Smartphones im Grab liegen im Trend

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Grabbeigaben: Vieles ist möglich | Das Gefühl der Hilflosigkeit ausblenden

Ungewöhnliche Beigaben: Smartphones im Grab liegen im Trend

Grabbeigaben sind seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Kultur. Je nach Glauben wurde den Verstorbenen – z. B. für ein Leben nach dem Tod – Alltagsgegenstände und Speisen ins Grab gelegt. Bei höhergestellten Toten fanden sich darüber hinaus Waffen, Schmuck, Tiere und sogar Diener in den Grabstätten.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:45 Minuten  (Erklärung hier)


Was viele nicht wissen: Auch heutzutage können Gegenstände mit ins Grab gegeben werden, besonders beliebt ist etwa das Smartphone. Technische Gadgets dürfen allerdings oft nur bei einer Erdbestattung mit in den Sarg, nicht aber bei einer Feuerbestattung, da ansonsten nicht nur der Ofen beschädigt, sondern auch gefährliche Emissionen hervorgerufen werden könnten.

Welche Beigaben mit in den Sarg dürfen, ist dabei aber abhängig vom Bestatter. Manche von ihnen verweisen auch bei einer Erdbestattung auf eine mögliche Verschmutzung des Erdreichs durch die Akkus. Darüber hinaus gibt es aber Einigkeit, was Beigaben wie Waffen betrifft. Diese dürfen natürlich nicht mit unter die Erde. Ansonsten ist aber vieles erlaubt, egal, ob es sich um Familienfotos handelt, eine Nackenrolle, ein Kuscheltier, eine Flasche Champagner oder eben das Handy.

Den Menschen geht es offenbar darum, dass sie im Tod nicht allein sein müssen. Dabei sei die Bestattung mit einem Lieblingsgegenstand noch

lange nicht Standard, wie der Vorsitzende des hessischen Bestatterverbands, Dominik Kracheletz, gegenüber dem hr online anmerkt. Kracheletz, der die Entwicklung begrüßt, meint außerdem, dass die Beerdigung mittlerweile “von der Gestaltung her individueller gewünscht“ werde, als dies früher der Fall gewesen wäre.

Das könnte auch daran liegen, dass immer mehr Bestatter die Hinterbliebenen über die Möglichkeit aufklären, dem Verstorbenen einen Gegenstand mit ins Grab zu geben. Viele wüssten darüber bis dahin nicht Bescheid. Dabei können sinnvolle Aktivitäten wie das Organisieren der Trauerfeier oder das Nachdenken über eine passende Grabbeigabe dabei helfen, das Gefühl der Hilflosigkeit und den Schmerz auszublenden.

Es zählt die Geste, dem geliebten Verstorbenen noch etwas mitgeben zu können – die Grabbeigabe spendet so auch den Angehörigen Trost.

Jörg Bauer
In Zusammenarbeit mit Aspetos.at
Foto: Shutterstock/Picka