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Was der Neue können muss

Von Nikoletta Zambelis | Politiker oder Finanzexperte: Was sollte die Kernkompetenz eines Finanzministers sein?

Der Rücktritt von Finanzminister Michael Spindelegger warf natürlich postwendend Überlegungen zu seiner Nachfolge auf. Anders als zu seinen Funktionen als Vizekanzler und Parteivorsitzender, wo die Antwort schnell gefunden war, dümpelt die Besetzung des Amtes des Finanzministers vor sich hin. Das G’riss um die Funktion scheint sich in Grenzen zu halten, was angesichts der anstehenden Aufgaben als höchster Kassier im Staat irgendwie nachvollziehbar ist.

Nicht nur, aber auch deswegen dürfte wohl die Frage aufgetaucht sein: Muss der Finanzminister ein Finanzexperte oder ein Politiker sein? Die Auskunft aus ehemaligem Ministermund: Er muss Politiker sein. Das ist doch einigermaßen überraschend. Da stehen dringende Steuerreformen und Entlastungen an, die Folgen des Hypo-Desasters sind erst noch zu finanzieren, Schulden an allen Ecken und Enden, doch Politiker zu sein ist wichtiger, als sich bei Finanzen auszukennen. In anderen Worten: Netzwerken, diplomatische Verhandlungen und öffentliches Polemisieren wiegen schwerer als finanzmathematische Fähigkeiten.

Abgesehen davon, dass diese Überlegung ex post noch ein interessantes Bild auf die Kompetenzen

Meinung

früherer Finanzminister wirft, stellt sich zusätzlich auch die Frage, welche Fähigkeiten das Großunternehmen Staat in Fragen der Personalbesetzung hat. Natürlich ließe sich die auch bei sämtlichen anderen ministeriellen Personalrochaden stellen, doch speziell beim Ressort Finanzen wird die Pikanterie gleich ziemlich deutlich: Legen wir dieselbe Vorgehensweise auf ein x-beliebiges anderes Unternehmen um: Da wird ein Finanzvorstand, ein Controlling-Chef oder ein Treasurer gesucht, und im Stelleninserat steht zu lesen: „Idealerweise bringen Sie diplomatisches Geschick mit und kennen sich in politischen Zusammenhängen aus.“ Keine halbwegs verantwortungsbewusst agierende Firma würde so rekrutieren. Es sei denn, sie kann es sich finanziell leisten, eine solche Schlüsselfunktion mit einer leicht steuerbaren Galionsfigur zu besetzen, anstatt mit einer Koryphäe auf dem Gebiet.

Und da es sich das Unternehmen Österreich mit Sicherheit nicht leisten kann, einen reinen Profi in Sachen Politik als Finanzvorstand einzusetzen, müssten die gesuchten Kernkompetenzen lauten: „Sanierungsqualitäten, nachweislich erfolgreich durchgeführte Finanzierungen, analytische Stärken. Die Beherrschung der Grundrechnungsarten setzen wir voraus.“