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P(r)ost
Mahlzeit!

Von Nikoletta Zambelis | Irgendwann wird der letzte Österreicher, der verrückt genug ist, eine Briefmarke zu kaufen, dafür den Preis einer Blauen Mauritius hinblättern müssen.

Die Post hat angekündigt, ihre Preise erhöhen zu müssen und begründet diesen Schritt mit gestiegenen Kosten und gesunkener Nachfrage. Offensichtlich vertraut man mit dieser Argumentation auf die Vergesslichkeit des Steuerzahlers und auf die weit verbreitete Aversion gegen Mathematik.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass das systematische Schließen von Postämtern und die Auslagerung des Postschalters an branchenfremde Partner die Gemüter erhitzte, sowohl die der Angestellten als auch die der Kunden. Das alles erklärende Killerargument für diese Maßnahme lautete: Die Kosten müssen gesenkt werden. Ist sie wieder da, die Erinnerung? Laut aktueller Begründung der Post sind die Kosten nun allerdings gestiegen. Das lässt ja wohl nur zwei alternative Schlüsse zu. Entweder hat man die falsche Entscheidung getroffen, weil Postpartner noch teurer produzieren als die Post selber. Oder aber das Argument der gestiegenen Kosten ist schlichtweg nicht wahr.

Doch lassen wir das für einen Moment so stehen, und wenden uns der sinkenden Nachfrage zu.

Meinung

Im Zeitalter der elektronischen Post und des weit entfernten Postpartners dürfte es nicht allzu überraschend sein, dass die Nachfrage an den Diensten der Post immer geringer wird. Die meisten anderen Branchen würden darauf mit Aktionen, Preissenkungen, Schnäppchen etc. reagieren. Kaum vorzustellen, dass ein Hotel zu nachfrageschwachen Zeiten die Preise anheben würde. Die Post jedoch ist selbstbewusst genug, die Gesetze von Angebot und Nachfrage außer Kraft zu setzen und durch das einfache Modell der Divisionskalkulation zu ersetzen. Dieses besagt, dass man seine Kosten nicht versucht zu senken, sondern sie ganz einfach durch die Nachfrage dividiert und so zum Stückpreis kommt. So erhält man dann bei hoher Nachfrage geringere Stückkosten und bei niedriger Nachfrage eben höhere.

Das Modell ist simpel und wälzt das Ergebnis der Division immer auf den Kunden ab. Und da die Kunden der Post ja immer weniger werden, wird der allerletzte Österreicher der verrückt genug ist, sich eine Briefmarke zu kaufen, dafür irgendwann wohl etliche Millionen hinlegen müssen. P(r)ost Mahlzeit.