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Gibt es ein Leben danach?

Von Nikoletta Zambelis | Ob es ein Leben nach Weihnachten gibt, scheint alles andere als gesichert. Jenes davor ist deshalb von einer absurden Hektik geprägt.

Wer jetzt noch einen geschäftlichen oder privaten Termin vor Weihnachten vereinbaren kann, scheint ein rechtes Glückskind zu sein. Die meisten Bemühungen um ein vorweihnachtliches Zeitfenster werden derzeit mit einem hektischen „Tut mir echt leid, aber das geht sich erst nach Weihnachten wieder aus!“ beantwortet. Doch der Alternativen suchende Blick in den Kalender führt einen rasch zur Frage: „Gibt es ein Leben nach Weihnachten?“

Nicht nur weihnachtsbedingte Aktivitäten führen dazu, dass vor dem Heiligen Abend allerorts eine Geschäftigkeit ausbricht, die vermuten ließe, es könnte danach kein Leben mehr geben. Dinge die schon das ganze Jahr ihrer Erledigung harren, müssen just jetzt vor Weihnachten noch vom Tisch. Treffen, die man schon das ganze Jahr vor sicher her schiebt, versucht man mit Gewalt noch vor dem Fest unterzubringen. Kein Wunder also, dass die Menschen gestresst und gehetzt durch die ruhigste Zeit im Jahr hasten. Andererseits, was bleibt einem anderes übrig? Denn selbst jene, die versuchen, sich gegen die Haltung „Danach gibt’s kein Leben mehr“ zu stemmen, müssen feststellen, dass das routinemäßige Gesellschafts- und Geschäftsleben tatsächlich nach Weihnachten zum Erliegen zu kommen scheint.

In einem Jahr wie dem heurigen geht dieser

Meinung

Ausnahmezustand sogar schon am 22. Dezember los. Mit zwei elegant liegenden Fenstertagen rettet man sich bis zum Heiligen Abend, um von den darauf folgenden Feiertagen bequem ins Wochenende geführt zu werden. Und dann wegen lächerlicher zwei vollwertiger Arbeitstage die Maschinerie im alten Jahr noch einmal hochzufahren, ist ebenso sinnlos, wie am 2. Jänner, der ein Freitag ist, noch einen Finger krumm zu machen. Zumal ja der 6. Jänner auf einen Dienstag fällt, dessen vorangehenden Montag man schließlich auch nicht übertrieben aktiv anpatzen muss. Die so verkürzte erste Arbeitswoche im Jänner geht also mit einem Mittwoch los, der nach der langen Abwesenheit von Kollegen und Bürotratsch mit wenig Produktivem gefüllt sein wird. So bleiben dann noch Donnerstag und Freitag einer Woche, die eh schon so komisch angefangen hat, also braucht man sich jetzt auch nicht mehr unheimlich ins Zeug legen. So ähnlich wie bei der nicht begonnenen Montagsdiät, die dann auch am darauffolgenden Donnerstag noch niemand begonnen hat.

In anderes Worten: Das Leben rund um das heurige Weihnachten liegt nahezu drei Wochen lang brach. Kein Wunder also, dass man sich jetzt noch besonders beeilen muss, alles unterzubringen, was einem wichtig erscheint. Denn ein Leben danach gibt es wohl erst wieder Mitte Jänner.