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Und irgendwann bleib i dann dort

Von Nikoletta Zambelis | Möglicherweise standen die Sterne noch nie so gut, der alten STS-Schnulze zu folgen, wie gerade in dieser Woche.

Zauberspiegel bietet ihnen daher exklusiv und nur jetzt die drei besten Ausreden, um Ihren Griechenlandaufenthalt nicht beenden zu müssen.

1.) Chef, leider kann ich erst frühestens in zehn Tagen wieder an meinem Arbeitsplatz sein. Die Fähre/das Flugzeug/der Bus (bitte Gewünschtes ankreuzen) bekam keinen Sprit.

2.) Schatz, ich komme nicht einmal bis zum Flughafen, die Taxifahrer/Busfahrer/Metrofahrer (bitte Gewünschtes ankreuzen) streiken.

3.) Lieber Herr Reiseveranstalter, wir müssen unseren Aufenthalt hier um eine Woche verlängern, weil das Hotel dringend unser Bargeld/unsere moralische Unterstützung/zusätzliche Auslastung (bitte Gewünschtes ankreuzen) benötigt. Bitte buchen Sie unseren Flug um.

Sollten Sie mit keiner dieser Ausreden durchkommen, von Ihrem Chef/Schatz/Reiseveranstalter sogar ausgelacht werden und sich unverstanden fühlen, dann geht es Ihnen so, wie es jetzt vermutlich zehn Millionen Griechen geht.

Wie die in diese missliche Lage gekommen sind, ist ausführlich aber bei weitem nicht vollständig analysiert und diskutiert worden. Die Gründe warum wir irgendwann für immer dort bleiben wollten, lagen nämlich genau in den Stärken, die

Meinung

man ihnen nun zum Vorwurf macht. Gelassenheit, runter vom Gas, ist es nicht heute, dann ist es halt morgen, easy going eben. Griechenland ist mit seinen Tavernen, dem omnipräsenten Chaos, und den Verspätungen zum Symbol für ein entspanntes, angenehmes Leben geworden. Wie kann es uns jetzt ernsthaft überraschen, dass der Umgang mit dem Staatshaushalt, den Steuern und der Schuldentilgung im gleichen Modus erfolgt?

Wenn nun Staatshäupter und Wirtschaftsexperten in schöner Einigkeit Griechenland mit erhobenem Finger tadeln, sollten sie sich fragen, ob hier nicht von Anfang an utopische und unerfüllbare Erwartungen im Spiel gewesen sind. Niemand käme schließlich auf die Idee, einen Fischer in ein Flugzeugcockpit zu setzen, oder einen Bankdirektor als Wirt in eine Taverne. Doch von unseren griechischen Gastgebern hat man sich nie da gewesene preußische Genauigkeit und schottische Sparsamkeit erwartet, vor der wir ganz bewusst geflohen sind, wenn wir in Griechenland die Füße in den weißen Sand steckten.

Dass nun zehn Millionen Griechen die (europäische) Welt nicht mehr verstehen, ist unter dem Aspekt nachvollziehbar. „Bade mich aber mach mich nicht nass“ scheint dazu jedoch die Devise von Rest-Europa zu sein, oder um es auf die griechische Situation umzumünzen: „Bade mich in der Ägäis, und werde selber nass, wenn wir wieder abgereist sind“.