Bernhard Aichners Totenhaus

Schnellübersicht – darum geht es auf dieser Seite: Ab heute ist „Totenhaus“ von Bernhard Aichner im Handel | Der Tiroler Schriftsteller will mit dem zweiten Band der Trilogie über die Bestatterin Blum an den Riesenerfolg von „Totenfrau“ anschließen

Blum im „Totenhaus“ — zweiter Band der Thriller-Trilogie von Bernhard Aichner

Brünhilde Blum — oder einfach Blum, wie die zahllosen Fans der „Totenfrau“ insiderisch sagen — ist zurück. Die Innsbrucker Bestatterin, Protagonistin jenes Buches, das den vorher lediglich regional bekannten Tiroler Autor Bernhard Aichner im Frühjahr 2014 über Nacht zu einem internationalen Bestseller-Autor gemacht hat, tritt zum zweiten Mal auf.

Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 2:30 Minuten  (Erklärung hier)

Am 17. August erscheint „Totenhaus“, der mittlere Band der Thriller-Trilogie über eine junge Frau, die ihren Hunger nach Liebe und ihren abgrundtiefen Hass radikaler und kompromissloser auslebt, als man es einer unscheinbaren Mutter zweier Kinder auf den ersten Blick zutrauen würde.

Was bisher geschah und in „Totenhaus“ nicht nur rekapituliert wird, sondern auch das eigentliche Movens der Handlung ist: Blum hat in einem blutrünstigen Rachefurioso jene fünf Männer abgeschlachtet und — vermeintlich spurlos — verschwinden lassen, die für den Tod ihres Mannes, des Vaters ihrer beiden Mädchen, verantwortlich waren. Nun, zwei Jahre später, allerdings tauchen im Zuge einer Exhumierung in einem Grab ein paar Gliedmaßen zu viel auf und Blum wird von ihrer Vergangenheit rasant eingeholt.

Dazu kommt, dass Blum in einer Zeitschrift auf das Foto einer plastinierten Frau in einer „Körperkunst“-Ausstellung stößt, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Mit gutem Grund: Wie sich schnell herausstellt, hatte die von einem kaltherzigen Bestatter-Ehepaar adoptierte Blum eine Zwillingsschwester, die bei einer anderen Familie in einem anderen Land und unter ganz anderen, indes letztlich nicht weniger prekären Umständen aufwuchs.

„Totenfrau“ ist ein internationaler Erfolg, der sich bisher rund 100.000 Mal verkauft hat und in ein Dutzend Sprachen übersetzt ist bzw. wird. Dahinter

steckt zwar eine ehrgeizige, penible Strategie des 43-jährigen Autors selbst und vor allem auch von seinem Literaturagenten und dem btb-Verlag, die früh das Potenzial des Manuskripts erkannten und richtig einschätzten. Einen Erfolg in dieser Dimension kann man allerdings nicht wirklich planen. „Totenhaus“ weist wieder jene Qualitäten auf, die das Publikum schon an „Totenfrau“ mochte: Bernhard Aichner schreibt in einfachen Sätzen und filmisch-anschaulichen Metaphern.

Er beherrscht die Kunst des suggestiven Cliffhangers und hat einen gewaltigen Zug zum Tor. Er treibt die Handlung mit einem atemlosen, um nicht zu sagen: mörderischen Tempo voran, lässt Blum von einem Extrem der Gefühle ins andere taumeln und hält weder sich noch sein Publikum mit übermäßig raffinierten oder gar subtilen psychologischen Hintergründen auf. Natürlich pflastern auch jede Menge Leichen den Weg der Vielfach-Mörderin Blum, doch…

Nein, nein, der interessanteste Twist, den sich Bernhard Aichner für das Buch ausgedacht hat, kann an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Es ist fraglos spannend und unterhaltsam, im Zuge der kurzweiligen Lektüre selbst darauf zu kommen. Am Ende möchte man selbstverständlich wissen, wie es mit Blum und ihren Kindern denn nun weitergeht. Und das ist ja auch unterm Strich der Sinn der ganzen Sache.

Es recherchierte  Irene Heisz

Bernhard Aichners Totenhaus
Bernhard Aichners Totenhaus
IN KÜRZE
punktierte Linie
  • Bernhard Aichner: „Totenhaus“. btb-Verlag, München 2015, 416 Seiten, 20,55 Euro.
Fotos: fotowerk-aichner.at (2), btb-Verlag