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Öffentliches Sitzverbot

Von Nikoletta Zambelis | Ein Vorläufermodell des Alkoholverbots in der Innsbrucker Innenstadt.

Darf ich etwas Alkohol in das Feuer rund ums Alkoholverbot in Innsbrucks Innenstadt gießen? Weit vor dem heiß diskutierten Verbot griff ein weitestgehend unbemerktes Gesetz, nämlich jenes zum Sitzverbot in Innsbrucks Innenstadt.

Auch wenn de jure nicht verankert ist, dass in der Innenstadt kein öffentliches Sitzen erlaubt ist, so ist es doch de facto so, dass in der Prachtstraße einzig der Brunnenrand Gelegenheit zum sitzenden Verweilen bietet. Ein paar versprengte Bänkchen am Franziskanerplatz und einige wenige Liegen und Bänke vor der Markthalle ergänzen das fulminante Sitzangebot der einladenden Stadt.
Als des Wanderns müder Einheimischer oder Tourist hat man in der gesamtem Innenstadt also zwei Möglichkeiten: kostspielige Gasthausstühle oder, wo vorhanden, Gehsteigkanten und Hauseingänge. Wo hier Trinken (mit oder ohne Alkohol) einladender ist, lasse ich einmal dahingestellt, lautet doch die weitaus spannendere Frage: Wer hat’s erfunden?

Spontan fallen mir dazu drei Hypothesen ein.

Hypothese eins: Niemand. Das Aufstellen von einladenden Bänken in der Maria-Theresien-Straße und der Altstadt wurde schlicht vergessen. Man hat

Meinung

einfach nicht daran gedacht, dass im Zentrum einer lebendigen Stadt auch ab und an jemand ohne Konsumzwang sitzen, staunen, ratschen und betrachten möchte. Vielleicht könnte man hierzu einmal eine Bedarfserhebung machen, oder über den eigenen Stadtrand hinaus in andere Städte blicken.

Hypothese zwei: Es stecken die Gastwirte dahinter, die, könnte man sich gratis den Hintern platt sitzen, leere Gastgärten befürchten müssten. Und da hinlänglich bekannt ist, dass man Menschen immer wieder einmal zu ihrem Glück zwingen muss, zwingt man sie mittels Banklosigkeit in die Gasthäuser. Da sind sie verräumt und geben auch noch Geld aus – hier hoffentlich für Alkohol.

Hypothese drei: Das öffentliche Sitzverbot ist ein gewolltes Vorläufermodell des Alkoholverbots, das gescheitert ist, weil Mensch die Gehsteigkante neu erfand. Und da man Gehsteigkanten schwerlich abschaffen kann – wie ehedem die öffentlichen Sitzbänke –, vertreibt man nun die gehsteigkantensitzenden Alkoholtrinker. In dieser Hypothese verkümmern die allerdings zu Bauernopfern, denn eigentlich will man ja überhaupt keine „nur sitzenden und nicht konsumierenden“-Menschen in der Innenstadt. Doch das hat sich dann noch keiner zu sagen getraut.