Woran in Tirol gestorben wird

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Detaillierte Übersicht von Todesursachen in Tirol seit 1970 | Genauere Betrachtung und Einordnung einiger bestimmter Ursachen für Todesfälle

Gestorben wird jeden Tag – natürlich auch in Tirol: Aber woran?

Gestorben wird im Stillen, gestorben wird spektakulär, gestorben wird vor allem jeden Tag – natürlich auch in Tirol. Selten hat ein Todesfall wie jener von Daniela Kammerer im Juni 2005 Tirol derart beschäftigt. Dabei waren in diesem Jahr insgesamt sieben Menschen durch Mord oder Totschlag verstorben. Der Alltag im Sterben ist allerdings ein anderer und findet meist im Stillen in der Runde von Angehörigen zu Hause oder im Krankenhaus statt. Ursache ist am häufigsten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 3:10 Minuten  (Erklärung hier)

Jeder hat bereits Erfahrungen mit Todesfällen in seinem Umfeld gemacht. Doch woran wird in Tirol eigentlich wirklich gestorben? Was sind die häufigsten Ursachen, wenn Menschen aus dem Leben scheiden? Wenn man sich die Statistiken seit 1970 näher ansieht, dann trifft man auf Erwartetes
als Grund, aber auch auf Erstaunliches. Insgesamt starben in den letzten 32 Jahren in Tirol jedes Jahr zwischen 4894 (1974) und 5606 (2012) Menschen. Die Zahlen sind relativ stabil, obwohl die Bevölkerung kräftig wuchs. Die Fortschritte in der Medizin gleichen dies nahezu aus.
Woran in Tirol gestorben wird – Überblick nach Ursachen-Gruppen
punktierte Linie
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut den Daten von Statistik Austria Todesursache Nummer eins in Tirol. Große Änderungen gab es dabei seit 1970 nicht (2012 aktuellste Zahlen/die Daten von 2013 sind noch nicht ausgewertet).
  1970 1980 1990 2000 2010 2011 2012
Insgesamt *) 5189 5174 5220 5066 5449 5328 5606
Herz/Kreislauf 2227 2597 2412 2534 2239 2137 2242
Krebs 1078 1216 1295 1265 1425 1458 1471
Atmungsorgane 427 235 346 286 309 337 278
Verdauungsorgane 279 261 245 195 184 173 203
Sonstige Krankheiten 644 457 534 436 963 872 1017
Unfälle 433 294 255 216 198 200 233
Woran in Tirol gestorben wird – ausgewählte Einzelbeispiele
punktierte Linie
  1970 1980 1990 2000 2010 2011 2012
Aids 1 4 5 3 2
Alkoholismus 10 10 10 24 35 33 32
Altersschwäche 39 31 31 48 35 22 31
Brustkrebs 77 88 109 117 108 100 105
Diabetes 62 44 117 79 226 157 177
Dickdarmkrebs 86 68 109 77 87 95 89
Drogen 3 6 10 17 24 18
Grippe 104 3 16 6 3
Herzinfarkt 422 586 595 562 435 462 482
Leberzirrhose 108 102 119 78 80 81 101
Lungenentzündung 204 122 126 74 69 83 48
Lungenkrebs 141 202 227 243 285 303 266
Magenkrebs 228 197 137 100 62 65 73
Mord 9 2 5 4 1 4 5
Perinatale Affektion ** 120 45 24 18 9 4 6
Plötzlicher Kindstod 6 18 5 2 2
Selbstmord 90 98 121 126 90 98 103
Schlaganfall 727 801 701 598 338 326 321
Unbekannte Ursache 14 7 2 30 29 27
Unfall 433 294 255 216 198 200 233

*) Seit 2009 fließen auch Todesfälle von Tirolern im Ausland in die Statistik ein.
**) Totgeburten und Todesfälle bis zum siebten Tag nach der Geburt.

Klassische Ursachen: Dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die häufigste Todesursache sind, verwundert wenig. Im Jahr mit den aktuellsten, verfügbaren Zahlen (2012) waren diese zwei Gruppen in beinahe exakt zwei Dritteln der Fälle die Todesursache. Im folgenden hat sich Zauberfuchs aber aus der Statistik einige teils weniger häufige Todesursachen herausgesucht, die dafür interessante Einblicke erlauben.

Unfälle: Auch Unfälle sind eine recht verbreitete Todesursache. Insgesamt 11.510 Mal seit 1970 (pro Jahr im Schnitt ca. 268). Bei einem Großteil dieser Unfälle handelte es sich 4323 Mal um Verkehrsunfälle (101), 3903 Mal um Stürze jeder Art (91) und 168 Mal um Vergiftungen (4).

Aids: Die Todesursache Aids ist in Tirol eine eher seltene. Bis heute gab es insgesamt 83 Tote, die auf die Viruserkrankung zurückgehen. Die ersten beiden Aids-Fälle im Bundesland gab es 1986, mit acht die meisten 1993 und zuletzt 2012 nur zwei. Zur Orientierung: Die weltweit ersten Aids-Infektionen wurden für das Jahr 1959 nachgewiesen. 1981 bekam die Krankheit mit Aids ihren Namen. Die ersten österreichischen Aids-Toten gab es 1983 in Wien.

Mord: Mord und Totschlag sind keine so seltene Todesursache, wie der Tiroler Durchschnittsbürger glauben mag, auch wenn derartige Fälle meist große mediale Verbreitung finden und daher oft im Gedächtnis haften bleiben. Von 1970 bis heute 193. Am meisten 1997 mit elf, am wenigsten 1989 und 2009 mit jeweils einem.

Unbekannte Ursachen: 331 Mal hieß es seit 1970 Todesursache unbekannt. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind damit hauptsächlich Fälle gemeint, die aus medizinischer oder juristischer Sicht keine Unterscheidung zwischen Unfall, Selbstmord oder Fremdverschulden möglich machen. Dahinter verbergen sich auch Selbstmorde oder Morde.

Alkoholismus und Drogen: 680 Mal war Alkohol, 338 Mal Drogen seit 1970 in Tirol Todesursache. Im Schnitt knapp 16 bzw. acht Fälle pro Jahr. Allerdings nehmen Alkohol und Drogen als Grund für das Ableben in den letzten Jahren stark zu. Den ersten Drogen-Toten in Tirol gab es übrigens 1975. Erst seit 1980 (nach zwei Fällen 1978) gibt es pro Jahr zumindest einen.

Plötzlicher Kindstod: Dieser wird erst seit 1980 statistisch erfasst. In den letzten drei Jahrzehnten trat er 234 Mal ein. Hauptsächlich bis Mitte/Ende der 1990er-Jahre. Danach sorgten Aufklärung durch Ärzte und Sicherheitsvorkehrungen (elektronische Alarmsysteme) sowie bessere medizinische Betreuung für einen Rückgang derartiger Fälle. Seit Anfang der 2000er-Jahre kommt es in Tirol zu maximal zwei dieser besonders tragischen Todesfälle pro Jahr (1987 waren es noch 21).

Es recherchierte  Manfred Schiechtl
Foto: Shutterstock/Kzenon