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Tourismus in der Dauerkrise

Von Nikoletta Zambelis | Handelt es sich um rein präventives Krankjammern?

Der heimische Tourismus ist schwer geschockt, fällt doch Ostern heuer so spät ins Frühjahr, dass kaum mehr ein Gast zum Skifahren angelockt werden kann. Bedauerlicherweise konnte man ihn auch schon im Winter nicht locken, denn der war ja viel zu warm. Fehlt nur noch, dass ein verregneter Sommer kommt, dann fehlt der Gast wieder, und wenn es am Fenstertag nach dem 1. Mai womöglich schon heiß ist, fehlt der Gast erst recht, denn dann fährt der doch lieber an den Gardasee.

Bleibt nur zu hoffen, dass es sich bei derartigen Befürchtungen um rein präventives Krankjammern handelt, um ein möglicherweise schlechteres Ergebnis schon prophetisch vorausgesagt zu haben. Wenn dem nämlich nicht so ist, dann handelt es sich eindeutig um eine schwere Anpassungsstörung. Angesichts dessen, dass in Tirol beinahe 25.000 Betriebe direkt vom Tourismus

Meinung

leben (indirekt mindestens noch einmal so viele), wäre das eine fatale Diagnose. Denn sollten 25.000 Geschäftsmänner und -frauen tatsächlich nicht in der Lage sein, ihr Geschäftsmodell an sich ändernde Bedingungen anzupassen – dann muss die Frage erlaubt sein, ob die Branche überhaupt fähige Geschäftsleute hat.

Man kann über Darwin denken, wie man möchte, doch dass die Überlebenschance von der Fähigkeit abhängt, sich an die Umwelt anzupassen, lernten wir schon im Gleichnis von der Eiche und dem Grashalm. Selbst die als altmodisch und unbeweglich abgestempelte Post hat verstanden, dass im Zeitalter von E-Mails kein Geld mehr mit Briefmarken zu machen ist, und hat ihr Angebot erweitert. Sollte man sich ähnliche strategische Anpassung nicht auch von 25.000 touristischen Geschäftsleuten erwarten dürfen?