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Der Song Contest und das Erhabene

Von Nikoletta Zambelis | Innsbruck als Austragungsort für den Eurovision Song Contest – ist das sinnvoll?

Die Frage, ob es Innsbruck etwas bringt, der Austragungsort des nächsten ESC (Eurovision Song Contest) zu werden, ist ungefähr gleich sinnvoll, als wollte man die Frage stellen „Bringt Innsbruck der Tanzsommer etwas?“ oder „Was hat Innsbruck vom Bergisel-Springen?“ Blenden wir einmal kurz aus, dass die zuletzt genannten immer wiederkehrende Ereignisse sind, da es für die aktuelle Betrachtung keine große Rolle spielt.

Beurteilt man die Fragen nach einer reinen Einnahmen-Ausgabenrechnung, käme bei vollständiger Zurechnung aller anfallenden Kosten für alle dieses Veranstaltungen ein sattes Minus heraus. Anteilige Infrastrukturkosten, Sicherheitsaufwendungen etc. übersteigen in aller Regel die Einnahmen aus Eintrittskarten. Es ist naheliegend, dass deshalb mit Umwegrentabilität argumentiert wird. „Die halbe Welt blickt auf Innsbruck“ oder „Ein unschätzbarer Beitrag für den Fremdenverkehr“ lässt sich zwar nicht beziffern, klingt aber gut. Die Frage, ob nachweisbar schon einmal ein Däne nach Innsbruck gereist ist, nur weil er das Bergisel-Springen sah oder ein Tanzfanatiker ist, kann auch niemand beantworten.

Was bleibt dann aber noch als echter Nutzen

Meinung

solcher Veranstaltungen, wenn es weder das Geld noch die Anziehungskraft ist? Ich denke, er erschließt sich aus der Vorstellung, dass alle Veranstaltungen und Einrichtungen, die keinen eindeutig bezifferbaren Nutzen bringen, abgeschafft werden könnten. Es würde ziemlich still in unserer Stadt und, was noch viel schlimmer wäre, wir würden verrohen und verdummen. Qualitätsvolles Zusammenleben zeichnet sich nun mal dadurch aus, dass wir nicht nur dem Broterwerb nachgehen, essen und schlafen. In kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen finden Auseinandersetzung und Beschäftigung mit Themen statt, die größer und, fast möchte ich sagen, erhabener sind, als unser Alltag. Sie lösen soziale Interaktion, Identifizierung und damit persönliche Weiterentwicklung aus. Das wussten schon die alten Griechen und frönten mit Hingabe Theater- und Wettkampf-Besuchen. Gerechnet haben sich die auch damals schon nicht.

Selbst wenn man nun den ESC weder als Kultur noch als Sport bezeichnen möchte, ja ihn sogar nicht einmal mag, so muss man doch zugestehen, dass er sich von einem Wettkampf kaum unterscheidet. Und auf andere Wettkämpfe, die in Innsbruck ausgetragen wurden, sind wir auch noch nach 50 Jahren stolz.