Die Entdeckung des Wiederverwertens

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Second-Hand und Revitalisierung von gebrauchten Gegenständen | Die richtigen Anlaufstellen für Interessierte

Die Entdeckung des Wiederverwertens: Reparieren und teilen statt wegwerfen

Wir kennen sie alle – die gelben Kleiderboxen von WAMS, die im ganzen Land vor Einkaufszentren, auf Parkplätzen, öffentlichen Stellen und in den Recyclinghöfen stehen. Sie schlucken bereitwillig unsere ausgemusterten Kleidungsstücke, die zwar alt, aber meist nicht gerade unsere Lieblingsstücke und deshalb wenig getragen, also noch bestens in Schuss sind und im Idealfall noch als Second-Hand-Ware über den Ladentisch gehen. Second-Hand und die Revitalisierung von gebrauchten Gegenständen erfährt gerade einen Boom. Wissenschaftler sprechen bereits vom Beginn der Ära der Postwachstumsökonomie als Reaktion auf die verschwenderische Konsumgesellschaft.

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Tatsächlich verzeichnen die Sozialökonomischen Betriebe in Tirol, zu deren Netzwerk u.a. WAMS und Ho&Ruck zählen und die sich auf Second-Hand spezialisiert haben, einen generellen Anstieg der Nachfrage und mehr Umsatz.

Die Kundschaft ist unterschiedlich: „Einerseits sind es Individualisten, die es aus Gründen der Nachhaltigkeit tun oder auf der Suche nach besonderen Stücken sind und vielleicht auch die eine oder andere Antiquitäten suchen. Andererseits sind es wirklich die Schnäppchenjäger oder jene, die weniger Geld haben und einfach günstige Kleidung, Möbel und Haushaltswaren suchen”, weiß Barbara Wiesmüller, Geschäftsführerin des Verbands der Sozialökonomischen Betriebe Tirols.

Um auf die verstärkte Nachfrage gemeinsam zu reagieren, hat sich im vergangenen Jahr das so genannte „Re-Use Netzwerk Tirol” gebildet. Darin engagieren sich aktuell sieben Betriebe bzw. deren Träger: Verein WAMS, Verein ISSBA, Ho&Ruck, s’Gwandtl Lienz, Caritas Laden St. Johann, Schindel ∓ Holz Lienz und Volkshilfe Werkbank Wörgl. Sie führen in Kooperation mit den regionalen Abfallorganisationen oder Gemeinden Sammelaktionen auf Recyclinghöfen durch. „An bestimmten Terminen können gut erhaltene Gegenstände wie Haushaltswaren, Freizeit- oder

Sportgeräte abgegeben werden. Sie werden von geschulten Mitarbeitern der sozialökonomischen Betrieben begutachtet, ob sie noch für den Wiederverkauf verwertbar sind”, erklärt Wiesmüller. Denn nicht jedes Stück, das in den Augen der Besitzer vielleicht noch Wert hätte, findet auch Abnehmer. Die jahrelange Erfahrung der Second-Hand-Spezialisten ist deshalb wichtig. „Wir verzeichnen zum Beispiel auch eine immer stärkere Nachfrage nach Kleinwaren wie Geschirr, Bücher, DVDs”, sagt Wiesmüller. Wann und wo die nächsten Sammeltage statt finden, ist unter hier abrufbar.

Neben den professionellen Second-Hand-Betrieben entstehen in Tirol auch immer mehr private und selbstorganisierte Initiativen, die sich dem Wiederverwerten verschreiben. Reparieren und teilen statt wegwerfen lautet das neue Credo derer, die der Mechanismen der Konsumgesellschaft überdrüssig sind. Möglichkeiten dazu gibt es viele: angefangen von verschiedensten Tausch- und Flohmarkt-Plattformen über Facebook, bis hin zu neuen Initiativen wie zum Beispiel dem Repair-Café, dem Kostnix-Laden Innsbruck, oder dem Nähcafé Nadelöhr in Innsbruck. Wir haben eine kleine Auswahl an Projekten in Tirol zusammengetragen.

Es recherchierte  Sabine Monthaler

„Es kommen meist Schnäppchenjäger oder jene, die weniger Geld haben und einfach günstige Kleidung, Möbel und Haushaltswaren suchen.“
Barbara Wiesmüller, Sozialökonomin
AN DER RICHTIGEN ADRESSE
punktierte Linie
  • Re-use Netzwerk Tirol: Das Ziel: Gute Stücke (Kleidung, Geschirr, Hausrat…) sollen nicht im Abfallstrom untergehen, sondern für eine zweite Nutzung gerettet werden. Nähere Informationen sind hier zu finden.
  • Bikerei: Offene Radlwerkstatt in Innsbruck. Jeden Dienstag, 17 bis 21 Uhr in „Die Bäckerei – Kulturbackstube Innsbruck“, Dreiheiligenstraße 21a. Nähere Informationen sind hier zu finden.
  • Repair-Café: Der Obsoleszenz ein Schnippchen schlagen: Miteinander können mitgebrachte Haushaltsgeräte repariert werden. Nähere Informationen sind hier zu finden.
  • Nadelöhr – Das bunte Nähcafé: Das Nadelöhr widmet sich ganz dem Selbermachen und bietet Raum für allerlei Do-it-Yourself-Aktionen. Defreggerstraße 18, Innsbruck. Nähere Informationen sind hier zu finden.
  • Innsbruck verschenkt: Eine Facebook-Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ganz unterschiedliche Dinge kostenlos von einem Innsbrucker Facebook-User zum anderen zu vermitteln und beide profitieren zu lassen. Nähere Informationen sind hier zu finden.
  • Kostnix: Wer dort etwas findet, das er brauchen kann, nimmt es mit – kein Tausch, keine Bezahlung. Wer dort etwas abgeben möchte, das er nicht mehr gebrauchen kann, bringt es hin. Höttingergasse 11, Innsbruck. Nähere Informationen sind hier zu finden.
Foto: Monthaler