Grippaler Infekt

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wie ein grippaler Infekt funktioniert | Mit welchen Mechanismen Erkältungsviren das Immunsystem austricksen | Grundlegende Vorkehrmaßnahmen | Behandlungsmethoden

Erkältungsviren sind wie Kletten:
Man wird sie einfach nie los

Kaum einem gelingt es, ihr – vor allem im Winter-Halbjahr – zu entkommen. Der Erkältung. Im Sommer seltener, aber wenn die Umstände passen, schlägt sie auch in den warmen Monaten zu. Warum schafft es das Immunsystem nicht, Erkältungen (auch grippaler Infekt genannt) auf Dauer von uns fernzuhalten? Was löst Erkältungen aus und was kann man dagegen tun?

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Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken sind mitunter sehr gefährliche Krankheiten. Doch einmal überstanden, hat das Immunsystem die Erreger (Viren) ein Leben lang unter Kontrolle. Diese Krankheiten werden daher auch Kinderkrankheiten genannt, da sie meist bei noch nicht immunen Kindern auftreten. Aber warum schafft es das Immunsystem, derart gravierende Krankheiten für immer in Schach zu halten, aber die vergleichsweise harmlose Erkältung (ebenfalls von Viren ausgelöst) nicht? Wissenschaftler haben beispielsweise hochgerechnet, dass ein Mensch im Verlauf seines Lebens im Schnitt mindestens 200 Mal an Erkältungskrankheiten leidet.

Der Grund sind die vielen Gesichter dieser Virenkategorie. Mehr als 200 unterschiedliche Virenarten können grippale Infekte auslösen. Sie unterscheiden sich im Aufbau, verursachen aber dennoch sehr ähnliche Krankheitsverläufe. Somit wird das Bild klar: Hat sich das Immunsystem gegen einen Erreger aus dieser Gruppe erfolgreich gewehrt, kommt ein anderer daher, für den die körpereigene Immunabwehr ein neues Rezept erfinden muss. Erkältungen dauern normalerweise eine Woche. Das ist genau jene Zeit, die das Immunsystem benötigt, um eine funktionierende Abwehrmethode gegen den Virus zu entwicklen und diese umzusetzen. Nur, damit dann der nächste Erkältungs-Virus kommt und alles von vorne beginnt… Es ist nicht einmal garantiert, dass

man in Zukunft gegen einen Erkältungsvirus resistent ist, den man schon einmal in sich hatte, denn durch Mutation ändern Viren laufend ihr Gesicht. Neue Maske, neuer erfolgreicher Angriff. Einen Allround-Impfstoff zu entwickeln, ist der Wissenschaft noch nicht gelungen. Zu unterschiedlich gebaut sind die in ihrer Wirkungsweise so ähnlichen Viren.

Es kommt noch verzwickter. Erkältungsviren sind nämlich so etwas ähnliches wie Trickbetrüger und führen das Immunsystem hinters Licht. Die körpereigene Immunabwehr merkt sich dann nicht, wie der Virus aussieht (beispielsweise Rhinoviren). Hat man dann ein zweites Mal Kontakt mit dem Virus, ist das Immunsystem neuerlich ahnungslos. Ja richtig – und das ganze Spiel geht wieder von vorne los… Es ist wie mit einer Klette – man wird Erkältungen nicht los.

Die wichtigsten Grundregeln zur Vermeidung einer Erkältung: Um sich selbst und andere nicht immer wieder anzustecken, Papiertaschentücher nur einmal verwenden und regelmäßig die Hände waschen (Infektion über kontaminierte Türklinken, Händeschütteln). Öfter lüften (wenn die Luftfeuchtigkeit durch Heizen niedrig ist, einen Luftbefeuchter verwenden, damit die Schleimhäute nicht zu stark austrocknen und man damit leichter angesteckt werden kann). Ausreichend schlafen und Stress vermeiden.

BEHANDLUNGSMETHODEN
punktierte Linie
  • Was kann man gegen eine Erkältung unternehmen? Wie bei anderen Virenerkrankungen kann man eigentlich nur die Symptome behandeln und die Immunabwehr stärken. Deshalb wirken auch Antibiotika, was viele glauben, nicht (sie wirken nur bei bakteriellen Erkrankungen, nie bei viralen Infektionen). Das wichtigste bei einer Erkältung ist viel Ruhe, bei Fieber im Bett bleiben. Dies untertützt die Immunabwehr am besten.
  • Wie kann man die Symptome behandeln?
    Schnupfen. Sprays oder Tropfen helfen, die Nase wieder frei zu bekommen und die Schleimhäute abschwellen zu lassen. Pflanzliche Mittel enthalten meist Extrakte aus Eukalyptusblättern. Wichtig ist, dass viel Wasser getrunken wird, denn dies unterstützt die Verflüssigung des zu lösenden Schleims. Inhalationen unterstützen dies zusätzlich. Ob man dabei ätherische Öle einsetzt ist Geschmackssache (Eukalyptus, Salbei, Pfefferminze). Vorbeugende Schleimhautpflege mit Sesam-Öl ohne Konservierungstoffe (Nasenspray).
    Husten. Zu Erkrankungsbeginn ist der Husten oft trocken, so genannter Reizhusten. In weiterer Folge wird Schleim abgehustet. Bei dieser Form des Hustens empfiehlt es sich, tagsüber einen Schleimlöser zu verwenden. Schleimlösende Medikamente enthalten meist Extrakte aus Eukalyptus, Efeu, Thymian oder Schlüsselblume. Zwiebelsaft wird oft als Hausmittel genannt. Bei Reizhusten Hustenstiller verwenden. Am besten ebenfalls auf pflanzlicher Basis (aus Eibisch- oder Spitzwegerich-Extrakten oder Isländisch Moos).
    Halsschmerzen. Am besten helfen Arzneien, die Salbei, Thymian oder Isländisch Moos enthalten. Es gibt sie als Saft, Tropfen, Gurgellösung oder Lutschtabletten. Letztere beeinhalten meist ein örtlich wirkendes Schmerzmittel, das zusätzliche Linderung verschafft. Auch feucht-lauwarme Wickel helfen.
    Heiserkeit. Entzündungsbedingt angeschwollene Stimmbänder sind der Grund für Heiserkeit. Stimmbänder schonen (wenig reden, auch nicht flüstern – strengt Stimmbänder noch mehr an). Wer seine Stimme kurzfristig zurück haben möchte, sollte einen kühlenden, abschwellend wirkenden Eiswürfel lutschen oder einen kalten Umschlag am Kehlkopf anlegen (keine Dauerbehandlung).

  • Was ist der Grund, wenn sich die Erkrankung länger als üblich hinzieht? Die durchschnittliche Dauer eines grippalen Infekts beträgt eine Woche, in hartnäckigen Fällen ein paar Tage mehr. Klingt eine Erkältung aber auch am Ende der zweiten Woche nicht ab, oder es stellt sich Fieber über mehrere Tage ein, ist ein Arztbesuch unbedingt anzuraten. Dies deutet nämlich auf eine zusätzliche Infektion hin, fast immer bakterieller Natur an. Durch die Bekämpfung der Erkältungskrankheit ist das Immunsystem geschwächt, dadurch haben andere Erreger eine bessere Chance, ebenfalls zuzuschlagen (Bronchitis oder Lungenentzündung).
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