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punktierte Linie

Dem Wasti sein Palastorchester

Von Nikoletta Zambelis | Ich muss gestehen, ich mag ihn nicht, den türkisen Kanzlerkandidaten Sebastian Kurz. Und ich halte auch wenig von seinem Programm seiner Bewegung. Selbst dann nicht, wenn er uns etwas schenkt, das Menschen wie mich vielleicht umstimmen sollte. Obwohl — ein ganz klein wenig könnte man ja schon ins Wanken geraten.

Während ich diese Zeilen schreibe, schweben noch die Klänge von Sebastian Kurz’ spektakulärem Auftritt vor dem Goldenen Dachl durch die Gassen. Beindruckend, was der Mann da hingezaubert hat. Ein Palastorchester einer Mann- (und Frau-)stärke, das Potenzial gehabt hätte, mindesten zwei mittelgroße Bälle zu unterhalten, geigte an der historischen Stätte ebensolche Schlager auf. Vermutlich hätte die Musik die Stimmung anheizen sollen, denn die Temperatur hat das nicht geschafft. Aber fürs Wetter kann er nun wirklich nichts, der Wasti, das muss man ihm zugestehen.

Wie sich die Größe des Orchesters kostenseitig erklären lässt — man denke sich das ganze nur mal neun (Landeshauptstädte) — ist mir ebenso ein Rätsel, wie Kurz’ Kenntnis solcher altertümlichen Formate. So eine big Bigband hat ja schon irgendwie ein bisschen was Gestriges. Wo gibt’s denn so etwas heute noch?, frage ich mich. Vielleicht ist es ja aber auch Wastis Tribut

Meinung

an uns Alte und Fleißigen. Mit Symbolik und Geld von gestern lässt sich vielleicht die Generation, die sich einen nicht einmal 35-jährigen Bundeskanzler schwer vorstellen kann, leichter einkochen.

Kann es sein, dass er sich das dabei gedacht hat? Oder ist er vielleicht einfach doch ein Lieber und Freundlicher, der uns mit der schönen, imposanten Musik an einem kalten regnerischen Abend ein bisschen Wärme schenken wollte. Es gibt ja eh so wenig zu lachen, und man muss einfach auch groß denken, wenn man groß werden will. So wird’s wahrscheinlich gewesen sein. Wenn ich mir das jetzt so überlege, finde ich ihn vielleicht doch ganz nett. Wie er da so als finale Fanfare „I did it my way“ trällern ließ, das ist schon ans Herz gegangen.

Ach was, ich mag ihn jetzt doch. Und jemand, der so schöne Musik machen (lassen) kann, muss einfach ein guter Mensch und Kanzler sein.