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Touristen sind Menschen

Von Nikoletta Zambelis | Gäste sollten sich in Tirol Gastgeber erwarten dürfen, die sich ihrer Verpflichtungen bewusst sind.

Wenn in Tirol (und vermutlich in ganz Österreich) von Tourismus gesprochen wird, zitiert man in erster Linie Zahlen, Statistiken und gute Vermarktungsideen. In zweiter Lesung werden uns schöne Bilder von Bergen, Seen und anderen geographischen Besonderheiten mit einem Stolz präsentiert, der vermute ließe, wir hätten die Bergketten eigenhändig aufgeschichtet, die Seebecken höchstpersönlich ausgehoben und sie selber mit klarstem Bergwasser befüllt.

Doch nur sehr selten wird von den Menschen hinter dem Tourismus gesprochen. Wie uns das Lexikon lehrt, lautet sein terminus technicus Tourist, der darüber hinweg zu täuschen scheint, dass es sich um Menschen handelt, die wir derart einladen.

All die schönen Plakate, Marketingstrategien und Werbemillionen laden Menschen unterschiedlicher Nationalität, Hautfarbe, Religion und sozialer Hintergründe zu uns ein. Und wenn sie dann endlich da sind, unsere Gäste, dann sind wir am Ende unseres Lateins oder vielmehr unseres Englisch oder unserer Toleranz. Dann wird’s auf einmal nicht nur still um unsere gastgeberischen Qualitäten, sondern allenthalben peinlich laut. Nämlich dann, wenn z.B. ein dunkelhäutiger Künstler von einer Taxifahrt ausgeschlossen wird. Oder wenn eine

Meinung

Hilfe suchende und offensichtlich dem islamischen Glauben angehörende Kundin der Innsbruck Info statt Antworten die Belehrung bekommt, sie hätte sich halt früher überlegen müssen, was sie besichtigen möchte.

Vielleicht schreit jetzt die engagierte Wirtin einer Frühstückspension in einem Seitental, die mit Herzblut Gastgeberin ist, empört auf. Bei ihr entschuldige ich mich natürlich aufrichtig. Doch außerhalb dieses Tales scheint es sich noch nicht flächendeckend durchgesprochen zu haben, was eine ausgesprochene Einladung konsequenterweise bedeutet. Gastgeber zu sein setzt eine Haltung voraus, die sich nicht durch Berge, Seen oder Speisekarten kompensieren lässt. Vielmehr beinhaltet sie die Bereitschaft zu Dienstleistung, Toleranz und warmer Offenheit, und hat nichts zu tun mit Ausgrenzung, Belehrung, Besserwisserei oder Überheblichkeit. Wenn wir diese Haltung nicht aufbringen können (oder wollen), dann lassen wir die Sache mit dem Tourismus besser wieder. Was dann aus uns wird, steht zwar auf einem anderen Blatt (oder in einer anderen Kolumne), aber dann bleiben wir wenigstens wieder unter uns und können unsere eigenbrötlerische „Mia sein mia“-Haltung weiter pflegen. Weil’s woa isch!