Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 2:15 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Die Seele ist
nicht feuerfest

Von Nikoletta Zambelis | Neulich hat der Vilser Pfarrer verkündet, dass die Seele im Falle der Kremation nicht auferstehen könne. Damit stellt sich Pfarrer Bader — nicht etwa am Stammtisch, sondern in einem zumindest offiziösen Organ wie dem Pfarrbrief — nicht nur gegen eine stetig wachsende Mehrheit der Bevölkerung (das wäre in der katholischen Kirche nichts Neues), sondern vor allem auch gegen die längst ganz offiziell geübte und erlaubte Praxis der Kirche.

Die Verbrennung eines Leichnams ist demnach immer noch nicht gerade die Lieblingsmethode der Kirche, dahingeschiedene Seelen in die Ewigkeit zu verabschieden, sie ist aber nicht mehr verboten.
Aber gut, tun wir uns die Mühe an und denken einmal weiter, was der fromme Außerferner Mann da von sich gegeben hat. Wie ist das denn nun? Ist die Seele unsterblich und bedarf der körperlichen Hülle gar nicht — oder hängen Körper und Seele doch engstens zusammen, wenn die Verbrennung der Hülle einen so eklatanten Schaden an der Seele anrichten kann? Dass es nicht nur im weltlich-politischen sondern auch im klerikalen Kontext passieren kann, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt, ist einerseits zwar tröstlich, doch anderseits auch wieder bedenklich. Immerhin glauben vermutlich weitaus mehr Menschen an die Auferstehung der Seele als an die Unfehlbarkeit von Welt und Politik. Das wird sich auch in der Gemeinde Vils nicht anders verhalten. Und genau dieser Glaube müsste nun massiv ins Wanken geraten, hätte Pfarrer Baders Haltung nicht glücklicherweise ein paar gravierende Schönheits- bzw. Denkfehler:

Die Seele braucht also angeblich einen Körper, um auferstehen zu können, oder, wie eine herbeigerufene Vorarlberger Seelenschauerin bestätigt, um rasch ihren Frieden zu finden. Nüchtern betrachtet und in Ermangelung befragbarer Zeugen stellt sich doch die Frage, wie viel Körper für diese Gnade letztlich vorhanden sein muss. Denn all jene guten Menschen, die ihre Organe nach dem Ableben als Transplantate zur Verfügung stellen, sollte die Kirche umgehend

Meinung

warnen, dies künftig nicht mehr zu tun — es könnte das Seelenheil massiv gefährden, nicht im Ganzen beerdigt zu werden.

Denken wir das weiter, müssten entflammbare Gegenstände aller Art entweder sofort untersagt oder auf den kirchlich letzten Stand der Dinge gebracht werden, geschieht es doch bedauerlicherweise immer wieder, dass Menschen in unterschiedlichen Kontexten von Flammen ihres Lebens beraubt werden. Was können deren Seelen allerdings dafür, wenn der Nachbar rauchend im Bett einschläft oder jemand anderer als Geisterfahrer die Heimfahrt antritt?

Und weil gerade Aschermittwoch war: Zu behaupten, dass „Asche zu Asche“ gehöre, dürfte dann nicht mehr opportun sein. Asche ist nun einmal eindeutig das Ende eines Verbrennungsvorganges und nicht von Verwesung. Die Fortsetzung: „Staub zu Staub“? Kann bleiben, bis der Körper zu Staub zerfallen ist, wird die Seele ja wohl hoffentlich den Weg in den Himmel gefunden haben!

Die Absurdität von Baders Vorstoß zurück in die Vergangenheit wird zu guter Letzt noch darin deutlich, dass sich folgerichtig die Psychotherapeuten mit den Physiotherapeuten zu einer einzigen Berufsgruppe verschmelzen müssten. Alles andere wäre fahrlässig. Doch diese Art von Häresie sollte eigentlich die Standesvertretungen der betroffenen Therapeuten auf den Plan rufen. Und nicht irritierte Gläubige oder die Stellvertreter Gottes auf Erden.