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punktierte Linie

Kleider machen Leute

Von Nikoletta Zambelis | …und stehen für Werte. Ein Beitrag zur Burka-Debatte.

Das Burka-Verbot, das die nie um eine Ausgrenzungsidee verlegene Spitze der FPÖ (wieder einmal) fordert, bedarf nicht erst seit dem Sager eines offenbar verwirrten und nicht ausreichend auf Parteilinie eingeschworenen grünen Bundesrates der Betrachtung im Zauberspiegel.

Die Burka symbolisiert, wie so viele andere Kleidungsstücke auch, ja nicht nur eine Bekleidung, sondern vielmehr eine Wertehaltung. So weit kann man den Ideenspendern ja noch zustimmen. Aber wie, bitte schön, will man Werte verbieten? Es ist doch im wahrsten Sinne des Wortes einigermaßen blaäugig anzunehmen, dass das Verbot der Frauenverhüllung die Missachtung von Frauen verbieten könnte. Viel eher ist zu befürchten, dass Frau, der Burka beraubt, dann nicht mehr außer Haus geht (ob dürfen oder wollen, lasse ich dahin gestellt). Ich will nicht annehmen müssen, dass Dauer-Hausarrest für Mitbürgerinnen die wahre Agenda hinter dem Vorstoß ist. In dem Zusammenhang erhielten die zu streichenden Sozialleistungen des grünen Bundesrates gleich doppelte Brisanz. Denn Frau, zu Hause eingesperrt, kann folglich auch nicht arbeiten, keinen Arzt besuchen usw. Es erklärt sich von selbst, was die Streichung der Sozialleistungen bedeutet. Die Vorstellung davon ist so grausam, dass man hoffen

Meinung

muss, es bleibt bei der Einzelmeinung eines verwirrten Grünen, der halt auch einmal in der Zeitung stehen wollte.

Doch zurück zu den Werten. Mini- wie Faltenrock, Leggings, Dirndl und Chanel-Kostüm, das Kopftuch und jede Firmenuniform haben mit der Burka gemein, dass sie mehr sind, als nur Kleidung. Sie verkörpern Werte der Trägerinnen, ja sogar ganzer Generationen. Als solches emotionalisieren sie ebenso und rufen Befürworter wie Gegner auf den Plan. Wer das überprüfen möchte, besuche im hinteren Defreggental in Leggings einen Gottesdienst oder im Chanel-Kostüm die Sitzung eines Sozialvereines. Ein Ordnungsruf oder gar ein Verbot würde es auch in die Schlagzeilen schaffen, ganz einfach deshalb, weil es nicht nur um einen Fetzen Stoff geht, sondern um Werte auf beiden Seiten, die so in Frage gestellt werden. Und wer lässt sich schon gerne seine Werte verbieten.

Ebenso verhält es sich mit der Burka. Will man also den Trägerinnen ehrlich zu mehr Frauenrecht und -würde verhelfen, muss statt eines Bekleidungsverbotes eine offene und sensibel geführte Wertediskussion stattfinden. Das wüssten die politischen Burka-Gegner wahrscheinlich auch, ginge es ihnen tatsächlich einzig und alleine um die Frauenwürde.