Discount-Bestatter in den Schlagzeilen

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Discount-Bestatter in den Schlagzeilen: billig? Ja – günstig? Nein!

Es klingt fast wie eine gefährliche Drohung: Discount-Bestatter wollen die heimische Bestattungskultur „beleben“. Der passionierte Schnäppchenjäger mag ja vorerst erfreut sein – bis er die Machenschaften solcher Unternehmen am eigenen Leib erfährt.

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Nahezu jeder von uns hat bereits in einem Discounter eingekauft. Vielleicht mit einer Spur schlechten Gewissens, da hinter den niedrigen Preisen vor allem die Ausbeutung zahlloser Menschen steht. Doch wie weit würden wir gehen, um (zumindest dem Anschein nach) Geld zu sparen? Würden wir unsere lieben Verstorbenen ebenfalls einem Discounter überlassen? Werfen wir doch einen Blick hinter die Kulissen.

Ein gestohlener Lieferwagen, in dem sich zwölf Leichen befinden. Das verlassene Büro eines Discount-Bestatters, in dem Dutzende anonyme Urnen gelagert sind. Der Hinterhof eines ebensolchen, in dem Urnen in simple Abflussrohre eingemauert wurden. Die Schlagzeilen wirken nicht gerade Vertrauen einflößend. Selbst, wenn man von bedauerlichen Einzelfällen ausgeht, drängt sich im Licht dieser Vorfälle eine brisante Frage auf: Wo sparen diese Unternehmen, um ihre Dumping-Preise zu halten?

Was nur wenige wissen: Die Preise eines Bestattungsunternehmens setzen sich aus vielen Posten zusammen, auf welche die Bestatter selbst nur wenig Einfluss haben. Krematorium, Miete der Aufbahrungshalle, Blumenschmuck, Traueranzeige – die Kosten für diese und viele weitere Leistungen werden nur weiterverrechnet; das Unternehmen hat nichts davon. Wie können manche also eine Bestattung für einige hundert Euro anbieten, wenn allein die Einäscherung schon mehr kostet?

Die Wahrheit ist: gar nicht. Es sei denn, der Verstorbene wird ins billigere Ausland gebracht, in irgendeinem Krematorium verbrannt oder irgendwo beigesetzt. Unter Umständen sogar ungewaschen und im schmutzigen Nachthemd – Hauptsache billig. Pietät und Würde? Fehlanzeige.

Wer dennoch Wert auf einen würdigen Abschied und eventuell sogar auf ein Plätzchen auf dem örtlichen Friedhof legt, der muss beim Discounter tief in die Tasche greifen. Nicht selten sogar tiefer als bei einem seriösen Bestattungsunternehmen. Denn im Preis ist oft nur der Transport vom Sterbeort bis zur Aufbahrungshalle inbegriffen – und diesen

Transport übernimmt vielleicht sogar ein Subunternehmer, der einen herkömmlichen Lieferwagen benutzt. Eventuelle Beschwerden werden kurzerhand an diesen abgewälzt.

Die Lockangebote wirken dennoch: Immer mehr Menschen lassen sich ködern und sitzen dann in ihrer Trauer vor einem rhetorisch bestens geschulten Menschen, der ihnen alle möglichen Zusatzleistungen verkaufen will. Waschen und Ankleiden des Verstorbenen? Blumenschmuck? Trauerredner? Aber gerne doch! Darf es ein bisschen mehr sein? Brauchen Sie Sargträger oder möchten Sie das selbst erledigen?

Erst lange nach dem Leisten der Unterschrift wird den Hinterbliebenen klar, dass sie für Leistungen, die in einem seriösen Angebot bereits inbegriffen sind, deutlich mehr bezahlen. Und ob die Durchführung der Bestattung dann wirklich ohne unerfreuliche Zwischenfälle abläuft, steht mitunter auch in den Sternen.

Dass die dringend notwendige Trauerarbeit unter diesen Umständen auf der Strecke bleibt, ist völlig klar. Seriöse Unternehmen begleiten die Angehörigen in ihrer schwersten Zeit, übernehmen Behördenwege, beraten und helfen. Selbst bei alternativen Bestattungsarten können die Hinterbliebenen dabei sein und wissen genau, wo der Leichnam beigesetzt wurde – sie haben einen Ort zum Trauern und Erinnern.

Die billigste Variante eines Discount-Bestatters hingegen sieht die anonyme Beisetzung des Verstobenen an einem unbekannten Ort vor. Dabei könnte es sich um Tschechien, die Niederlande, die Slowakei oder irgendein anderes Land handeln – Sie werden es nie erfahren. Doch auch die (wahrscheinlich überteuerte) Beisetzung am örtlichen Friedhof hinterlässt bei den Verwandten mitunter einen schalen Nachgeschmack. Denn die Geschäfte der Discount-Bestatter erinnern mehr an Müllentsorgung als an die würdevolle Verabschiedung eines lieben Menschen.

Sue Holl
In Zusammenarbeit mit Aspetos.at
Foto: Shutterstock/Juliasv