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punktierte Linie

Ein Beziehungskiller

Von Nikoletta Zambelis | Die zeitliche Ausweitung der Kurzparkzonen in Innsbruck kann ungeahnte Nebenwirkungen haben.

Alle haben sie ihrem Unmut Luft gemacht: Von Innenstadtkaufleuten, über Kino- und Theaterbesuchern bis hin zu Innenstadtgastronomenwill keiner die neue Kurzparkzonenregelung. Vor allem was die Ausdehnung der Zeit bis 21 Uhr anbelangt, sind sich unisono alle einig: Das belastet Geschäfts- und Kulturbeziehungen empfindlich.

Eine Beziehung hat in der Debatte bisher noch kein Gehör bekommen und soll sie daher im Zauberspiegel erhalten: die Liebesbeziehung. Auswärtig wohnende Menschen mit Liebesbeziehungen zu innerstädtisch angesiedelten Pendants geraten nun schwer in die Bredouille. Wenn Mann/Frau nach Feierabend noch ein lauschiges Schäferstündchen mit Mann/Frau unterhalten will, oder sich auf ein Candlelight-Dinner in trauter Zweisamkeit freut, so ist jetzt nach eineinhalb Stunden Schluss mit lustig, es sei denn man setzt den freudvollen Event erst nach 21 Uhr an. All jene, denen jedoch schon früher nach Zweisamkeit und Spontaneität ist, haben nun die Wahl zwischen Ärger mit dem Herzblatt oder mit dem Parksheriff, also zwischen Pest und Cholera. Beides keine attraktiven Alternativen.

Meinung

Vielleicht unterhält ja keiner der Erfinder der neuen Kurzparkzone eine innerstädtische Liebesbeziehung und hat das Problem in seiner vollen Tragweite daher nicht bedacht.

Ihnen sei hiermit gesagt: Unterbrechungen (von was auch immer) im 90-Minuten-Takt zwecks Nachfütterung der Parkuhr gehen zu Lasten spontan-ausgelassener Zweisamkeit und strapazieren Beziehungen aufs Empfindlichste. Vielleicht liegen dem Problem aber auch zutiefst moralische und katholische Überlegungen zugrunde. Denn was schließlich eine ordentliche Beziehung ist, zieht zusammen, heiratet und bezieht dann ohnehin eine Anrainerparkkarte.

Wie auch immer es gewesen sein mag, so zeigt sich doch zumindest in dieser Beziehung, dass die Ausweitung der gebührenpflichtigen Zeit keine wirklich gute Idee war und im Sinne soziologischer Auswirkungen gescheiterter Liebesbeziehungen dringend reformiert gehört. Und es bleibt zu hoffen, dass aus Mann/Frau, die vom Zigarettenholen nie mehr wieder kamen, nicht irgendwann Dauer-Verschollene nach Einwurf weiterer Parkmünzen werden.