Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Ein wissenschaftlicher Fund mit Seltenheitswert in der Wattener Lizum | Auswanderer verewigen Innsbruck in den USA | Die Software des US-Konzerns Apple mit Tiroler (Namens-)Wurzeln | Das vergessene Skigebiet im US-Bundesstaat New York

Der Pate: Eine Reise zu vier seltsamen Orten und Dingen namens Innsbruck

Was haben ein Stein, eine Straße im amerikanischen Städtchen Cheektowaga, das aktuelle Betriebssystem von Apples iPhone und iPad sowie ein Hügel mit mehr als einem Dutzend Skipisten im Nordosten der USA gemeinsam? Sie alle heißen „Innsbruck“. Zauberfuchs machte sich auf eine Reise zu vier seltsamen Orten und Dingen, für die die Tiroler Landeshauptstadt mit ihrem Namen Pate stand. Haben wir etwas übersehen? Kennen Sie noch ein „Innsbruck“? Dann lassen Sie es uns wissen.

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Der Stein: In der Mineralogie besteht Innsbruck aus Mangan, Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff. Genauer gesagt Innsbruckit. Noch genauer gesagt Mn33(Si2O5)14(OH)38. Als Mitarbeiter und Studierende des Instituts für Mineralogie und Petrographie der Universität Innsbruck 2013 nahe des Staffelsees am Fuße des Geiers in der Wattener Lizum Gesteinsproben entnahmen, dachte noch niemand daran, dass man sich soeben auf die Spur von etwas Außergewöhnlichem begeben hatte. „Eines der in der Gesteinsprobe entdeckten Minerale war zwar bekannt, aber bisher nicht näher beschrieben. Wir haben uns daher für eine detailliertere Untersuchungsmethode mittels einer Röntgenstrukturanalyse entschieden“, so die Mineralogen Hannes Krüger und Volker Kahlenberg, deren Forschungsschwerpunkt im Bereich Kristallographie liegt, laut einem Bericht der Universität Innsbruck. „Diese Untersuchung zeigte uns dann, dass dieses Mineral nicht jenes war, für das wir es bis zu diesem Zeitpunkt gehalten hatten“, sagte Kahlenberg. Es erfolgte ein Abgleich mit Datenbanken und am Ende stand fest – man hatte ein neues Mineral entdeckt. Und wird nachweislich ein neues Mineral entdeckt, dann haben die Entdecker das Recht, ihm einen Namen zu verleihen. Die Innsbrucker Forscher entschieden sich für ihren Heimatort als Namenspaten für das neue Mineral – damit war Innsbruckit „geboren“. Jedes Jahr werden übrigens an die 100 derartigen „Taufen“ beantragt. Dass Funde aus den gut untersuchten Alpen darunter sind, ist allerdings eine absolute Seltenheit.

Die Straße: Cheektowaga heißt aus dem Indianischen übersetzt „Land des Wildapfels“. Cheektowaga hat mit Innsbruck eines gemeinsam – es ist eine Kleinstadt. Und zwar eine Stadt, nicht ganz so groß wie Innsbruck (knapp 90.000 Einwohner), gelegen im äußersten Westen des US-Bundesstaates New York. Und noch eines verbindet die zwei Städte – in Cheektowaga wurde eine Straße nach Innsbruck benannt, der sogenannte

„Innsbruck Drive“. Auswanderer aus Tirol sind dafür verantwortlich, dass der Name der Tiroler Landeshauptstadt in der US-Kleinstadt, die es seit 1839 gibt, in einem Straßennamen verewigt ist. Damit nicht genug: Eine Druckerei, die in dieser Straße ihren Sitz hat, benannte sich ebenfalls nach Innsbruck – „Innsbruck Printing“. Und lustiges Detail am Rande: In der Innsbrucker Straße von Cheektowaga liegt mit „Costanzo’s Bakery“ eine beliebte Bäckerei und Konditorei der Stadt. Einige der Spezialitäten sind „Kimmelweck“ (eine Kümmelsemmel), „Kaiser Roll“ (bei uns als Kaisersemmel bekannt) und „Wiener Brot“ (ein Sesambrot mit harter Kruste). Österreichische Backwaren findet man also auch in der tiefsten amerikanischen Provinz. Übrigens: eine Innsbrucker Straße, also einen „Innsbruck Drive“, gibt es auch in der US-Ostküsten-Metropole Atlanta, im kanadischen Wintersportort Whistler Mountain und in den US-Großstädten Minneapolis im Bundesstaat Wisconsin und Dayton im Bundesstaat Ohio.

Die Software: Wer in diesen Tagen ein iPhone oder ein iPad mit aktuellem Betriebssystem zur Hand nimmt, der nimmt gleichzeitig auch Innsbruck zur Hand. Das mobile Apple-Betriebssystem iOS7 trägt nämlich beim US-Konzern intern den Namen „Innsbruck“. Und das kam so: Bei Apple wird allen Produkten ein interner Codename verpasst. Was das iOS-Betriebssystem betrifft, wurde dieses immer nach Skigebieten benannt. Von Version eins bis sechs nahm man dafür die Namen von bekannten amerikanischen Wintersportorten. Nummer sieben sollte einen außergewöhnlichen Namen erhalten, der Apple-intern den Aufbruch zu etwas Neuem signalisieren sollte. Einen großen Sprung in eine neue Richtung, unter der Führung des weltbekannten Star-Designers Jony Ivy (zuvor nur für Hardware-Design zuständig). Deshalb verwendete man erstmals einen nicht-amerikanischen Skiort als Namenspaten. Warum gerade Innsbruck? Die Tiroler Landeshauptstadt

hat in den USA aufgrund der zweimaligen Ausrichtung der Olympischen Winterspiele noch immer einen großen Namen. Skurril am Rande – iOS7, also „Innsbruck“, ist von der Optik her vor allem für eines bekannt geworden – für seine Flachheit, für die Abkehr vom plastischen Design der Vorgänger. Flachheit – etwas, wofür Innsbruck in der realen Welt nicht wirklich steht.

Innsbruck, USA

Der Hügel: Im Weiler Hawleyton des Örtchens Binghamton im US-Bundesstaat New York – etwa 200 Kilometer nordwestlich von New York City gelegen – befindet sich ein Hügel, auf den einst viele der knapp 5000 Einwohner des Ortes sehr stolz waren. In den Jahren nach den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1964 wurde auf diesem Hügel von den Touristikern des Ortes ein ambitioniertes Projekt umgesetzt: Die Errichtung eines Skigebietes. Und da in dieser Zeit der weltweit bekannteste Skiort die Tiroler Olympiastadt Innsbruck war, wurde dieses Skigebiet von den Verantwortlichen „Innsbruck“ genannt. Der Hügel hat eine Höhe von ungefähr 600 Metern (beginnend auf einer Seehöhe der Talstation von knapp 500 Metern). Nichtsdestotrotz wurden bis in die Glanzzeiten der Skistation in den späten 1970er-Jahren den Skifans 19 Pisten angeboten (siehe Film oben). Das Ende von „Innsbruck, USA“ – so der volle Name des Skigebietes – kam 1977. Und zwar auf skurrile Art und Weise: Die Betreiberfirma konnte die Stromrechnungen nicht mehr bezahlen, also schaltete das E-Werk den Strom ab. Und ohne Strom kein Liftbetrieb. Heute sind die Skipisten und Lifttrassen verwildert (siehe Foto oben). Der Hügel wird mittlerweile unter seinem neuen Namen „Aqua Terra“ als Wandergebiet genutzt. Es gibt aber einen Ort, wo „Innsbruck, USA“ immer noch prominent auftaucht – in der Publikation „Die vergessenen Skigebiete des US-Bundesstaates New York“.

Es recherchierte  Manfred Schiechtl
Foto: Google Earth; Film: YouTube