Kokain mit Wurmmittel gestreckt

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Mehr als 90 Prozent des auf der Straße verkauften Kokains ist mit unterschiedlichen Streckmitteln versetzt | Hintergrundinfos zur Szene in Österreich und zur Geschichte des Kokains

Dealer strecken Kokain mit einem Wurmmittel aus der Tiermedizin

Ein alarmierendes Ergebnis: In über 70 Prozent der Proben, die in der Vergangenheit in Österreich als Kokain verkauft wurden, ist neben dem Suchtmittel auch ein für den Menschen gefährliches Wurmmittel aus der Tiermedizin enthalten. Diese gesundheitsgefährdende Praxis von Dealern wurde nun am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der MedUni Wien untersucht.

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Wer glaubt, es bei Kokain mit einer „reinen“ Substanz zu tun zu haben, liegt fast immer falsch. Denn mehr als 90 Prozent des auf der Straße verkauften Kokains ist mit unterschiedlichen Streckmitteln versetzt. Und immerhin fast drei Viertel wird mittlerweile mit Levimasol – einem für den Menschen gesundheitsgefährdenden Wurmmittel für Pferde – gestreckt.

Während die Dealer beim „Strecken“ eines Suchtgifts nur den Profit steigern wollen, wird durch Zugabe des Tiermedikaments Levamisol noch ein weiterer Effekt erreicht: Nach der Aufnahme wird Levamisol im Körper zu Aminorex verstoffwechselt. Diese ebenfalls schwer gesundheitsschädliche Substanz zeigt eine starke amphetaminartige Wirkung bei den DrogenkonsumentInnen. Die Dealer machen sich damit ein Phänomen zunutze, das bereits aus dem Pferde-Rennsport bekannt war.

Diese Erkenntnisse sind die wichtigsten Eckdaten einer Studie, die soeben im Journal „Neurochemistry International“ veröffentlicht wurde. Beteiligt waren dabei auch Forscher aus Wien. Ausgangspunkt der Studie waren die laufenden Untersuchungen von Suchtmitteln durch die Wiener Informations- und Beratungsstelle „checkit!“. Sie stellte in den vergangenen Jahren laufend massive Beimengungen von Levimasol fest und initiierte deshalb die Studie.

Die Studie bestätigt einmal mehr, dass in Drogen häufig nicht oder nicht nur das drinnen ist, was sich Drogenkonsumenten erwarten. Wissenschaftlich geklärt sind die genauen Mechanismen und Wirkungen vieler Substanzkombinationen bisher allerdings nur ansatzweise. Klar ist jedoch, dass Drogen-Cocktails in der Regel noch gefährlicher sind als die einzelnen Substanzen.

SO WIRKT DAS WURMMITTEL
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  • „Das Spannende ist, dass hier erstmals zwei komplett unterschiedliche Substanzklassen gemeinsam vorkommen, von denen die Wissenschaft bisher annahm, dass sie einander wegen ihrer gegensätzlichen Wirkungen für den Suchtmittelmissbrauch ausschließen würden“, so Harald Sitte von der MedUni Wien. Weshalb dies bei der gleichzeitiger Einnahme von Kokain und Levimasol doch nicht so ist, konnten die verantwortlichen ForscherInnen Tina Hofmaier und Oliver Kudlacek klären: Die Wirkung von Aminorex – dem sogenannten Metaboliten von Levamisol – setzt dann ein, wenn die von Kokain bereits abklingt. Dadurch verlängert sich für den Konsumenten der von Kokain erwartete Effekt.
HINTERGRUND ZU KOKAIN
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  • Szene in Österreich: Knapp ein Prozent der Österreicher gelten als regelmäßige Konsumenten von Kokain. Das Magazin „News“ berichtete, dass bis zu 500.000 Österreicher bereits Erfahrung mit Kokain gemacht haben. Knapp 80.000 sind mittlerweile süchtig“, so der renommierte Psychiater Reinhard Haller. Laut Gesundheitsministerium dominierte 2013 bei den Beschlagnahmungen Cannabis nach wie vor, während bei Heroin, Kokain, Mephedron und suchtgifthältigen Medikamenten Rückgänge zu verzeichnen sind (der vollständige Bericht zur Drogensituation 2013 ist hier zu finden).
  • Geschichte: Die Wiener Informations- und Beratungsstelle „checkit!“ zur Geschichte des Kokain: In den Andenländern Südamerikas – dem Ursprungsgebiet des Kokastrauches – werden Kokablätter seit Jahrhunderten aus religiösen, mystischen, sozialen und medizinischen Gründen eingenommen. Der Konsum der Kokablätter führt zu einer Erhöhung der Ausdauer, zur Unterdrückung von Hunger und zur Steigerung des Wohlbefindens.
  • Informationen: Ausführliche Informationen über Kokain von „checkit!“ sind hier zu finden.
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