Feinstaub aus der Sahara

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Basiswissen zum Thema Staub | Feinstaub aus der Sahara und seine Auswirkungen | Gesundheitliche Wirkung von Feinstaub auf den Menschen | Link zur aktuellen Saharastaub-Vorhersage

Luftpost aus der Sahara: Ein Paket,
das eine Milliarde Tonnen wiegt

Bei Sandstürmen in der Sahara werden riesige Mengen an Staubpartikeln in die Atmosphäre verfrachtet und nicht selten, je nach Großwetterlage, tausende Kilometer weit transportiert, ehe sie sich wieder ablagern. In Tirol sehr bekannt ist das Phänomen der „gelben“ Gletscher, das durch abgelagerten Saharastaub entsteht. Dieser wird von Luftströmungen bis in die Karibik oder nach Festland-Amerika verfrachtet.

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Ursache für den Transport von großen Mengen Saharastaub Richtung Europa ist meist der so genannte Scirocco. Dabei handelt es sich um einen Wind, der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht. Der Scirocco entsteht vor allem im Frühjahr bis Frühsommer sowie im Herbst. In den Wintermonaten ist er seltener. Wegen seiner Entstehung über den Wüstengebieten Nordafrikas führt er riesige Mengen Sandstaub mit sich. Bei der Überquerung des Mittelmeers wird Feuchtigkeit aufgenommen, die dann über dem europäischen Festland als mit Sandstaub verunreinigter Regen abregnen kann. Dieser Sandstaub ist es dann, der die Gletscher in Tirol oberflächlich gelb (oder bräunlich) einfärbt. Auch auf Schnee in Tallagen kann dieses Phänomen beobachtet werden, wenn auch seltener. Für Gletscher ist die Staubschicht insofern problematisch, da durch die dunklere Färbung an der Oberfläche mehr Sonnenlicht aufgenommen wird und es dadurch zu einer stärkeren Schmelze kommt (bis Neuschnee die Staubschicht wieder abdeckt). Staubwolken aus der Sahara können auch zu erheblichen Behinderungen im Flugverkehr führen, da in ihnen die Sichtweite auf bis zu fünf Kilometer absinkt. Im Bild unten ist eine aus Algerien stammende riesige Wolke Saharastaub über Kufstein zu sehen. Die Aufnahme wurde am 22. Februar 2004 gemacht.

Laut wissenschaftlichen Studien gelangen jedes Jahr weltweit ca. 1,5 Milliarden Tonnen Sandstaub aus Wüsten in die Atmosphäre. 70 Prozent davon stammen aus Nordafrika. Also knapp mehr als eine Milliarde Tonnen. Neben dem beschrieben Phänomen der „gelben“ Gletscher in Tirol, übrigens nicht mit einer manchmal auftretenden Rotfärbung durch Schneealgen zu verwechseln (Blutschnee), haben Wissenschaftler noch weitere erstaunliche Auswirkungen der Staubverfrachtungen aus der Sahara dokumentiert. An der Ostküste der USA wurde nach Abregnen von derartigen Staubwolken festgestellt, dass durch die Zufuhr des im Staub enthaltenen Spurenelements Eisen das Algenwachstum stark zunimmt.

Feinstaub aus der Sahara
Feinstaub aus der Sahara

Etwa 40 Millionen Tonnen Wüstenstaub gelangen alljährlich in das rund 5000 Kilometer entfernte südamerikanische Amazonas-Becken (an manchen Tagen bis zu eine Million Tonnen). Der Staub wirkt im Amazonas-Urwald wie Dünger. Die dortige Artenvielfalt geht teilweise auf diesen ungewöhnlichen Düngungseffekt zurück. Auch Pollen, Bakterien und Pilzsporen werden in diesen Staubwolken mittransportiert. Dies bestätigen wissenschaftliche Messungen über dem Atlantik. Da die UV-Strahlung der Sonne nicht alle Bakterien und Pilzsporen abtötet, landen diese dann mit dem Staub oftmals in der Karibik. Es wird vermutet, dass diese Fracht dort für Massensterben von Seeigeln und Korallen verantwortlich ist.

Bisher ungelöst ist die Frage, welche Auswirkungen dieser Staub auf Menschen hat. Joseph Prospero von der Universität Miami, der das Phänomen Saharastaub seit den 1960er-Jahren auf der Karibikinsel Barbados erforscht, stellte fest, dass die Feinstaubkonzentration oft die Grenzwerte der US-Umweltbehörde überschreitet. Bekannt ist, dass Feinstaub Asthma auslösen kann. Und Asthma ist auf Barbados stark verbreitet. Laut Prospero sind 17 Prozent der Bevölkerung betroffen (ein vergleichbarer Wert wie in sehr großen Industriestädten). Allerdings ist noch nicht schlüssig bewiesen, dass Feinstaub aus der Sahara dafür verantwortlich ist.

Die Universität in Athen erstellt laufend Staubvorhersagekarten, vergleichbar einer Wettervorhersage. Wer sich ein Bild von der aktuellen Lage über Europa machen möchte, der kann sich hier informieren.

HINTERGRUNDWISSEN STAUB
punktierte Linie
  • Wie entsteht Staub? Staub kann durch mechanische Bearbeitung von festen Stoffen entstehen, beispielsweise Abrieb. In der Natur am häufigsten ist die physikalische Bearbeitung von festen Stoffen, beispielsweise durch Wind oder Wasser (Erosion). Teils menschlichen, teils natürlichen Ursprungs ist die chemische Bearbeitung von festen Stoffen, beispielsweise durch Feuer (Rauch ist prinzipiell nichts anderes als Staub).
  • Welche Arten von Staub gibt es? Entscheidend bei der Einteilung in Grobstaub und in den aus gesundheitlicher Sicht interessanten Feinstaub ist die Größe der einzelnen Staubpartikel. Die gängigste Einteilung: Zur Kategorie Grobstaub werden Partikel mit einem Durchmesser von mehr als zehn Mikrometer (entspricht einem hundertstel Millimeter) gezählt. Dieser kann im menschlichen Körper von den Nasenhärchen oder den Schleimhäuten des Nasen-Rachenraums großteils herausgefiltert werden. Partikel, die kleiner als zehn Mikrometer sind, gehören der Kategorie Feinstaub an. Sie können beim Atmen bis in die Lunge gelangen und können dadurch zu gesundheitlichen Problemen führen.
  • Welche Vorgänge führen zur Bildung von Staub? Natürliche Staubquellen: U.a. Erosion, Vulkanismus, Sandstürme, Pollenflug, Waldbrände. Wichtige Staubquellen menschlichen Ursprungs: u.a. Abgase aus Industrie, Energie- und Wärmegewinnung, Verkehr, Brandrodung, Fasern.
  • Wieviel Staub kommt aus der Sahara? In der Fachzeitschrift „Atmospheric Chemistry and Physics“ wurde im Jahr 2011 eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, die besagt, dass mehr als 70 Prozent der weltweiten, natürlichen Staubemissionen aus der Sahara stammen.
Foto: Shutterstock/Radojko, Henryart/commons.wikimedia.org/wiki/File:Saharastaub.jpg, NASA (Satellit Aqua)