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Versprechen oder versprechen?

Von Nikoletta Zambelis | AUA-Chef Jaan Albrecht tut es schon wieder: Er bekennt sich klar zum Standort Innsbruck. Das ist erfahrungsgemäß ein Grund, sich Sorgen zu machen.

Wenn Manager etwas ankündigen, ist daraus nicht automatisch ableitbar, ob sie tatsächlich etwas ernst zu nehmendes versprechen, oder ob sie sich ganz einfach — versprechen. Als sich der Vorstandsvorsitzende von Austrian Airlines, Jaan Albrecht, im Herbst 2012 klar zum Tyrolean Standort in Innsbruck bekannte und sogar Erweiterungen ankündigte, klang das in den Ohren der Öffentlichkeit und jenen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie ein Versprechen. Als wenige Monate später kommuniziert wurde, dass die 100 Arbeitsplätze der gesamten Administration in Wien angesiedelt werden würden, war auf einmal schmerzlich klar: Da hatte sich wohl einer versprochen. Zwischenzeitlich ist die gesamte Tyrolean-Administration Geschichte, und nun tut Albrecht es wieder: Er bekennt sich klar zum Standort Innsbruck. Zu Recht müssen sich die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun fragen: Ist das nun versprochen oder hat er sich schon wieder versprochen?

Die Methode, die schon fast einem Judas-Kuss gleich kommt, ist freilich nicht neu. So versicherte einst schon einer der beiden früheren Austrian-Vorstände, Mario Rehulka, dass man nicht im Traum daran denke, den profitablen und effizienten Betrieb der Tochter Tyrolean anzurühren. 2001, kurz nach dem Sager, war er Geschichte und mit ihm zentrale Funktionen der vorständlich geküssten Tyrolean leider auch. Zahlreiche Arbeitsplätze wurden nach Wien verlagert und etliche Innsbrucker

Meinung

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Golden Handshakes verabschiedet. Auch die Aussage des späteren Vorstandes Alfred Ötsch, die Tyrolean sei die Perle im Konzern, schien den Betriebsrat des kaufmännischen und technischen Personals der National-Airline erst so richtig zum Halali auf unterstellte Doppelgleisigkeiten und ein angebliches Paralleluniversum in Innsbruck blasen zu lassen. Unvergessen natürlich auch der Kuss von Ötsch, der da schmatzte: „Die AUA ist saniert“. Kurz darauf mündete der Knutschfleck in den staatlich zu stützenden Verkauf der Austrian an die deutsche Lufthansa.

Und selbst als der jetzige Konzernvorstand Albrecht die Stärken und Vorzüge der Tyrolean endlich zu erkennen schien und den Austrian-Flugbetrieb zur Tyrolean übergehen ließ, war das, im Rückblick betrachtet, der Anfang vom Ende der beinahe 35 Jahre andauernden Erfolgsgeschichte der Airline.

Weder den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, noch dem Erfolgsunternehmen, ja noch nicht einmal der Sanierung der Mutterfirma AUA nützt es da noch, wenn Flugzeuge, wie zu einer späten Ehre, auf Tiroler Namen getauft werden. Und es mutet besorgniserregend und beinahe zynisch an, wenn sich Albrecht im Zuge eines solchen Aktes zum Standort Innsbruck bekennt. Denn versprochen wurde von Austrian Airlines schon viel — und versprochen hat man sich wohl ebenso oft.