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punktierte Linie

Schild(er)bürger

Von Nikoletta Zambelis | Die FPÖ will angeblich ihre Wahlwerbe-Plakate in Tirol bewachen lassen. Echt jetzt?

Wenn eine politische Partei Sicherungstrupps zum Schutze ihrer Wahlkampfplakate abstellen möchte, kann das eigentlich nur zwei Gründe haben. Entweder haben die Schilder der FPÖ, denn die hat sich das ausgedacht, einen derart hohen materiellen Wert, dass sie geschützt werden müssen. Oder aber man hat parteiintern die blauen Werbebotschaften in den Stand göttlicher Botschaften erhoben, deren blasphemischer Zerstörung Truppen entgegengesetzt werden müssen.

Beides darf an der Stelle bezweifelt werden, dann bleibt jedoch lediglich der Schluss, dass die Tiroler FPÖ in eine Art Schutzwahn verfallen ist. Offenbar genügt es nun nicht mehr, die Menschen vor den Machenschaften anderer Parteien, dem Islam, inländischen Ausländern oder ausländischen Inländern zu schützen, nein, nun macht man sich auch für Werbeschilder stark.

Ganz zweifelsohne kosten diese viel Geld, stellen ein wichtiges Werbemedium dar, und man sollte sich darauf verlassen dürfen, dass sie ihre Botschaft lange genug vermitteln können, bevor

Meinung

sie das Opfer kreativer oder aggressiver Übergriffe werden. Doch letztlich sind sie nichts anderes als überdimensionale Papierfetzen, die heute eine Botschaft vermitteln, die morgen keiner mehr zitieren könnte. Das gilt für Plakate zur Bewerbung des Schlussverkaufs, von Zirkusauftritten und Unterwäsche ebenso wie für Wahlplakate, selbst dann, wenn sie die FPÖ bewerben.

Will nun die FPÖ im Lichte dessen tatsächlich ihre Wahlschilder mit Schutztrupps sichern, darf der Phantasie über weiterführende Sicherungsmaßnahmen freien Lauf gelassen werden. Abgesehen davon, dass sich das völlig neue Berufsbild des Schild(er)bürgers etablieren könnte, der künftig nicht nur Wahlplakate sondern auch jene mit Brotwecken, Winterstiefeln oder Teekannen beschützen wird, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Denn ich bin mir sicher, auch schon einmal Kugelschreiber oder Feuerzeuge dieser oder anderer Parteien unehrenhaft behandelt, ja sogar zerstört oder vernichtet zu haben. Nicht auszumalen, was mir da künftig blühen wird, wenn dereinst auch diese Werbebotschaften beschützt werden.