Übertragung von Keimen

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wie Bakterien, Viren und Pilze übertragen werden | Welche Krankheiten Keime auslösen können – Wo man sich besonders viele Keime einfängt | Einfache Vorsichtsmaßnahmen

Und die größte Bakterienschleuder
ist die Damenhandtasche

Wer mit einem Handschlag seinen Gegenüber begrüßt, der begrüsst auch eine Reihe neuer Keime. Mehr als dreiviertel aller Infektionskrankheiten werden von Hand zu Hand weitergegeben. Oder Hand zu Türgriff, oder Hand zu Einkaufswagen, etc. Die Keime, die den „Besitzer“ auf diese Weise wechseln sind Bakterien, Viren und Pilze.

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Erstaunlich entspannt ist der Umgang des Menschen mit allerlei Keimquellen. Aber das liegt wohl daran, dass etwas, das man nicht sieht, auch selten auf dem Radar der Menschen auftaucht. Aber auch wenn wir sie nicht sehen, wir kommen massenhaft in Kontakt mit Keimen. Tag für Tag. Um sich eine Infektionskrankheit einzufangen, bedarf es meist einer gewissen Dosis an Keimen. Deshalb lohnt es sich sehr wohl sich mit einigen Verhaltensweisen vor zu viel Keimaufnahme zu schützen. Einige der bekanntesten Beispiele für derartige Erkrankungen sind bei Bakterien Durchfallserkrankungen, bei Viren unansehnliche Warzen und bei Pilzen der Fußpilz aus dem Schwimmbad. Weitere sind Blasen- und Lungenentzündung, grippale Infekte und Grippe, auch Wundentzündungen bis hin zu einer Blutvergiftung.

Bakterien, Viren und Pilze werden auf verschiedene Weise übertragen. Etwa durch die Tröpfchenübertragung. Keime werden in winzigen Sekrettröpfchen durch Husten oder Niesen in die Umgebungsluft entlassen. Beim Atmen nehmen andere diese auf. Bei der Kontaktübertragung werden die Keime direkt (Handschlag) oder indirekt (beispielsweise über einen Türgriff) weitergegeben. Oftmals ist man sich allerdings gar nicht bewusst, wo man sich ganz besonders viele Keime einfangen kann. Oder hätten Sie gewusst, dass Damenhandtaschen oftmals stärker verschmutzt sind, als eine öffentliche Toilette? (siehe Infobox)

Die Natur hat sich für uns Menschen (neben dem Immunsystem) etwas einfallen lassen, um dieser Keimlast einigermaßen Herr zu werden. Den

Säureschutzmantel der Haut. Durch die Absonderung von Sekreten wird der ph-Wert der Haut in den leicht sauren Bereich verschoben, was die Vermehrung vieler Bakterien und Pilze hemmt.

Einige Vorsichtsmaßnahmen und man ist besser geschützt. Außerdem bewahrt man andere vor einer möglichen Ansteckung. Die Hände kommen mit Abstand am häufigsten mit Gegenständen in Kontakt, an denen Keime haften. Daher: Regelmäßig Händewaschen. Und die Hände möglichst vom Gesicht fernhalten, damit aufgeschnappte Keime nicht so leicht den Weg über Nase und Mund in den Körper finden.

Hygienisches Husten oder Niesen ist eine weitere Grundregel. Damit ist nicht gemeint, die Hand vorzuhalten. Dies verhindert zwar die Ausbreitung von Keimen durch die Luft, doch die Keime, die in die Hand gehustet oder geniest wurden, werden dann über Gegenstände oder Handschlag weitergegeben. Hygienisches Husten oder Niesen heißt, in den Ärmel seiner Jacke zu husten oder zu niesen (und sich vom Gegenüber abwenden).

Ist man erkrankt, sollte man nicht falschen Ehrgeiz zeigen und weiterhin arbeiten gehen. Man steckt unnötig andere an. Also zu Hause bleiben und auskurieren. Und zwar richtig, also nicht zu früh wieder aktiv werden. Geschlossene Räume sollten häufig gelüftet werden. Damit wird die erhöhte Keimlast in der Atemluft gesenkt. Mindestens drei bis viermal am Tag eine Viertelstunde lang. In den Wintermonaten genügt so genanntes Stoßlüften – einige wenige Minuten, denn die kalte Außenluft verdrängt die geheizte Innenluft viel schneller.

Hygiene, Teil 2: Wie man Keime wieder los wird

DIE GRÖSSTEN KEIMSCHLEUDERN
punktierte Linie
  • Tablet-Computer und Smartphones sind wegen ihrer praktischen Touchscreens beliebt – auch bei Keimen. Tausende bevölkern die Glasflächen. Dies haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Das sorgfältige Abwischen der Glasflächen mit einem Mikrofasertuch oder Brillenputztuch befreit diese zumindest vorübergehend fast vollständig von den Keimen.
  • Geldscheine und Münzen, die laufend von Mensch zu Mensch wandern und nie gereinigt werden, sind ganz besonders ausgeprägte Keimträger. Aber auch schon bei der Geldbehebung hat man Kontakt mit Bakterien und Co. über die Tasten des Bankomaten. Dort sind laut Untersuchungen gleich viele Keime zu finden, wie in einer öffentlichen Toilette.
  • Studien haben ergeben, dass unsere alltäglichen Hygieneprodukte gar nicht so hygienisch sind. Handcreme, Lippenstift, Zahnbürsten, ja selbst Seife – aufgrund der täglichen Benutzung sammeln sich an der Oberfläche der Verpackungen bzw. Griffen große Mengen an Keimen.
  • Damenhandtaschen sind ganz besondere Keimsammler. Aus jedem der vorgenannten Punkte ist zumindest ein Stück in einer Handtasche zu finden – Smartphone, Geld, Lippenstift. Und noch viele andere kontaminierte Gebrauchsgegenstände. Handtaschen werden selten gereinigt. Wenn doch, meist nur oberflächlich und nicht auf keimtötende Weise. Untersuchungen ergaben, dass ein Fünftel der Taschen dermaßen verschmutzt sind, dass sogar gesundheitliche Schäden die Folge sein können.
  • Nicht einmal beim Einkauf ist keimfreie Zeit: Dafür sorgen die Griffe von Einkauswägen. Im Aufzug ist es der Schalter. In öffentlichen Toiletten widmen die meisten dem Toilettendeckel große Aufmerksamkeit (mit WC-Papier abdecken, etc.) und wissen dann nicht, dass der Griff des Wasserhahns beim anschließenden Händewaschen die größere Gefahr darstellt. Er ist üblicherweise stärker kontaminiert als die WC-Brille.
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