Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:25 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Ein
Selfie

Von Nikoletta Zambelis | Nach 36 Episoden „Zauberspiegel“ und Verzerrung des Tuns anderer Menschen erscheint es mir hoch an der Zeit, auch einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren.

So betrachte ich schreibend mein Spiegelbild im verstaubt-fleckigen Bildschirm meines Laptops und frage mich: Was tust du hier eigentlich? Worin besteht der Sinn, über Kurzparkzonen herzuziehen, während sich keine 1500 Kilometer entfernt von uns menschliche Dramen vor der Küste Italiens abspielen? Was ist der Mehrwert einer Kolumne über unseren Herrn Finanzminister Michael „Spindi“ Spindelegger, wenn aktuell Passagierflugzeuge vom Himmel geschossen werden? Und wie soll mein Geschreibsel den betroffenen Menschen im eskalierenden Israel-Hamas-Konflikt helfen?

Selbstkritisch muss ich zugeben, es gäbe Wichtigeres zu tun auf diesem Planeten, als wöchentliche Kolumnen über Themen zu verfassen, deren weitreichende Bedeutung man auch gerne in Zweifel ziehen kann. Oder noch prägnanter ausgedrückt: Es ist einfach und entspricht keiner sonderlichen Heldentat, mit vollem Bauch, einem Dach über dem Kopf und in Sicherheit lebend über Missstände zu schreiben und für die kecke Lippe, die man dabei riskiert, eben nichts riskieren zu müssen.

Meinung

Andererseits: Ich könnte auch nur am Gasthaus-Tisch meckern, dort meine Meinung zum Besten geben und alkohollaunig vor mich hin polemisieren. Das allerdings, davon bin ich überzeugt, hilft unseren Erden-Mitmenschen mit Sicherheit auch nicht.

Wie also kann sich ein einigermaßen verantwortungsbewusst denkender Mensch zwischen heldenhaftem „sich in die Schlacht werfen“ und unproduktivem Gemotze sinnvoll einbringen? Glücklicherweise sind die Betätigungsfelder breit. Von ehrenamtlicher Tätigkeit bis hin zum Schreiben von Kolumnen kann sich jeder entlang der eigenen Kompetenzen im Weltgeschehen engagieren. Auch dann, wenn sich „die Welt“ nur im Nano-Radius der eigenen Stadt bewegt, ist jedes Tun besser als gar keines. Und so sollte jeder und jede das einbringen, was er oder sie am besten kann.

Ich versuche es schreibend, Sie hoffentlich lesend und weiter erzählend, und wir alle zusammen gestaltend.