Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:30 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Opposition
verpflichtet

Von Nikoletta Zambelis | Geht man der Bedeutung des Wortes Opposition auf den Grund, darf es eigentlich nicht wundern, dass sich Regierungsparteien mit ihren Oppositionen auf keinen gemeinsamen Nenner einigen können. Es ist schlicht deren Kernaufgabe, entgegengesetzter Meinung zu sein.

Der Name ist Programm, denn das aus dem Lateinischen stammende oppositio bedeutet nicht mehr und nicht weniger als „Das Entgegengesetzte“. Wenn kann es da also wundern, dass Mitglieder oppositioneller Gruppierungen ihrem Auftrag gerecht werden, das Entgegengesetzte zu denken und zu verteidigen. Was aufs erste Hinschauen recht einfach zu handhaben scheint, nämlich zu allem schlicht Nein zu sagen oder eine gepflegte „Ich bin dagegen“-Haltung einzunehmen, ist auf den zweiten Blick ein knochenharter Job.

Man stelle sich nur vor, Mitglied der amtierenden Opposition zu sein und alle Ansätze zur Steuerreform der Regierungspartei unpassenderweise superb zu finden. Vermutlich stünde das Überleben in den eigenen Reihen auf dem Spiel, gäbe man seine echte Überzeugung preis. Also muss man, will man sich nicht selber opfern, krampfhaft und wider die eigene Meinung eine entgegengesetzte Haltung entwickeln, verinnerlichen und, wenn es blöd hergeht, auch noch öffentlich vertreten. Als Dank dafür darf man sich dann von der Regierungspartei, den Medien und der Bevölkerung dafür beschimpfen lassen,

Meinung

dass man Kompromissbereitschaft oder Zugeständnisse schmerzlich vermissen lasse und ein Verhinderer sei, dem jeglicher Wille zur gemeinsamen Arbeit fehle. Die Welt ist ungerecht.

Wie will man also von Menschen, die die Berufsbezeichnung „Opposition“ tragen, Zustimmung und Entgegenkommen verlangen? Das wäre beinahe so, als erwarte man von Marketingexperten Bescheidenheit, von Chirurgen homöopathisches Wegmassieren einer Blinddarmentzündung oder von Diätköchen Rezepte für Schweinsbraten und Grammelknödel. Für sie alle gilt, dass sie, sofern sie ihren Berufsstand ernst nehmen, schwerlich und wenn, dann nur in besonders begründeten Ausnahmefällen, eine Haltung einnehmen können, die ihrem eigenen Handwerk entgegensteht.

Sucht man also bei der Oppositionspartei konziliantes Verhalten, darf man ihr eben nicht das Berufsschild Opposition umhängen. Mit „Ergänzungspartei“ oder „Prüfungspartei“ bekämen die Aufgaben ihrer Mitglieder schlagartig einen anderen Inhalt, denn der Name bliebe immer noch Programm.