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Gesetzestreue
oder Reform?

Von Nikoletta Zambelis | Eine Eucharistiefeier ohne gültig geweihten Priester abzuhalten, widerspricht dem Codex Iuris Canonici, dem Werk, das das Kirchenrecht abbildet.

Nun kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass das Werk doch schon einige Jahre auf dem Buckel hat, eh schon längst reformiert gehörte und deshalb das Brechen der ein oder anderen Regel höchst an der Zeit ist. Vermutlich sind die meisten Reformen unserer Geschichte aus eben solchen Regelbrüchen entstanden. Irgendjemand fand eine Regel zu ungerecht, diskriminierend oder unmenschlich, brach sie und läutete damit einen Umdenkprozess ein. So gesehen tut das Ehepaar Heizer genau das, was z.B. auch schon die ersten Christen taten oder später Luther: Sie handeln bewusst und aus Überzeugung gegen eine ihnen bekannte Regel.

Ebenso bekannt ist jedoch auch, dass die Erfinder und Hüter von Regeln nicht gerne tatenlos dabei zusehen, wie ihnen jemand ihre Gesetze über den

Meinung

Haufen wirft. Einen Schritt weiter gedacht wäre es für unser Zusammenleben nachgerade fatal, würde jeder von uns Gesetze und Regeln täglich neu erfinden und nach eigenem Ermessen außer Kraft setzen. Die anarchischen Auswirkungen solchen Handelns liegen auf der Hand, der Ruf nach Exekution der Gesetze ist daher verständlich.

Frau Heizer als Religionspädagogin wird sich all dessen sicherlich bewusst gewesen sein. Ob dem zum Trotz Reformwille die Triebfeder Ihres Handelns war und ist, oder die Überzeugung, dass ihr der Papst gar nichts anschaffen kann, weil sie mit dessen Chef auf Du und Du ist, kann nur sie selber wissen. Zu wünschen ist Ihr allerdings, dass Ihr Anwalt ein nach geltendem Gesetz diplomierter Jurist ist, und kein selbsternannter Rechtsexperte und ihr Arzt keine Praxis als Bader betreibt.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar „Das Amen im Gebet“ der Reihe „Heisz serviert“ von Irene Heisz (hier zu finden).