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Zwangs-
Be-Werbung

Von Nikoletta Zambelis | Mein Tourismusverband weiß, was gut für mich ist.

Ich muss beworben werden, das ist klar. Als Unternehmerin kann ich es mir gar nicht leisten, unbeworben durchs Geschäftsleben zu straucheln und darauf zu hoffen, dass vielleicht einmal jemand zufällig auf mich aufmerksam wird. Ergo überlege ich mir meinen Auftritt, meine Botschaft und die Medien, die dafür nützlich wären. Will ich meine Marktpräsenz von Profis pflegen lassen, gibt es eine Reihe von Anbietern, mit denen man diesbezügliche Kooperationen eingehen und auch wieder beenden kann.

Einer dieser Anbieter ist mein Tourismusverband, der messerscharf erkannt hat: Mir muss werblich geholfen werden. Damit mir das auch ja nicht entfällt, ist das Werbeangebot sicherheitshalber in Gesetz gegossen und auch gleich mit einem Preisschild versehen. Das Und weil mein Tourismusverband weiß, was gut für mich ist, lässt er mich auch nicht mehr von der Angel. Anders als andere Marketingkooperationen, ist die Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband ein Bund fürs (Unternehmer-)Leben. Bedauerlicherweise unterscheidet sich diese Verbindung in zwei weiteren, nicht unwesentlichen Punkten von einer marktüblichen Werbebeziehung: Zum einen bestimme den Inhalt der Werbebotschaft nicht ich, sondern mein Tourismusverband. Denn immerhin wird hier in einer Breite und mit einer Marke agiert, die den Horizont meines

Meinung

Kleinunternehmens schlicht übersteigen würde. Und zum anderen, falls ich es noch nicht erwähnt habe, bin ich gar nicht im Tourismus tätig. Doch das Gesetz will es so, dass das keine Rolle spielt, und schlicht jedes Unternehmen unter die Fittiche des Tourismusverbandes zu schlüpfen hat.

Derart zwangsbeglückt harre ich also der Dinge oder vielmehr der Kunden, die in fremden Märkten für Innsbruck und seine Feriendörfer so begeistert werden sollen, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, als anzureisen und an meine Tür zu klopfen.

Beim letzten Screening meiner Marketingaktivitäten musste ich jedoch feststellen, dass die Maßnahme „Tourismusverband“ noch nicht eine Anfrage erzeugt hat. Nun, ich gebe ja gerne zu, man weiß bei Werbung nie so ganz genau, welcher Teil wirkt und welcher nicht. Doch, lieber Herr Tourismusverband, wenn ich die Steigerung meines Bekanntheitsgrades auf dem englischen, russischen, italienischen oder japanischen Markt oder gar in einem weit entfernten Tiroler Haus noch einmal in Angriff nehmen möchte, dann melde ich mich wieder bei Ihnen, versprochen. Bis dahin möchte ich jedoch unsere Zusammenarbeit beenden, und mich einem Profi zuwenden, der ein für mich maßgeschneidertes Paket schnürt und den ich jederzeit wieder verlassen kann, wenn genug geworben wurde.