Kopfschmerzen

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wie entstehen Kopfschmerzen – Was sind die häufigsten Arten – Die Besonderheiten von Spannungskopfschmerzen – Die Besonderheiten von Migräne – MIDAS-Test zur Migräne-Beurteilung

Wenn das „Gewitter im Kopf“ wieder
aus heiterem Himmel zuschlägt

Die IHS, die Internationale Kopfschmerzgesellschaft, hat nicht weniger als 176 Arten von Kopfschmerzen beschrieben. Laut Zahlen der Universität Wien leiden 71 Prozent der Bevölkerung an Kopfschmerzen. 38 Prozent davon gehen auf Migräne zurück, 54 Prozent auf Spannungskopfschmerzen – die zwei häufigsten Arten für das „Gewitter im Kopf“.

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Unser Gehirn verfügt über keine Schmerzrezeptoren und hat somit kein Schmerzempfinden. Warum also gibt es dann überhaupt Kopfschmerzen? Schmerzen können von der Hirnhaut oder den Blutgefäßwänden ausgehen. Und diese Schmerzen sind es, die wir als Kopfschmerzen bezeichnen. Die zwei häufigsten Arten im Überblick:

SPANNUNGSKOPFSCHMERZ. Treten leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen beidseitig auf (im Gegensatz zum halbseitigen bei der Migräne), ist von Spannungskopfschmerz auszugehen. Die Schmerzen werden meist als dumpf oder drückend empfunden. Unterschieden wird in den (vom Ablauf her gleichen) episodischen und chronischen Typ. Ersterer tritt nur fallweise auf. Wenn allerdings ein Schnitt von 15 Tagen pro Monat über drei Monaten erreicht bzw. überschritten wird, ist er als chronisch zu bezeichnen. Bei chronischem Kopfschmerz sollte man einen Arzt konsultieren. Dieser wird feststellen wollen, ob es sich in diesem Fall wirklich um Spannungskopfschmerzen handelt oder ob der Kopfschmerz ein Symptom einer anderen Erkrankung ist. Spannungskopfschmerz wird im Regelfall durch Selbstmedikation durch den Patienten, sprich Einnahme von Schmerzmitteln, behandelt. Wer auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden ist, weil er nicht zu oft Medikamente zu sich nehmen möchte, kann beispielsweise auf Akupunktur oder Akupressur zurückgreifen. Dadurch kann die Häufigkeit und Schwere von Spannungskopfschmerzepisoden verringert werden. Hausmittel: Reibt man sich die Schläfen und den Nacken mit Pfefferminzöl ein, wirkt dies schmerzstillend.

MIGRÄNE. Was haben Hollywoodstar Jessica Biel, Queen Elisabeth II und Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, gemeinsam? Migräne war für sie ein ständiger Begleiter. Diese Krankheit kann zu starken Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den am meisten behindernden

chronischen Erkrankungen. In Österreich leiden rund zehn Prozent der Bevölkerung daran. Bei Frauen tritt Migräne übrigens dreimal häufiger auf, als bei Männern. Anfallsartige Kopfschmerzen sind für Migräne charakteristisch. Daher rührt auch der Begriff „Migräneattacke“. Sie kehren in unregelmäßigen Abständen immer wieder. Der Migräne-Kopfschmerz ist ein pulsierender (manche sprechen auch von stechend oder pochend), außerdem ist er fast immer halbseitig begrenzt. Meist begleiten Übelkeit, auch Erbrechen sowie Geräusch- und/oder Lichtempfindlichkeit (manchmal auch gegenüber Gerüchen) eine derartige Attacke. Wenn sich die Migräne „nur“ über mehrere Stunden hinzieht, kann man sich noch zu den Glücklichen zählen. Migräne-Attacken können bis zu drei Tage anhalten.

Was kann Migräne, eigentlich eine neurologische Funktionsstörung, auslösen? In Tirol ist der Föhn ein besonders häufiger Auslöser. Bei Frauen können es zyklusbedingte Hormonschwankungen sein. Körperlicher und geistiger Stress. Starke Emotionen. Umweltreize (beispielsweise Lärm, Kälte, starkes Sonnenlicht). Nikotin oder Alkohol, bestimmte Käsesorten aber auch Rotwein. Für einen Migräne-Patienten wäre es sehr wichtig, herauszufinden, was bei ihm die Auslöser sind. Dann sollte diese wenn möglich vermieden werden, um die Anzahl der Anfälle zu senken und die Lebensqualität damit auf einfache Weise zu steigern (auf Alkohol verzichten, Sonnebrille an strahlenden Tagen verwenden, usw.). Um die Auslöser zu finden, empfiehlt es sich, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen. So kommt man ihnen leichter auf die Spur. Die biologischen Ursachen für Migräne konnten von der Wissenschaft bisher noch nicht im Detail enträtselt werden. Die ärztliche Behandlung reduziert sich daher vor allem auf die Symptombekämpfung.

Wer mehr über die Thematik erfahren möchte, dem ist ein Besuch bei Netdoktor.at zu empfehlen. Die Links: Spannungskopfschmerz, Migräne.

DER MIDAS-TEST
punktierte Linie
  • MIDAS-Test: Der MIDAS-Test (Migraine Disability Assessment Score) ist entwickelt worden, um Beeinträchtigungen durch Migräne messbar zu machen. Er wird von Ärzten eingesetzt, um sich ein genaueres Bild von den Beschwerden eines Patienten zu machen. Im folgenden die Fragen, um sich vor einem Arztbesuch einmal selbst orientieren zu können. Zählen Sie pro
    Frage die Tage und addieren Sie diese.
  • Testfragen:
    Frage 1: An wievielen Tagen in den letzten drei Monaten sind Sie wegen Kopfschmerzen nicht zur Arbeit gegangen?
    Frage 2. An wievielen Tagen war in den letzten drei Monaten Ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz oder in der Schule um die Hälfte oder mehr eingeschränkt? (zusätzlich zu den Tagen aus Frage 1)
    3. An wievielen Tagen in den letzten drei Monaten konnten Sie wegen Ihrer Kopfschmerzen keine Hausarbeit verrichten?
    4. An wievielen Tagen in den letzten drei Monaten war Ihre Leistungsfähigkeit im Haushalt um die Hälfte oder mehr eingeschränkt? (zusätzlich zu den Tagen aus Frage 3)
    5. An wievielen Tagen in den letzten drei Monaten haben Sie an familiären, sozialen oder Freizeitaktivitäten wegen Ihrer Kopfschmerzen nicht teilnehmen können?
  • Auswertung:
    0 bis 5 Tage: Grad I – kaum oder keine Beeinträchtigung. 6 bis 10 Tage: Grad II – geringe Beeinträchtigung. 11 bis 20 Tage: Grad III – mäßige Beeinträchtigung. Mehr als 21 Tage: Grad IV – schwere Beeinträchtigung.
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