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Die Phasen
des Schneefalls

Von Nikoletta Zambelis | Winterliche Niederschlagsprognosen und ihre (Nicht-)
Erfüllung sind stets für eine Beschäftigung gut.

Selbst wenn es vordergründig oberflächlich anmuten mag, sich über das Wetter auszulassen, so haben Schneefälle in all ihren Phasen doch das Potenzial, für Gesprächsstoff und Beschäftigung zu sorgen.

Spätestens Anfang Dezember beginnt jene Phase, die geprägt ist von Spekulationen über ein mögliches oder eben unmögliches White Christmas. Erinnerungen daran, wie es letztes, vorletztes und vorvorletztes Jahr war, werden begleitet von Aussagen wie „Tja, die Klimaerwärmung“. Im Wesentlichen ist diese Phase geprägt von der Enttäuschung über grüne Wiesen und der zum Ausdruck gebrachten Überzeugung, dass es keine echten Winter mehr gibt.

Wie bei kaum einer anderen Niederschlags-Prognose werden dann Ankündigungen über tatsächlichen Schneefall von so gut wie niemandem ernst genommen. „Naja, oben vielleicht, aber in der Stadt….“ entspricht in dieser Phase Nummer zwei einer ebenso geläufigen Abhandlung wie die Überzeugung konsequenter Sommerreifenfahrer, die da lautet: „Auch wenn Schnee kommt, bleibt er sowieso nicht liegen.“

Und da man Wetterfröschen bekanntlich eh nicht trauen kann, schlittern (im wahrsten Sinn des Wortes) dann die meisten unvorbereitet und ungläubig überrascht in die Phase Nummer drei des Schneesfalls, in der er dann tatsächlich fällt und liegen bleibt, der Schnee, und allerorts für Chaos sorgt. Straßenräumdienste sind dann entweder

Meinung

planlos oder, als Ergebnis der Phase zwei, im Urlaub. Mancher Autofahrer, vermutlich auch in Phase zwei hängen geblieben, hängt nun dank seiner Sommerreifen, auf der nächsten Anhöhe fest. Dank ihm bedauerlicherweise auch jene, die sich rechtzeitig gewappnet hatten. Zu guter letzt trifft es in Phase drei auch immer zumindest einen Flughafen, der völlig verdattert seiner Pistenräumung oder Flugzeugenteisung gegenübersteht. Ausgefallene Flüge zählen dann selbst bei geringen Mengen Neuschnee ebenso zum Standard, wie zu spät am Flughafen eintreffende Passagiere, die Opfer schneegebremster Öffis wurden.

Kaum ist dann das gröbste Chaos beseitigt und braun-schwarze Schneehügel verengen die Straßen, startet die Phase vier, in welcher lautes Bedauern über das Dahinschmelzen der weißen Pracht, den Dreck in den Straßen und den falschen Zeitpunkt des Schneefalles zu vernehmen sind. „Eine Woche früher hätte er fallen sollen“, hört man heuer, „Jetzt brauchen wir in ihn auch nicht mehr!“ heißt es sonst im März.

Schneefall sorgt also in all seinen Phasen für intensive Beschäftigung, doch so gut wie nie erscheint sie angemessen. Denn eines scheinen wir noch nicht gelernt zu haben: Auch wenn wir Schnee nicht zu Weihnachten bestellen oder exakt voraussagen können, gekommen ist er immer noch. In unserer Alpenregion täten wir daher gut daran, das zu akzeptieren und uns zumindest mit Umsicht in der Phase drei zu beschäftigen.