Feitl zu Tyrolean Airways

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Ex-Tyrolean-Chef Fritz Feitl über die Hintergründe des Tyrolean-Dramas | Wird Tyrolean zum Präzedenzfall für Austrian innerhalb des Lufthansa-Konzerns?

Fritz Feitl: „Die Stärken von Tyrolean sind zugleich ihre größten Schwächen“

Stück für Stück zieht Eigentümer Austrian derzeit Kompetenzen und Personal vom Tyrolean-Standort Innsbruck nach Wien ab. Ende März 2013 wurde bekannt gegeben, dass die gesamte Verwaltung übersiedelt wird. Ende Oktober wurde verkündet, dass der Technik-Bereich reorganisiert wird. Als erster Schritt wandern die Supportfunktionen von Tyrolean Technik großteils nach Wien (ein Zauberfuchs-Hintergrund dazu ist hier zu finden). Das gesamte Ausmaß der Reorganisation entscheidet sich 2014. Fritz Feitl, fast zwei Jahrzehnte bis 2000 Chef von Tyrolean, hat die Tiroler Fluggesellschaft groß gemacht. Er beobachtet und leidet mit. „Ich sehe mit großen Schmerzen, was aus Tyrolean gemacht wird“, erzählt er Zauberfuchs.

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Drei Fluglinien prägten in den letzten Jahrzehnten die österreichische Luftfahrt: Platzhirsch Austrian Airlines, die erfolgreiche Tiroler Regionalfluglinie Tyrolean Airways und Niki Laudas AUA-Herausforderer Lauda Air (Vorgänger von Fly Niki). Nach und nach wurden die drei Unternehmen zu einem – Tyrolean ist seit 1998 eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der AUA, die Lauda Air (1979 gegründet) wurde 2002 eine 100-prozentige AUA-Tochter. Die ehemalige Staats-Airline (2009 von der Lufthansa übernommen) hatte sich somit die erfolgreichen Konkurrenten einverleibt. Und sowohl für die Belegschaft von Lauda Air, als auch Tyrolean Airways begannen damit die Probleme. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ Anfang 2013 hatte Niki Lauda dies so beschrieben: „Der Feitl und ich waren naiv, weil wir gehofft hatten, dass unsere Dynamik auch die AUA beschleunigen könnte. Wir dachten, dass unsere innovativen Ansätze bei der AUA dazu führen würden, dass man dort sagt: So schlecht machen die das gar nicht. Das war mein größter Fehler. Die AUA-Kultur war nicht aufzubrechen. Daher ist die AUA-Lawine über Tyrolean und Lauda gerollt und hat die beiden „verAUAt“.“

Ganz ähnlich die Worte von Fritz Feitl: „Es ist mir völlig unverständlich, dass man von Seiten der Austrian die Fähigkeiten von Tyrolean und die motivierten Mitarbeiter nicht nützt.“ Und auch für Feitl – ähnlich wie für Lauda – scheint die Wurzel in der Unternehmenskultur von Austrian zu finden zu sein: „Die AUA hat es in den letzten 20 Jahren, seit die volle Liberalisierung der Luftfahrt wirksam ist, nicht geschafft, nachhaltig profitabel zu sein und die eigene Existenz abzusichern. Leider ist der Versuch der Zusammenführung der drei Großen in der österreichischen Luftfahrt nicht wirklich erfolgreich gewesen.“

Der Grund liegt für Feitl darin, dass keine klar funktionierende Arbeitsteilung geschaffen wurde, die Aufteilung der Geschäftsfelder nicht trennscharf war. „Am ehesten noch bei Tyrolean“, so Feitl. Wohl der Grund, warum auch die Marke Lauda Air früher verschwand (Sommer 2013). „Die Folge waren und sind viele Rivalitäten.“ Die Absurdität der Entwicklung findet für Feitl ihren Ausdruck in einer Aussage der Chefetage von Austrian: „Es hieß, alle Teile müssten gleich wachsen.“ Die Stärken von Tyrolean sind im Verbund mit Austrian zugleich auch die größten Schwächen der Tiroler Fluglinie: „Der AUA wurde zu oft die Leistungsfähigkeit der Tyrolean vorgehalten. Das führte zu großen Spannungen und die Rechnung zahlt jetzt Tyrolean“, fasst Feitl zusammen.

Die Spitze des Unverständnisses ist für Feitl erreicht, wenn es um diverse Sparmaßnahmen geht. „Es ist doch Schwachsinn, dass wenn man Sparen will dort integriert wird, wo die Kosten höher sind“, kann er die Verlagerung von Kompetenzen nach Wien nicht nachvollziehen. Dann bringt er es auf den Punkt: „Tyrolean auszuschlachten und zu amputieren ist eine strategische Meisterleistung.“ Feitl, der immer auch für seine Weitsichtigkeit bekannt war, sieht in den derzeitigen Abläufen aber mitunter eine Beispielwirkung, die auch die Lufthansa-Tochter Austrian selbst in Zukunft treffen könnte: „Dieses Spiel kann man ja auch weiterspielen. Warum dann nicht als nächsten Schritt zwecks Einsparung die Arbeitsplätze von Wien in die Lufthansa-Zentrale nach Frankfurt verlegen? Nach dem gleichen Muster.“ Das Tyrolean-Schicksal also als zukünftiger Präzedenzfall für Austrian…

Es recherchierte  Manfred Schiechtl

„Der AUA wurde zu oft die Leistungsfähigkeit der Tyrolean vorgehalten. Das führte zu großen Spannungen und die Rechnung zahlt jetzt Tyrolean.“
FRITZ FEITL, Luftfahrtexperte
Feitl zu Tyrolean Airways
ZUR PERSON: FRITZ FEITL
punktierte Linie
  • Die Karriere von Fritz Feitl in der Luftfahrt begann 1959, als er als Marketing Trainee bei der AUA eintrat. Ab 1971 war er für das Marketing verantwortlich. 1978 wechselte er zum Österreichischen Verkehrsbüro. Vier Jahre später wurde er von Gernot Langes-Swarovski als Chef zu Tyrolean Airways geholt. 1994 übernahm die AUA 42,5 Prozent an Tyrolean, 1998 zur Gänze. Feitl formte aus Tyrolean in dieser Zeit die Cash Cow innerhalb der AUA-Gruppe. Die erfolgreiche Führung der Airline schlug sich auch in Auszeichnungen nieder. 1997 wurde Tyrolean zur besten europäischen Regionalfluggesellschaft gekürt, ein Jahr später sogar zur besten weltweit. Nach 18 Jahren an der Spitze von Tyrolean verließ Feitl 2000 das Unternehmen. Feitl lebt auch heute noch in Tirol.
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