Brave Mädchen schauen sich so etwas nicht an

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Experten streiten über Stellenwert von geschlechtsspezifischen Filmen | Frauen fühlen sich von Pornos, die für Männer gemacht wurden, angetörnt

Das Ende eines Tabus: Brave Mädchen schauen sich so etwas nicht an

Das Tabu „Brave Mädchen schauen sich so etwas nicht an“ wird langsam gebrochen: Frauen fühlen sich von Pornos, die für Männer gemacht wurden, angetörnt – und das, obwohl sie vorgeben, emotionsgeladenere Filme mit gleichberechtigten Rollen und personenbezogener Handlung zu bevorzugen.

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„Es gibt ein wirklich interessantes Phänomen bei der weiblichen Sexualität, das es in der männlichen nicht gibt – und dieses ist die Trennung zwischen dem, wie Erotika sein sollten und dem, was Frauen wirklich antörnt“, so Neurowissenschaftler Ogi Ogas. Sexualtherapeutin Gabriele Maurer-Waitschacher vom Institut für Sexualtherapie relativiert das – vorerst: „Ich kenne Frauen, die sehr offen über ihre Sexualität reden – und die sagen, dass es sie einfach nicht interessiert, Pornodarstellern dabei zuzusehen, wie sie innerhalb von fünf Minuten 21 Mal kommen.“
„Das Tabu ‚Brave Mädchen schauen sich so etwas nicht an‘ wird allerdings langsam gebrochen“, fährt Maurer-Waitschacher fort. „Aber prinzipiell muss man sagen, dass die Pornofilme, die sich am Markt befinden, von Männern für Männer gemacht werden. Männer denken in Bildern und lieben bildlastige Pornos – für Frauen ist es hingegen oft wichtiger ein ‚Ich liebe dich‘ zu hören und dass Emotionen gezeigt werden.“

Ogas bezweifelte, dass sich sensiblere Frauen-Pornos durchsetzen werden: „Es gibt durchaus ein

Publikum für feministenfreundliche Pornos, jedoch ist das nur ein kleines Publikum und ein kleiner Teil der Frauen insgesamt. Was faszinierend ist, ist dass Frauen oft die Idee von feministischen Pornos unterstützen und sozial daran glauben wollen. Aber wenn es darauf ankommt, ist das einfach nicht das, was sie gerne sehen wollen.“

Maurer-Waitschacher ist sich da nicht so sicher: „Jetzt sind Drehbuchautorinnen gefragt – diese machen derzeit nur einen Promille-Bereich der Autoren aus. Shops wie ‚Ladies first‘, wo Männer nur als Begleitpersonen erlaubt sind, sind erfolgreich – also könnten es Frauen-Pornos auch sein.“

Ein letztes erstaunliches Studienergebnis erläutert Ogas: „Frauen, die Hardcore-Porno mögen, tendieren dazu, aggressiver, sozial durchsetzungsfähiger und zu risikoreicherem Verhalten geneigt zu sein. Sie besitzen eine Konstellation von Persönlichkeitsmerkmalen, die man normalerweise mit Männern in Verbindung bringen würde.“

Foto: Shutterstock/Conrado