Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:30 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Politik der markierten Bäume

Von Nikoletta Zambelis | Wie konnten wir die Jahre davor ohne all diese Regulierungen bloß überleben?

Ich kann mir nicht helfen, unsere Provinzregierungsväter und –mütter machen auf mich den Eindruck von Hündchen, die ihre Bäume markieren. Wem das jetzt zu despektierlich klingt, der möge mir den Vergleich verzeihen, dennoch weiterlesen und sich dann selbst ein Bild machen.

Fassen wir doch einmal kurz die Highlights der letzten Monate zusammen, mit denen sich unsere Häupter beschäftigt, und die sie vor allem prominent platziert haben: Da ging es los mit dem Taxi- und Radfahrverbot in der Maria-Theresien-Straße, das abgeklatscht wurde vom Bettelverbot, gefolgt von der Ausweitung der Kurzparkzone in Preis und Dauer, was alsdann zum Alkoholverbot führte und zuletzt im 100-kmh-Limit gipfelte.

Wie konnten wir die Jahre davor ohne all diese Regulierungen bloß überleben, fragt sich da die kleine Tirolerin bzw. Innsbruckerin. Oder anders gefragt: Sind das wirklich die Probleme, die vorrangiger Behandlung bedürfen? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Bäumchenmarkierung betrieben wird, die davon

Meinung

ablenken soll, dass zu den wirklich großen Hunden wie Bildung, Arbeitsplätze, Jugend ohne Orientierung, Mietpreise usw. keinem etwas wirklich Gescheites einfallen will. Vielleicht will sich ja auch niemand mit ihnen anlegen, zu kostbar ist schließlich das Revier, das man sich erkämpft hat, und zu groß die Gefahr, dass man von einem Riesenhund verjagt oder gar gebissen wird.

Und was tut ein kluges Hündchen, wenn es vor einer richtig riesigen und unbesiegbaren Dogge steht? Es dreht sich um, macht sich vom Feld und pinkelt an den nächsten Baum. Frei nach dem Motto: Wenn ich dich schon nicht besiegen kann, dann will ich zumindest klar gemacht haben, dass ich auch da war. Nun, wenn das so weitergeht, dann werden zwar alle Bäumchen mit der Zeit ihre unverkennbare Duftnote tragen, doch die Doggen werden davon nicht verschwinden. Im Gegenteil, sie werden ihre Haufen gezielt platzieren, so dass irgendwann jeder hineintreten muss. Um dem vorzubeugen, wäre in weiser Voraussicht vielleicht eine neue Regelung erforderlich: Mehr Bäume für Tirol!