Lesedauer   Lesedauer – für diesen Text benötigt ein durchschnittlicher Leser 1:40 Minuten  (Erklärung hier)

punktierte Linie

Inkognito auf Facebook

Von Nikoletta Zambelis | Auf der Suche nach meinem Onkel, der sich – vielleicht – als Reiskorn tarnt: Themaverfehlung oder Deckmantel?

Über die Verwendung von Facebook als Netzwerk- und Kontaktplattform kann man ganz einfach ganz unterschiedlicher Meinung sein. Gründe, Gefahren und Generationsargumente gibt es sowohl in der Pro- als auch in der Contra-Funktion in so hohem Ausmaß, dass sie, wollte ich sie hier durchdiskutieren, den Zauberspiegel auf Jahre füllen könnten. Und so wichtig ist Facebook, selbst wenn es manchen so vorkommen mag, dann auch wieder nicht. Doch eine Erscheinung muss logisch denkenden Gegnern und Befürwortern gleichermaßen doch sehr seltsam erscheinen: Das Phänomen „Inkognito auf Facebook“.

Wenn ich irgendetwas richtig verstanden habe, dann hoffentlich das, dass Facebook ursächlich dem Zweck diente, Menschen die einander schon kennen (oder eben noch nicht), zusammenzubringen.

Angefangen von alten Schulfreunden über weit entfernt lebende Verwandte bis hin zu strategisch gewählten neuen „Freunden“, kann „geadded“ und damit am persönlichen Netzwerk gebastelt werden. Das wiederum setzt voraus, dass ich meinen Onkel in Amerika auch unter seinem Namen finde. Wenn sich dieser jedoch inkognito mit dem Namen Uncle

Meinung

Sam auf seinem Profil tummelt, auf dem Foto vielleicht höchst originell als Reiskorn getarnt, dann kann ich doch nur den Schluss daraus ziehen: Er will nicht gefunden werden. Selbst wenn er die Initiative ergreifen würde, und mich adden wollte – ich würde ihn glatt ablehnen. Was soll ich mich auch mit einem Reiskorn befreunden?

Und das Risiko mit einem totalen Spinner vernetzt zu sein, ist mir eindeutig zu hoch. Wenn also mein lieber Onkel weder gefunden noch als Freund zu meinem Facebook-Netzwerk hinzugefügt werden kann, was will er dann überhaupt auf Facebook? Wenn es darum geht, Originalität zu demonstrieren, ist Facebook vermutlich das falsche Medium. Wenn er im Netz ungefährdet und deshalb inkognito bleiben möchte, ist Facebook mit Sicherheit das falsche Medium. Und sollte es ihm tatsächlich darum gehen, unter dem Deckmäntelchen des Reiskorns Hetze und Gemeinheit in die Welt zu posaunen, dann kann ihm das ja nur deshalb gelingen, weil es Menschen gibt, die sogar ein Reiskorn als „Freund“ akzeptieren. Gäbe es nur echte Namen mit echten Bildern, wäre Facebook sehr rasch sehr viel transparenter und damit sicherer und höflicher. Und ich könnte meinen Onkel finden.