Zeitzonen und Sommerzeit

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Hintergrund zu Zeitzonen und Sommerzeit | Geschichtliche Ursprünge der Idee Sommerzeit | Energieeinsparungspotenzial einer Sommerzeitumstellung | Geschichte der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) | Grundlagen zu Zeitzonen und Weltzeit

Eine kleine Zeitreise: Die Geschichte
der Zeitzonen und der Sommerzeit

Am 29. März um 2:00 Uhr wird auf die Sommerzeit 2015 umgestellt: Die Beschäftigung mit dem Thema Uhrzeit reduziert sich bei den meisten Menschen auf kurze Blicke auf eine Uhr um die aktuelle Zeit abzulesen. Doch zweimal im Jahr wird der Umgang mit den Zeitmessern intensiver. Dann nämlich, wenn eine Umstellung von Sommer- auf Winter- oder Winter- auf Sommerzeit ansteht – so sich die Uhren nicht automatisch anpassen. Doch warum gibt es diese Zeitumstellung eigentlich?

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Die Sommerzeit ist eine Abänderung der regulären Zeit einer Zeitzone um eine Stunde nach vorne. Die Normalzeit ist immer die Winterzeit, die Sommerzeit also der Sonderfall. Offiziell begründet wird die Sommerzeit mit der dadurch möglichen Einsparung von Energie. Diese Begründung ist allerdings sehr umstritten.

Die Idee zu einer Art Sommerzeit hatte als erster der Politiker Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika. 1784 dachte er laut über eine Anpassung an die Stunden des Tageslichts nach. Er schlug vor, dass die Menschen im Sommer ganz einfach früher aufstehen sollten. Der Brite William Willett war dann der erste, der sich eingehend mit der Thematik befasste. 1907 erschien seine Abhandlung „The Waste of Daylight“ (übersetzt „Die Verschwendung des Tageslichts“). Er schlug vor, in den Sommermonaten die Uhren schrittweise um 80 Minuten vorzustellen um Beleuchtungskosten zu sparen (an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen im April um je 20 Minuten vor, im September in gleichen Schritten wieder zurück). Die Idee wurde aber von der Politik abgelehnt. 1915 starb Willet. 1916 wurde seine Idee allerdings aufgegriffen und auch umgesetzt. In vier Ländern: Österreich, Deutschland, Großbritannien und Irland.

In den USA wurde im Bundesstaat Indiana 2008 eine Untersuchung durchgeführt, ob mit einer Sommerzeit tatsächlich Energie gespart werden kann. Dazu wurde der Stromverbrauch von rund 224.000 Haushalten von Sommer und Winter verglichen. Das Ergebnis: der Stromverbrauch stieg um ein Prozent an. Für private Haushalte wirkt sich also die Sommerzeit scheinbar knapp negativ statt positiv aus. Der Grund dürfte ein erhöhter Heizbedarf in den Morgenstunden in der Übergangszeit sein. Die Mehrkosten der 224.00 Haushalte betrugen 6,35 Millionen Euro pro Jahr.

Immerhin 28,30 Euro pro Haushalt. Die Wissenschaftler merkten zusätzlich an, dass es zu mehr Umweltverschmutzung kommt. Industrie und Wirtschaft hatte man in die Untersuchung nicht mit einbezogen. Das Argument: die meisten Unternehmen verzeichnen ihre Spitzen im Energieverbrauch üblicherweise mit und ohne Zeitumstellung in der Zeit mit normalem Tageslicht und sind daher kaum betroffen.

In Österreich wurde die Sommerzeit erstmals 1916 in der Habsburger-Monarchie eingeführt und galt vorerst bis 1920. 1919 wurde sie einmal ausgesetzt. Nach dem Anschluss an Deutschland 1940 galt die deutsche Regelung, was die Wiedereinführung der Sommerzeit brachte. Diese blieb bis 1948 bestehen. Nach den Ölkrisen  in den Jahren 1973, 1979 und 1980 wurde die Sommerzeit im Laufe der späten 1970er in einigen europäischen Ländern wieder eingeführt. In Österreich wurden 1976 die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Wiedereinführung beschlossen. Das Comeback der Sommerzeit erfolgte dann am 6. April 1980. Im ersten Jahr wurden die Uhren noch um Mitternacht umgestellt, seit 1981 besteht die Sommerzeitregelung in der heutigen Form. Einziger Unterschied zu Beginn war, dass zwischen 1980 und 1995 am letzten Sonntag im September zurückgestellt wurde, erst seit 1996 gilt der letzte Sonntag im Oktober.

Die Zeitumstellungen in West- und Osteuropa findet zeitgleich mit der Umstellung in Österreich statt. In den USA beginnt die Sommerzeit seit 2007 am zweiten Sonntag im März (bis zum ersten Sonntag im November). Einige Bundesstaaten, wie Hawaii, haben keine Sommerzeit. Weitere Länder mit Sommerzeit sind u.a. Ägypten, Argentinien, Australien (teilweise), Brasilien (nicht einheitlich), Iran, Israel, Kanada (teilweise), Mexiko und Neuseeland.

SOMMERZEIT 2015
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  • Die Umstellung auf die Sommerzeit 2015 erfolgt am 29. März 2015 um 2:00 Uhr.
  • ZEIT-WISSEN
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    • Die Sommerzeit: Sie beginnt alljährlich am letzten Sonntag des Monats März. Die Uhren werden um 2:00 Uhr in der Nacht auf 3:00 Uhr vorgestellt. Dadurch verkürzt sich dieser Tag um eine Stunde.
    • Die Winterzeit: Sie beginnt alljährlich am letzten Sonntag des Monats Oktober. Die Uhren werden um 3:00 Uhr in der Nacht auf 2:00 Uhr zurückgestellt. Dadurch verlängert sich dieser Tag um eine Stunde.
    • Die Standardzeit: Die Standardzeit unserer Zeitzone im weltumspannenden Netz der Zeitzonen – die so genannte Mitteleuropäische Zeit (MEZ – auf englisch Central European Time/CET) – ist die Winterzeit. Der Sonderfall ist die Sommerzeit (MESZ – auf englisch Central European Summer Time/CEST). Die Mitteleuropäische Zeit ist die für Teile von Europa und Afrika gesetzlich gültige Uhrzeit. Die Differenz zur Weltzeit UTC (vom englischen Begriff Coordinated Universal Time) beträgt plus eine Stunde. Deshalb wird die MEZ international auch als UTC+1 bezeichnet. Die Differenz der mitteleuropäischen Sommerzeit zur Weltzeit beträgt plus zwei 2 Stunden (kurz UTC+2).
    • Die Weltzeit: Die Weltzeit (UTC – vom englischen Begriff Coordinated Universal Time) ist ein weltweit gültiges Zeitsystem. Die UTC entspricht der westeuropäischen Zeitzone. Eine Zeitzone ist eine einheitlich geregelte Uhrzeit für ein bestimmtes, definiertes Gebiet. Weltweit gibt es 25 Zeitzonen, die jeweils eine Stunde voneinander getrennt sind. Ausgehend von Zone 0 (UTC) jeweils zwölf in beide Richtungen des Ziffernblatts. Also UTC+1, UTC+2, etc. sowie UTC-1, UTC-2, etc. Die jeweilige Zonenzeit entspricht fast immer der astronomischen Ortszeit der Zonenmitte. Sonderformen von Zeitzonen sind jene, wo die Uhr um eine zusätzliche halbe Stunde von der UTC variiert. Beispielsweise auf den Kokosinseln (UTC+6:30) oder in Zentral-Australien (Australian Central Standard Time/ACST – UTC+9:30).
    • Historische Entwicklung in Österreich: In den meisten Ländern war früher die Zeit der Hauptstadt für eine Nation gültig. In Österreich gingen die Uhren in diesem Punkt anders. Man lebte in der Zeit der Habsburger Monarchie nicht nach Wiener sondern nach Prager Zeit. Im Bereich der staatlichen Eisenbahn wurde je nach Streckabschnitt die Lindauer, Münchner, Prager, Budapester oder Lemberger Zeit genutzt (ab 1. August 1872 galt für den Bahnbereich dann die Wiener Zeit). Am 1. April 1893 wurde gemeinsam mit Deutschland und Italien die Mitteleuropäische Zeit eingeführt.
Foto: cia.gov

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