„Das muss ich mir unbedingt einmal anschauen!“ — neue Reiselesebücher
über Innsbruck und Südtirol

Bernd Schuchter hat sich seiner Heimatstadt Innsbruck „Abseits der Pfade“ angenommen, Martin Hanni und Renate Ranzi haben in ihrem Land Südtirol „66 Lieblingsplätze“ gefunden: Herausgekommen sind dabei zwei empfehlenswerte Reiselesebücher.

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Es gibt zwei Arten von Reisebüchern, die über den Service-Charakter, den derlei Sachliteratur immer auch haben muss („Wie frage ich in der Landessprache nach der nächsten öffentlichen Toilette?“) hinausweisen und das Potenzial haben, sowohl Gäste als auch Einheimische mit gewissen Ansprüchen an ihre eigene Hirnleistung zufriedenzustellen: solche, in denen sich Einheimische liebevoll und kenntnisreich ihre Heimaträume erarbeiten, und solche, in denen Menschen von außen mit dem Blick von Forschern des 18. Jahrhunderts exotische Eingeborene, geheimnisvolle Bräuche und überhaupt das Fremde an sich beobachten und beschreiben.

Bernd Schuchter und Martin Hanni, beide um die 40, gehören zur ersten Kategorie. Schuchter ist Autor zweier lesenswerter Romane („Link und Lerke“, „Föhntage“) und Chef des engagierten kleinen Limbus-Verlags in Innsbruck. Für die bei Braumüller erscheinende Reihe „Abseits der Pfade“ hat er diverse Spaziergänge durch Innsbruck unternommen und beschrieben, die so wohl nicht in den Routen der offiziellen Stadtführer eingezeichnet sind. Mäandernd bewegt sich Schuchter durch seine Stadt, erzählt detailreich und in größeren Zusammenhängen Geschichten und von der Geschichte. Der sanft ironische Unterton, den Schuchter anschlägt, wie das viele Innsbrucker gern tun, wenn sie über ihr Städtchen reden, klingt Einheimischen vertraut in den Ohren und vermittelt Gästen zu Recht den Eindruck von Authentizität.

„Innsbruck abseits der Pfade“ ist ein — leider nicht sehr hochwertig aufgemachtes — Buch für kunst- und kulturaffine Menschen, versehen mit zahlreichen wertvollen Tipps und aufgelockert durch einige Kochrezepte für Ur-

Tiroler Speisen wie Kasspressknödel und Gröstl.

Was Nord- und Südtiroler Intellektuelle häufig verbindet, ist der Umstand, dass sie eine Weile oder immer wieder weggehen müssen (etwa für ein Studium), um ihren provinziellen Heimatgegenden nicht nur mit rebellierendem Misstrauen, sondern auch mit Wohlwollen und Respekt begegnen zu können und das Schöne im Kleinen, Randständigen zu entdecken. Der Publizist und Filmemacher Martin Hanni und die Fotografin Renate Ranzi haben sich für die „66 Lieblingsplätze“-Reihe des Gmeiner-Verlags in Südtirol umgeschaut und eine Fülle liebenswerter, historisch interessanter und kulturell höchst gegenwärtiger Orte beschrieben und abgebildet.

Man erfährt Erstaunliches über Land und Leute; eine Unzahl von amüsanten bis spannenden Anekdoten über Künstler, Literaten und sonstige Prominente, die Südtirol im Laufe der vergangenen etwa 150 Jahre besuchten und zu schätzen lernten, kennzeichnet den Band „Südtirol mit Geschmack und Geheimnis. Kreuz und quer am Alpensüdkamm“. Selbst bei geeichten Südtirol-Kennern wird immer wieder der neugierige Reflex „Das muss ich mir unbedingt einmal anschauen!“ ausgelöst, und genau so soll das auch sein.

Ergänzt werden die mit leichter Hand beschriebenen Lieblingsplätze durch g’schmackige Details über „11 Apfelsorten“, und das mit gutem Grund: Die Hälfte der gesamten italienischen und zehn Prozent der europäischen Apfelernte kommen jedes Jahr aus dem kleinen Land südlich des Brennerpasses.

Es recherchierte  Irene Heisz

Buch-Cover
Buch-Cover
INNSBRUCK-BUCH
punktierte Linie
  • Bernd Schuchter: „Innsbruck abseits der Pfade“. Braumüller Verlag, Wien 2015, 140 Seiten, 14,90 Euro.
SÜDTIROL-BUCH
punktierte Linie
  • Martin Hanni, Renate Ranzi: „66 Lieblingsplätze und 11 Apfelsorten: Südtirol mit Geschmack und Geheimnis. Kreuz und quer am Alpensüdkamm“. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2015, 192 Seiten, 15,40 Euro.
Fotos: Gmeiner Verlag, Braumüller Verlag