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Öffentlicher Schutz für private Party

Von Nikoletta Zambelis | Warum ist die unter hochnotpeinlicher Geheimhaltung abgehaltene Bilderberg-Konferenz ein Fall für die öffentliche Sicherheit?

In Telfs wird dieser Tage eine elitäre Runde tagen, von der man weder weiß, wer genau ihr angehört, noch was genau sie vorhat. Nun leben wir in ein einem freien Land und jeder kann tagen, mit wem, wann und wo er will. Und jeder darf auch frei entscheiden, welchen Inhaltes eine solche Tagung sein könnte und ob dieser öffentlich wird oder geheim bleibt. Aber nicht jeder benötigt für diese Freiheit den maximalen Sicherheitsapparat der öffentlichen Hand. Die Bilderberg-Konferenz bildet hier jedoch eine seltsame Ausnahme.

Die Gruppe der Bilderberger, wie die Teilnehmer und Teilnehmerinnen (so es denn weibliche überhaupt gibt) auch genannt werden, besteht angeblich aus der „Elite der westlichen Welt“, was erklären könnte, warum die Angst um die handelnden Personen Telfs und Umgebung in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt. Gleichzeitig hat die Konferenz weder einen offiziellen Auftrag, noch wurden ihre Teilnehmer demokratisch in das Gremium entsandt, und die Tagesordnung der Veranstaltung bleibt ebenfalls geheim. Es könnte also durchaus sein, dass sich die selbsternannten Granden, allen Verschwörungstheorien zum Trotz, zu einem banalen Golfwochenende treffen, das nur deshalb in Telfs stattfindet, weil man am eigenen Anwesen gerade die Maler hat.

Wenn nun aber die gesamte „Konferenz“ unter diesem gänzlich internen Stern steht, dürfte es

Meinung

sich wohl eher um eine private Veranstaltung handeln als um eine des öffentlichen Interesses und Nutzens. Da drängt sich doch die Frage, auf, warum dann die öffentliche Hand den Sicherheitsrahmen für ein privates Treffen stellen soll. Kritisch könnte man dem entgegnen, dass schließlich jede Demonstration zugunsten oder gegen jegliches politische, religiöse oder sonstige Anliegen, ebenfalls auf private (wenn auch weniger elitäre) Initiativen zurückzuführen ist, und dennoch ein Anrecht auf öffentlichen Schutz genießt. Nun ja, das ist wohl war, doch bei einer Demo gilt eine allgemeine Teilnahmemöglichkeit, das Ziel ist klar und die Teilnehmer sind offensichtlich. Oder anders ausgedrückt: Im stillen Kämmerchen und ohne Angabe einer Agenda demonstriert es sich halt schwer. Mit dem bewussten Schritt in die Öffentlichkeit wird die Veranstaltung öffentlich und steht somit auch unter öffentlichem Schutz.

Sollen also die Bilderberger in den Genuss desselben öffentlichen Schutzes kommen, so müssen sie sich schon über die Schultern schauen lassen und ihre elitäre Intimität aufgeben. Wenn das jedoch nicht vorgesehen ist (über die Gründe dafür wollen wir jetzt nicht auch noch spekulieren), dann mögen sie sich doch bitte nicht im öffentlichen Raum treffen, sondern auf dem Anwesen des Elite-Nachbarn. Dort bliebe man ebenfalls schön unter sich und es bedürfte maximal einiger Bodyguards, die aus der eigenen Portokassa bezahlt werden können.