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Der Vorsatz zählt, nicht das Erreichen

Von Nikoletta Zambelis | Das neue Jahr ist nun schon ein paar Tage alt, weshalb sich eine erste Bilanz zu allfällig gefassten Vorsätzen anbietet.

Selbst oder gerade wenn Sie zu jenen zählen, die sich erfolgreich vor selbst auferlegten Verbesserungsplänen drücken, sollten Sie an der Stelle weiterlesen. Denn es scheint gar nicht erforderlich zu sein, das jährliche Vorsatz-Ziel zu erreichen, es geht um das Vornehmen an sich.

Anders lässt es sich kaum erklären, warum Jahr für Jahr dieselben Ziele von denselben Personen ersonnen und angestrebt werden. Letzte gerauchte Zigaretten am 31. Dezember zählen da ebenso dazu wie die Reduktion der Kleidergröße um mindestens zwei Nummern oder die Entdeckung und Förderung von Sportlichkeit im eigenen Schweinehund. Warum diese Vorsätze just zum Jahreswechsel gefasst werden, lässt viele mögliche Antworten zu. Warum jedoch die meisten davon am nächsten Silvester schon wieder oder immer noch auf der Agenda stehen, könnte auch damit zu tun haben, dass uns Vornehmen wichtiger ist als Umsetzen.

An sich entspräche das einem leicht nachvollziehbaren und nur allzu verständlichen Antrieb, denn die Vorstellung darüber, Hosen künftig in den Regalen bis Größe 38 suchen zu können, ist

Meinung

allemal beflügelnder, als sich tatsächlich jeden Schokoriegel oder übrig gebliebenen Weihnachtskeks zu versagen. Wer also schon alleine deshalb keine Vorsätze mehr fasst, weil sie bisher Jahr für Jahr gescheitert sind, darf an der Stelle aufatmen. „Vornehmen lautet die Devise, nicht umsetzen“, denn die euphorisierende Phantasie einer bevorstehenden Bikinifigur sollten Sie sich nicht davon vermiesen lassen, dass es mit der Umsetzung noch nie so recht klappen wollte.

Selbiges gilt natürlich auch für überzeugte und hartgesottene Vorsatzverweigerer, denn sie berauben sich selber ebenfalls der elektrisierenden Freude einer bevorstehenden Illusion. Auch sie möchte ich beruhigen, denn es geht gar nicht ums Umsetzen, sondern um den Ehrgeiz des Vornehmens.

Wer noch Zweifel an dieser Sichtweise habe sollte, sei zur finalen Ermutigung zum Vorsatz,auf unser Strafgesetzbuch verwiesen, in dem es zum Thema Vorsatz heißt „…dazu genügt es, dass der Täter diese Verwirklichung ernstlich für möglich hält und sich mit ihr abfindet“. Also auch hier keine Rede von erfolgreicher Umsetzung.