Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:25 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Blöde
Fragen

Von Nikoletta Zambelis | Wer der Redensart Glauben schenkt, es gäbe keine blöden Fragen, sondern nur ebensolche Antworten, darf sich hier eines Besseren belehren lassen.

Denn auf die gewerkschaftlichen Frage „Wollen Sie persönlich bei der Innsbrucker Shopping Night bis 23 Uhr arbeiten?“ kann ein Handelsangestellter nur mit Nein antworten, wenn er nicht für völlig meschugge gehalten werden möchte. Das verneinende Ergebnis dieser Umfrage dann als klaren Auftrag gegen die Shopping Night zu interpretieren, sagt mehr über die Qualität der Frage aus als über die Antwort und grenzt beinahe schon an Chuzpe.

Fragen wie diese sind daher, entgegen der landläufigen Meinung, es gäbe keine blöden Fragen, tatsächlich solche, weil sie die Antwort schon vorwegnehmen. Aus dieser Antwort dann eine wertvolle und valide neue Information ziehen zu wollen oder den Menschen damit eine Wahrheit zu verkaufen, ist ungefähr so unethisch wie die Frage: „Schatz, findest du, dass ich zu dick bin?“ Was soll Schatz darauf nun antworten? Hand aufs Herz, wer würde ein Ja wagen? Das diplomatische Nein erlaubt folglich dem Frager, auch weiterhin

Meinung

Schokolade und Knödel mit Saft zu futtern, bis…

Das überwiegende Nein auf die Frage der Gewerkschaft zur Shopping Night hat demnach dieselbe Aussagekraft, nämlich keine oder bestenfalls die falsche. Die Verneinung wird die Shopping Night nicht verhindern, künftig aber die Angestellten frustrieren, denn wozu fragt man sie schließlich, wenn sich danach eh nichts ändert. Hätte man nicht nur einen polemische Schlagzeile erzeugen, sondern den Handelsangestellten wirklich helfen wollen, so hätte die Frage lauten müssen: „Unter welchen Umständen wären Sie persönlich bereit, bei der Shopping Night bis 23 Uhr zu arbeiten?“ Aber so intelligente Fragen stellt man wohl nicht, weil man die blöden Antworten dazu nicht bearbeiten möchte.

Da stellt man schon lieber mit System blöde Fragen, wie zum Beispiel „Wollen Sie ein höheres Gehalt verdienen?“ und klopft sich vor Freude über ein mehrheitliches Ja auf die Schenkel.