Schlafstörungen machen krank

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Schlafstörungen machen auf Dauer krank und sind mitunter gefährlich | Ärztliche Hilfe zu suchen, kann häufig sinnvoll sein | Tipps für einen besseren, gesunden Schlaf

„Gute Nacht, Tirol!“ – Schlafstörungen können Menschen krank machen

Schlafen ist für uns ganz selbstverständlich. So lange, bis es nicht mehr richtig funktioniert. Ausreichender und erholsamer Schlaf ist ein Lebenselixier, ohne das Körper und Geist nicht gesund, fit und leistungsfähig sein können. Schlafstörungen sind sehr belastend und mitunter, wenn es sich um Sekundenschlaf oder Tagesmüdigkeit handelt, auch gefährlich. Der Weg zum Experten hilft aus dem Dilemma.

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„Guter und ausreichender Schlaf bedeutet Regeneration für Körper und Geist und ist somit Prävention. Das gehört gefördert. Stattdessen fördert unser Gesellschaftssystem Krankheiten und konzentriert sich dann auf Reparaturmedizin“, kritisiert Christoph Puelacher, Schlafmediziner und ärztlicher Leiter des Schlaflabors in Telfs.

Schlafstörungen wirken sich auf den gesamten Menschen aus, beeinflussen das Herz-Kreislauf-System ebenso wie den Stoffwechsel und die Psyche. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen, Gewichtsschwankungen, Depressionen, Tinnitus, Konzentrationsmangel bis zu Burnout.

Mehr als 80 Arten von Schlafstörungen sind bekannt. Bei den Männern sind das Schnarchen und Atemstillstände (Schlafapnoe), die längerfristig gesundheitsschädlich sind, die häufigsten Ursachen. Beim Schnarchen liegen Eigen- und Fremdwahrnehmung übrigens oft weit auseinander, was auch zu Problemen oder Schlafstörungen mit bzw. beim Partner oder der Partnerin führen kann.
Bei Frauen überwiegen die Zappelbeine (Restless Legs). Schlaflosigkeit und Ein- bzw. Durchschlafstörungen sind ebenfalls weit verbreitet. Ein ungutes und zermürbendes Gefühl, wenn man stundenlang wach liegt, sich von einer Seite auf die andere dreht und am nächsten Tag im Beruf voll leistungsfähig sein soll. Menschen, die unter großem Druck stehen, haben mitunter auch nur das Gefühl, nicht schlafen zu können. Sie schlafen dadurch nicht erholsam und fühlen sich müde und ausgelaugt.

Der Experte unterscheidet Schlafstörungen und chronische Müdigkeit. Die Gründe sind vielfältig und können in mangelnder Bewegung, falscher Ernährung, Stress oder psychischer Belastung liegen. Saisonale Müdigkeit, das betrifft vor allem die Herbst- und Winterzeit, kommt ebenfalls relativ häufig vor. Zudem gibt es unterschiedliche Typen, die einen sind am Morgen, die anderen am Abend fitter. Ist das mit den Arbeitszeiten nicht kompatibel, hat das Auswirkungen auf die Leistung.

Eine schlafmedizinische Untersuchung umfasst eine organische Abklärung, eine Blutabnahme bildet eine gute Basis. Über Fragebögen und Gespräche wird die Schlafqualität beurteilt. Im Schlaflabor wird letztlich dann der Schlaf in einer „Laborsituation“ genau überwacht. Mit Videokamera, Messung von Gehirnströmen und Atmung. Insgesamt werden die Daten von 30 Körperfunktionen erfasst.

„Schlafstörungen lassen sich ohne ärztliche Abklärung und Begleitung nur schwer erkennen oder behandeln. Sie verschwinden normalerweise nicht von alleine. Wer Symptome von Schlafstörungen hat oder unter körperlichen Beschwerden leidet, deren Ursache er nicht kennt, sollte sich an einen Arzt wenden“, stellt Puelacher klar, dass Selbsttherapie oft nicht hilft. „Reflektieren und in der Folge Systemfehler erkennen kann man nur, wenn man ausgerastet ist. Die Autorität eines Schlafmediziners, der modulierend eingreift und längerfristige Strategien entwickelt, bringt meist gute Erfolge.“

Wie viel Schlaf braucht der Mensch? Auf diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Der Bedarf ist unterschiedlich. Es zeigt sich allerdings, so der Experte, dass sich die Schlafzeit der Menschen verringert. „Vor 100 Jahren haben die Menschen noch neun Stunden lang geschlafen. Heute gehen wir in Richtung sechs bis sieben Stunden Schlaf“, schildert Puelacher. Das sei allerdings zu wenig. Im Sinne der Gesundheit seien acht Stunden Schlaf zu empfehlen. Frauen brauchen etwas mehr Schlaf als Männer.

Puelacher plädiert außerdem für einen späteren Schulbeginn. Der Unterricht sollte erst um 9 Uhr starten, damit die Schülerinnen und Schüler auch wirklich aufnahmefähig sind.
Vom Mittagsschlaf (oder neudeutsch „Power Napping“) hält Puelacher sehr viel. „Wer drei Mal pro Woche einen Mittagsschlaf hält, der senkt sein Herzinfarktrisiko um 30 Prozent. Das ist also – wissenschaftlich belegt – sehr gesund.“ Länger als 15 bis 20 Minuten sollte man allerdings nicht schlafen, da man sonst in die Tiefschlafphase kommt und es dann einige Zeit dauert, bis man wieder richtig wach ist.

Sekundenschlaf und Tagesmüdigkeit: Von 37 Todesopfern auf Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich starben neun im Vorjahr aufgrund von Sekundenschlaf. Der Sekundenschlaf ist damit eine der gefährlichsten Auswirkungen von Schlafstörungen. Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, müssen im Straßenverkehr, bei monotonen Tätigkeiten oder beim Bedienen von Maschinen besonders vorsichtig sein. Risikogruppen, wie zum Beispiel Berufskraftfahrer, sollten sich vorbeugend regelmäßig schlafmedizinisch untersuchen lassen.

Das Gespräch führte  Julia Hitthaler

„Wer drei Mal pro Woche einen Mittagsschlaf hält, der senkt sein Herzinfarktrisiko um 30 Prozent.“
Dr. Christoph Puelacher, Mediziner
HINWEISE FÜR EINEN GUTEN SCHLAF
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  • Die Vorbereitung für die Nacht beginnt am Tag.
  • Essen Sie mäßig, möglichst nicht am Abend.
  • Verwenden Sie Stimulanzien (wie zum Beispiel Koffein) als Genussmittel.
  • Nikotin verschlechtert die Schlafqualität.
  • Betreiben Sie ausreichend körperliche Bewegung.
  • Bereiten Sie sich auf den Schlaf durch Entspannung vor.
  • Trinken Sie schlaffördernde Tees.
  • Pflegen Sie ein Nachtritual, benutzen Sie das Bett zum Schlafen.
  • Notieren Sie Ihre Gedanken in der Nacht.
  • Betrachten Sie den Schlaf als die Zeit Ihrer Regeneration.
VORTRÄGE, DISKUSSION UND THEATER
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  • Am 30. Jänner um 19.30 Uhr lädt Christoph Puelacher zu Expertenvorträgen und Diskussion zum Thema Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf in den Räumen von Rehamed-Tirol, Grabenweg 9, Innsbruck. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen unter info@schnarchen.cc.
  • Am 22. Februar, 20 Uhr, präsentiert das „Schnarchlabor Puelacher“ im Innsbrucker Treibhaus „All you need is Schlov.e – „Prof. Zulleys Schlaflabor. Die Weltliteratur im Bett.“ Der deutsche Schlafforscher Jürgen Zulley hat eine unterhaltsame, praxisnahe Mischung aus Wissensvermittlung und Theateraufführung konzipiert, die im gesamten deutschen Sprachraum für Furore sorgt. Dabei schläft bestimmt niemand ein. Reguläre Karten gibt es hier. Zauberfuchs verlost unter allen Interessierten zwei Mal zwei Eintrittskarten. Ein E-Mail an hallo@zauberfuchs mit dem Betreff „Schnarchlabor“ genügt, die Gewinner werden umgehend schriftlich verständigt. Eine Barablöse des Gewinns ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen
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