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punktierte Linie

Von Bären, Enten
und Schlangen

Von Nikoletta Zambelis | Sautens im Ötztal hat sich mit dem Foto eines Bären, der sich in der Gegend aufgehalten haben sollte, einen Bären aufbinden lassen.

Nachdem alle Instanzen über die zoologische Besonderheit informiert worden waren und die Medien von der Sensation berichtet hatten, entpuppte sich die gesamte Geschichte als eine Ente. Nicht nur der arme Bürgermeister der Gemeinde brauchte für den Spott nicht mehr zu sorgen, der sich umgehend und ganz von selber einstellte. Geglaubt haben die Meldung schließlich viele, wie das halt so üblich ist, wenn es sogar in der Zeitung steht.

Glücklicherweise ging es dieses Mal nur um einen Bären, der halt am Ende doch nicht da war, ein Schaden also, den man wird verkraften können. Doch das Beispiel lehrt uns, wie schnell sensationelle Meldungen ihren Lauf nehmen, mit hohem Tempo in der Welt ankommen und dort von allen geglaubt werden. Schlangen, die mit doppelter Zunge sprechen, machen sich dieses Phänomen nicht nur bei Bären zunutze, um noch ganz andere „Tatsachen“ zu verbreiten. So entstehen dann „Wahrheiten“ über Menschen, Nationen und Märkte, über gut und böse, über richtig oder falsch, mit denen wir unserem Umfeld begegnen, wählen gehen und Entscheidungen treffen. Wären im Ötztal schon die Jäger

Meinung

aufmarschiert, um das Tier zu suchen, gäbe es heute noch mehr Spott. Doch wie sieht es mit unserem eigenen täglichen Jagdverhalten und dem daraus resultierenden Schaden im Falle anderer Enten aus?

Müsste uns das Beispiel nicht weiters lehren, wieder kritischer zu werden, Informationen mehrfach zu prüfen und abzuwägen, bevor wir unsere Jagdgewehre schultern und zum Halali auf wen oder was auch immer zu blasen? Wer Informationen in die Welt setzt und verbreitet übernimmt damit auch eine meinungsbildende Verantwortung, die mit der ständig steigenden Zahl an Informationsmedien zwangsläufig zunimmt. Jedes Posting, Like oder Share auf Facebook kann so zur Waffe werden, jedes Zitat aus Medien, egal wie seriös sie sein mögen, kann so katastrophalen Schaden anrichten. An diese Verantwortung sollte uns alle der Bär oder die Ente oder die Schlange, die das Ganze in die Welt gesetzt hat, wieder einmal erinnern. Und nur weil etwas in der Zeitung steht, muss es nicht zwangsläufig stimmen. Selbst dann, wenn es im Zauberspiegel zu finden war, sollten Sie es besser noch einmal hinterfragen.