Poetry Slam

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Hintergrund zu Poetry Slam | Herkunft dieser Art des Lyrikwettstreits und die Aktivitäten in der Tiroler Szene rund um Begründer Markus Köhle

Poetry Slam bedeutet Lyrikwettstreit:
Der Wettkampf um den besten Reim

Seit Julia Engelmann mit ihrer poetischen Abhandlung über das Leben, wie es sein könnte (siehe Infobox), für Furore in den sozialen Netzwerken gesorgt hat, ist Poetry Slam in aller Munde. Die 21-jährige Bielefelder Psychologie-Studentin hatte am „Bielefelder Hörsaal-Slam“ teilgenommen, ihr Beitrag war im Juli 2013 auf youtube veröffentlicht worden und macht seit einigen Tagen viral die Runde auf Facebook und Co. Mittlerweile haben fast vier Millionen Menschen das Video angeklickt. Doch was ist ein Poetry Slam eigentlich?

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Poetry Slam bedeutet Lyrikwettstreit. Entstanden ist die Form in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in den USA, längst gibt es internationale Slammer-Szenen und -Turniere. Zauberfuchs hat den Autor und Poetry Slammer Markus Köhle (mehr dazu hier) getroffen. Über den plötzlichen Hype, den Engelmanns Video losgetreten hat, freut und wundert er sich gleichzeitig. Denn er startete bereits vor zwölf Jahren in Innsbruck mit den ersten Poetry Slams und begründete somit die Szene in Tirol, die in den letzten Jahren immer bekannter wurde. Die Slam-Bühnen boten für manch heimische Künstler und Kabarettisten wie zum Beispiel Markus Kozuh (mehr dazu hier) die erste Möglichkeit, sich vor Publikum zu präsentieren.

Inzwischen gibt es in jedem österreichischen Bundesland Poetry Slams. Markus Köhle organisiert und moderiert die Wettbewerbe regelmäßig in Wien, Innsbruck und Graz. Die Literatur-Events locken regelmäßig mehrere Hundert Zuschauer an.

„Der Poetry Slam ist eine mündliche Literaturform, in der selbst geschriebene Texte nicht gelesen, sondern rhythmisch dem Publikum vorgetragen werden. Es ist ein Wettbewerb um die Gunst des

Publikums und hat einen sportlichen Charakter. Die Vortragenden werden von einer Jury bewertet. Es geht aber nicht unbedingt darum, zu gewinnen, sondern darum das Publikum zu begeistern“, erklärt Köhle. Wichtig dabei ist, dass es sich um selbst geschriebene Texte handelt. Jeder Teilnehmer hat fünf Minuten Zeit für seine Performance, deren Inhalt er selbst bestimmen kann. „Die Besonderheit der Slam-Bühne ist die große Vielfalt. Es ist eine integrative Bühne, auf der von nachdenklichen über lustige Texte bis hin zu Dialekt alles geboten wird. Die Teilnehmer kommen aus allen Generationen und haben verschiedenste Hintergründe“, erzählt Köhle. Um selbst zu slammen, muss man kein ausgebildeter Literat sein. Mitmachen kann jeder, der sich gerne mit Textformen aller Art beschäftigt und den Mut hat, sich dem Publikum und der Jury zu stellen.

Pro Veranstaltung treten rund zehn bis 15 Slammer auf. Interessierte können im Vorfeld an einem Workshop teilnehmen, in dem sie sich auf den Slam gemeinsam mit Markus Köhle oder anderen Profi-Slammern vorbereiten können.

Es recherchierte  Sabine Monthaler

„Der Poetry Slam ist eine mündliche Literaturform, in der selbst geschriebene Texte nicht gelesen, sondern rhythmisch dem Publikum vorgetragen werden.“
Markus Köhle, Künstler
JULIA ENGELMANN
punktierte Linie
Julia Engelmann hat in den sozialen Netzwerken mit Poetry Slam für Furore gesorgt
POETRY SLAM
punktierte Linie
  • Autor und Literat Markus Köhle startete die ersten Poetry Slams 2002 im Innsbrucker Bierstindl. Heute ist der gebürtige Nassereither in Wien beheimatet, kommt aber regelmäßig auf „Heimaturlaub“ nach Tirol und organisiert mit seinem Team jeden letzten Freitag im Monat einen Poetry Slam in der „Bäckerei“ in Innsbruck. Mehr dazu ist hier zu finden. Nächster Termin: 31. Jänner – Poetry Slam in „Die Bäckerei“, Innsbruck (20:30 Uhr).
Foto: Konflozius