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punktierte Linie

Mit dem Essen spielt man nicht

Von Nikoletta Zambelis | Ein Hauch von an einem Suprême aus an einem gefüllten Schnittlauchröllchen — klingt wie ein Witz, ist aber nicht lustig. Und macht nicht satt.

Kinder, die am elterlichen Mittagstisch Püree dekorativ auf den Fisch häufen, das Gemüse obenauf drapieren und mit dem Messer Muster in den Turm drücken, um der Sauce eine Rampe zu bauen, werden ermahnt, dass Essen kein Spielzeug ist. Im Wiederholungsfalle schickt man sie vom Tisch und verordnet ihnen Hausarrest. Machen Köche dasselbe, bekommen sie Sterne, Hauben und Ansehen.

Es steht außer Frage, dass bei Tisch auch das Auge mitisst und Abwechslung am Teller nicht nur gesund, sondern auch appetitanregend ist. Ebenso muss man den Meistern und Meisterinnen am Herd zugestehen, dass kreatives Werken in Pfannen und Töpfen dem Akt des Kochens eine freudvolle Note gibt und das nicht nur dann, wann man als Profi zugange ist.

Doch was dieser Tage in diversen, frisch gedruckten Restaurantführern in den kulinarischen Himmel gelobt wird, hat mancherorts weniger mit freudiger und schöner Darbietung wertvoller Lebensmittel zu tun, sondern erinnert an die Spielerei von Kindern, die mit allen Mitteln Aufmerksamkeit erregen wollen. Dass mikroskopisch kleine Tupfen unterschiedlicher Farben, mit der Pipette dekorativ am Tellerrand

Meinung

verteilt und mit ehrfurchtsvoller Stimme als Gemüsespiegel angepriesen werden, ist ja inzwischen schon ein alter Hut (um nicht zu sagen: eine alte Haube), ebenso wie ein Hauch von an einem Suprême aus an einem gefüllten Schnittlauchröllchen. Doch dieser und ähnlicher molekularer Spiele schon wieder überdrüssig, erdenken sich Herdmaestri inzwischen noch ausgefallenere Möglichkeiten, um Berühmtheit zu erlangen: Asche im Essen, beim Grillen ein No-Go, scheint der letzte Schrei zu sein, und weil wir gerade von Schrei reden, so reicht man Totenköpfe aus Schokolade nicht nur zu Halloween als Muss auf dem hochgelobten Pralinenteller.

Ob die Herren und Damen Küchenmeister auf diese Art und Weise auch wirtschaftlich überleben können, steht auf einem anderen Blatt, ebenso wie die Frage, ob sie ihre Gäste satt bekommen. Aber schön ist es allemal, und lustig, und sie spielen ja so nett — mit einem Grundbedürfnis, das Essen heißt, und mit Lebensmitteln, die ein hohes Gut darstellen.

Solange sie für das Spiel damit aber hochgelobt, anstatt vom Tisch geschickt werden, kann man eben auch keine Essmanieren von ihnen erwarten.