Ausgewogene Darmflora

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Wie die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf das Körpergewicht nimmt | Warum manche Menschen so genannte „gute Kostverwerter“ sind | Problemfall Antibiotika-Behandlung

Faulheit und Fast Food sind nicht die einzigen Ursachen für Übergewicht

Manche Menschen können sich beim Essen noch so in Zurückhaltung üben, sie können kein Idealgewicht erreichen und halten. Andere wiederum schlemmen immerzu und sind dünn wie der berühmte Spargel. Des Rätsels wahrscheinliche Lösung: Faulheit und Fast Food sind nicht die einzigen Ursachen für Übergewicht. Ein gewichtiges Wort spricht die Darmflora dabei mit, ob ein Mensch Gewichtsprobleme hat, oder nicht.

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Im menschlichen Darm, hauptsächlich im Dickdarm, leben bis zu 1000 Arten von Bakterien. Die Bakterienbevölkerung des Verdauungstraktes erreicht dabei ein Gewicht von mehreren hundert Gramm (ausgeschiedener Stuhl besteht bis zu 50 Prozent aus Bakterien). Dass die Zusammensetzung dieser menschlichen Bakterienpopulation erheblichen Einfluss auf das Gewicht des Menschen hat, dies haben aktuelle wissenschaftliche Studien nun gezeigt. Die Art der Darmflora hat einen verstärkenden Effekt. Einfach gesagt: Dicke werden dicker, Schlanke werden schlanker.

Etwa 99 Prozent der im Darm vorkommenden Bakterien setzen sich aus vier verschiedenen Typen zusammen. So genannte Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria. Bezüglich Übergewicht ist die erstgenannte Gruppe sehr wichtig. Firmicutes vermehren sich ganz besonders, wenn der Mensch an Gewicht zunimmt. Darmflora, die sich aus einem hohen Anteil an Firmicutes zusammensetzt, kann zugeführte Nahrung besser verwerten. Dies führt zum Ergebnis, dass der Organismus dadurch deutlich mehr Kalorien aus der verdauten Nahrung aufnehmen kann. Im Volksmund „guter Kostverwerter“ genannt. Also selbst bei reduzierter Nahrungsaufnahme kann ein Mensch mit einer derart zusammengesetzten Darmflora zunehmen.

Auffällig ist auch, dass übergewichtige Menschen fast immer einen dünner mit Bakterien besiedelten Darm sowie eine mangelnde Vielfalt innerhalb der Darmflora haben. Der Grund dürfte die einseitige und ungesunde Ernährung sein. Und diese mangelnde Vielfalt hat einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel.

Die Lösung: Man hat es selbst in der Hand, die Darmflora in einem gesunden Gleichgewicht zu halten, oder in einen instabilen Zustand abgleiten zu lassen. Die Zusammensetzung der Darmflora lässt sich nämlich über die Art der Ernährung beeinflussen. Die Schwierigkeit an der Sache: Um zu einer ausgewogenen Darmflora zu kommen, muss man persönliche kulinarischen Vorlieben möglicherweise zurückstellen. Gesunde Ernährung ist der Schlüssel. Und dies bedeutet viel Trinken, viel Obst und Gemüse sowie ballaststoffreiche Vollkornprodukte. Dazu fettarme Milch und Milchprodukte, mäßiger Konsum von Fleisch und Wurst sowie wenig Fett, Zucker und Salz. Einen sehr guten Überblick zur Thematik gibt die „österreichische Ernährungspyramide“ des Gesundheitsministeriums, die hier zu finden ist. Ganz wichtig ist auch, bei Erkrankungen nicht leichtfertig auf Antibiotika zurückzugreifen. Diese töten nicht nur bakterielle Krankheitserreger ab, sondern auch andere bakterielle Mikroorganismen, beispielsweise die Darmflora.

WISSEN RUND UM DARMFLORA
punktierte Linie
  • Immunstärkung: Eine gesunde Darmflora verhindert die Ausbreitung verschiedenster Krankheitserreger im Darm und hat einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Außerdem baut sie Schadstoffe ab.
  • Antibiotika-Behandlung: Nach einer Antibiotika-Behandlung empfiehlt es sich, die Darmflora wieder aufzupäppeln. Der einfachste Weg ist, mehrmals am Tag Joghurt mit in den Speiseplan aufzunehmen. Idealerweise verschiedene Joghurts mit unterschiedlichen Milchsäurebakterienkulturen. Schlüssel für die Wiederherstellung einer idealen Zusammensetzung der Darmflora ist in weiterer Folge eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Die Populationen der meisten Bakterienarten erholen sich nach Beendigung der Antibiotika-Behandlung in wenigen Wochen von alleine. Es gibt allerdings auch Arten, die selbst nach einem halben Jahr noch nicht ihren ursprünglichen Status erreicht haben. Es sind auch Medikamente erhältlich, die Darmbakterien enthalten und somit hilfreich für eine Wiederherstellung sind. Auch wenn es derartige Medikamente auf rezeptfreier Basis gibt, ist die Konsultation eines Arztes zu empfehlen, ehe man zu Medikamenten greift.
  • Probiotika: Probiotika, die lebende bakterielle Organismen enthalten, sind bei der Herstellung des Gleichgewichts der Darmflora hilfreich. Studien legen zudem nahe, dass Probiotika bei verschiedenen Durchfallerkrankungen einen positiven Einfluss auf den Verlauf haben.
  • Gesund Abnehmen: Auf gesunde Weise abnehmen ist weder mit Wundermitteln noch mit Zauberdiäten zu erreichen. Einzig und allein entscheidend ist eine negative Energiebilanz. Dies bedeutet, dem Körper wird weniger Energie über die Nahrung zugeführt, als er benötigt. Sehr gut und ausführlich beschrieben ist die Thematik Gesundes Abnehmen hier bei Netdoktor.
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