Gföllbichl“ | Wahrscheinlich bauten die „Ur-Möserer“ bereits mit Mörtel

Sensationsfund in Mösern: Archäologen entdecken „Troja von Tirol“

Erstaunliches haben Tiroler Archäologen bei Ausgrabungen in Mösern im Gemeindegebiet Telfs entdeckt: Um die vor kurzem aufgefundene frühgeschichtliche Siedlung auf dem Gföllbichl muss einmal ein heftiger Kampf getobt haben. Pfeilspitzen und Brandspuren legen diese Vermutung nahe.

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Ebenfalls aufsehenerregend: Wahrscheinlich bauten die „Ur-Möserer“ bereits mit Mörtel. Die etwa 2600 Jahre alte Siedlung aus der Eisenzeit ist vom Zirler Hobbyforscher Anton Kartnaller entdeckt worden und war schon im Vorjahr Ziel einer Ausgrabung des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck unter Leitung von Prof. Gerhard Tomedi (siehe Porträtfoto rechts). Damals hatten die Forscher Wohnhäuser und eine Grabanlage identifiziert und kleinere Funde – vor allem Tonscherben – gemacht.

Bei der Ausgrabungskampagne im heurigen Sommer, die noch bis Ende der Woche dauert, kamen weitere aufsehenerregende Funde dazu. Grabungsleiter Tomedi: „Wir haben am Rand der Siedlung die Reste einer Steinmauer ausgegraben, die wahrscheinlich Teil einer Befestigung war. Dort lagen auf einer relativ kleinen Fläche sieben Pfeilspitzen. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass die Siedlung von unten her intensiv beschossen wurde. Aber das muss jetzt noch im Detail erforscht werden.“

Darauf, dass hier im Wald bei Mösern eine heftige kriegerische Auseinandersetzung stattgefunden hat, etwa der Überfall oder Raubzug eines Nachbarstammes, deuten auch Brandspuren bei der Mauer hin. In dieses Szenario passt außerdem, dass die Siedlung am Gföllbichl nicht allzu lange existierte – wahrscheinlich nur ein bis zwei Jahrhunderte. Möglicherweise führte der Kampf, dessen Spuren nun ans Licht kamen, zur Zerstörung dieses „Troja von Mösern“.

Als wäre das noch nicht genug, kann Grabungsleiter Tomedi von der Universität Innsbruck noch eine weitere bemerkenswerte Entdeckung melden: „Im Mauergefüge haben wir eine Art Mörtel aus Kalk, Sand und Lehm gefunden. Bisher ist man immer davon ausgegangen, dass dieses Bindemittel erst mit den Römern – also Jahrhunderte später – zu uns gekommen ist. Sollte sich die Annahme erhärten, dass es sich wirklich um Mörtel handelt, wäre das eine kleine Sensation.“

Es recherchierte  Stefan Dietrich

Schlacht um den Gföllbichl
Schlacht um den Gföllbichl
Schlacht um den Gföllbichl
Fotos: MG Telfs/Dietrich